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Auf Augenhöhe mit dem Bronze-Hauptmann

Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz

Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz

Restauratorin Beatrice Pfeifer ist Spezialistin für Metallkonservierung. In Bludenz erhält derzeit das Riedmiller-Denkmal eine „Frischzellenkur“ von ihr.

Von Rubina Bergauer

Diese Woche jährte sich der Tag der Errichtung des Riedmiller-Denkmals in Bludenz zum 113. Mal. Doch wer dieser Tage in die Alpenstadt kommt, wird den honorigen Herrn nicht an seinem gewohnten Platz antreffen. Der Sockel, auf dem er jahrzehntelang stand, ist verwaist. Schuld daran, dass der Bronze-Hauptmann seinen Posten verlassen hat, ist eine Frau. Pfiffiger Kurzhaarschnitt, Arbeiterlatzhose und wache blaue Augen hinter dezenten Brillengläsern: Beatrice Pfeifer (57) kümmert sich als Restauratorin um das „Wohl­ergehen“ des Riedmiller-Denkmals. Auf dem Platz vor dem Café Remise, in Sichtweite zum gewohnten Standort der Bronze-Statue, steht das in die Jahre gekommene Kunstwerk umgeben von einem Baugerüst. Der Hauptmann ist mit einer Größe von dreieinhalb Metern und einem Gewicht von rund 300 Kilogramm ein Herr von stattlichem Format. Doch der Zahn der Zeit nagt auch an ihm. „Täglich rollen ja zahlreiche Autos am Denkmal vorbei, Schmutz und Abgase machen ihm zu schaffen“, erklärt die Expertin. Doch nicht nur das. Die Skulptur stand in jüngster Zeit auf äußerst wackeligen Beinen.

Kunstkammer Wien. Zum Faschingsumzug wird auch der bronzene Riedmiller immer „herausgeputzt“. Da bemerkten Arbeiter der Stadt Bludenz, dass sich Risse im Denkmal auftaten und es nur noch wenig stabil auf seinem Sockel stand. Es bestand Handlungsbedarf. Beatrice Pfeifer ist selbstständige Restauratorin und spezialisiert auf Materialien wie Metall, Email Elfenbein und Bernstein. An der Universität für angewandte Kunst in Wien hat die Schrunserin ihr Studium absolviert. „Ich wollte immer einen Beruf ergreifen, der mit Kunst zu tun hat. Dann bin ich auf den Studiengang für Konservierung und Restauration an der Angewandten aufmerksam geworden“, erzählt sie. Da sie gerne modellierte, also im dreidimensionalen Bereich arbeitete, entschied sie sich für den Schwerpunkt Metallrestaurierung. Hierfür schloss sie im Rahmen des Studiums auch eine Goldschmiedeausbildung ab. „Mein Traum war, in der Kunstkammer in Wien zu arbeiten“, sagt Pfeifer. Dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Nach ihrem Studium arbeitete sie folglich für das Kunsthistorische Museum Wien, restaurierte Gegenstände aus den Wunder- und Kunstkammern der Habsburger. Die Sammlung beinhaltet eine große Bandbreite an Objekten, angefangen von frühchristlichen Kunstwerken bis hin zu Gegenständen aus dem 18. Jahrhundert. „Die Kunstgegenstände in prominenten Museen sind normalerweise in einem guten Zustand, brauchen aber regelmäßige Pflege“, sagt Pfeifer. Dafür sind neben dem entsprechenden Know-how einiges Geschick und filigrane Handarbeit notwendig. „Für einen Messkelch aus dem 17. Jahrhundert wurde eine andere Vergoldungstechnik angewandt als heute. Das Erscheinungsbild des gesamten Objekts kann durch neue Methoden verändert werden.“ Deshalb setzt sich die Restauratorin eingehend mit den Werkstücken auseinander, die ihr anvertraut werden. Schließlich sollen diese nach getaner Arbeit im alten Glanz erstrahlen und nicht wie moderne Produkte wirken. Im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Kunstkammer war Beatrice Pfeifer auch an einem Forschungsprojekt in Sachen Email-Arbeiten beteiligt.

Geschichte bewahren. Im Jahr 1998 entschloss sich die mittlerweile dreifache Mutter zum Schritt in die Selbstständigkeit. Auch der Umzug zurück ins Ländle stand an. „Natürlich habe ich mich anfangs gefragt, ob es mit dem eigenen Unternehmen klappt, vor allem da ich in einem sehr spezialisierten Bereich arbeite“, berichtet die 57-Jährige. Gleich vorweg – die Tätigkeit verlangt einiges an Flexibilität. So ist die Fachfrau viel unterwegs, war beispielsweise für die Kölner Pfarrkirchen oder den Churer Dom tätig. Was der Montafonerin bei ihrer Arbeit besonders am Herzen liegt: „Restaurieren bedeutet, ein Objekt wiederherzustellen, ohne dessen Geschichte unter einem neuen Anstrich verschwinden zu lassen.“ Genau darum geht es ihr auch bei der Bludenzer Riedmiller-Statue. Der Bronzehohlguss wurde vom Vorarlberger Künstler Georg Matt gefertigt und 1906 in der Alpenstadt aufgestellt. „Meines Erachtens ist die Figur künstlerisch gut ausgeführt. Da damals noch keine Schweißarbeiten möglich waren, musste sich der Künstler für die Konstruktion eine ausgeklügelte Technik einfallen lassen“, weiß Pfeifer. So wurde das Kunstwerk in mehreren Teilgüssen hergestellt. Im Inneren befinden sich sogenannte Führungsstangen, um für Stabilität zu sorgen. Genau diese sind dem Herrn in Übergröße über die Jahre aber abhandengekommen. „Edle Metalle fressen unedle auf – die Bronze hat also mit der Zeit die innere Eisenkonstruktion zerstört“, erklärt die Fachfrau. Doch auch äußerlich setzte Korrosion dem Denkmal zu. „Die Oberfläche der Figur sieht von der Weite betrachtet sehr glatt aus, ist in Wirklichkeit aber texturiert. Es sind noch Werkzeugspuren des Bildhauers sichtbar. Diese gilt es zu erhalten.“ Keine einfache Aufgabe. Das meiste ist zudem Handarbeit, was mitunter sehr kräfteraubend sein kann.

380 Arbeitsstunden. Zum Handwerk gehören auch genaue Restaurierberichte. „Die Dokumentation ist vor allem für nachfolgende Restaurateure wichtig“, erläutert Pfeifer. Darüber hinaus beschäftigt sich die 57-Jährige auch mit der „Biografie“ ihrer Arbeitsobjekte. So hat sie sowohl den Lebenslauf von Hauptmann Riedmiller als auch jenen des Künstlers, der ihn verewigen sollte, recherchiert. „Ich finde es sehr spannend, so in die Lokalgeschichte einzutauchen. Man fährt als Oberländer ja oft genug am Riedmiller-Denkmal vorbei, macht sich aber kaum je Gedanken darüber.“ Vielleicht tun dies nun mehr Leute, denn seitdem das Bronzedenkmal unter freiem Himmel auf dem Vorplatz des Café Remise restauriert wird, erhält Beatrice Pfeifer immer wieder Besuch von Interessierten. Unter anderem kam sogar ein Nachfahre von Georg Matt an ihrem Arbeitsplatz vorbei. Im August soll Riedmiller wieder seinen gewohnten Posten beziehen, gestärkt durch ein inneres Bronzegerüst von der Schlosserei Kessler und befreit von Schmutz und Korrosion. Zwischen 350 und 380 Arbeitsstunden wird die Restauratorin dann investiert haben. „Es wird wohl langsam Zeit, dass wir uns auf den Abschied vorbereiten. Denn so nah kommen wir uns wohl nicht mehr so schnell“, sagt sie und lacht.

<p class="caption">Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz</p>

Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz

<p class="caption">Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz</p>

Abgase und Schmutz haben dem Bronzeabbild von Berhard Riedmiller zugesetzt. Klaus Hartinger (5), Stadt Bludenz

„Restaurieren bedeutet, Objekte wiederherzustellen, ohne deren Geschichte unter einem neuen Anstrich verschwinden zu lassen.“

Beatrice Pfeifer, Restauratorin

Information

Bernhard Riedmiller

Bernhard Riedmiller (1757 bis 1832) stammte aus einer wohlhabenden Bauernfamilie unweit von Memmingen (D). Als in Bludenz das in Konkurs geratene Kronenwirtsgut zum Verkauf ausgeschrieben wurde, übersiedelte er als Wirt nach Vorarlberg. In den Kriegsjahren 1796 und 1799 führte er als Hauptmann eine Bludenzer Schützenkompanie in den Abwehrkämpfen gegen die Franzosen unter Napoleon. 1809 wurde er zu einem der acht Landesverteidigungsmajore ernannt und war im Zuge des österreichisch-französischen Krieges am Bodensee bei der Eroberung Lindaus und der Belagerung der Stadt Konstanz beteiligt. Er war einer der militärischen Führer der Vorarlberger Volkserhebung 1809. Nach der Kapitulation musste Riedmiller im August 1809 nach Tirol fliehen. Er schloss sich dort Andreas Hofer an und nahm 1809 an der dritten Schlacht am Bergisel teil. Nach dem Zusammenbruch des Widerstandes floh Riedmiller zunächst in die Schweiz, ging aber bald nach Wien, wo er eine kleine Pension als Anerkennung seiner Verdienste erhielt. Quelle: Österreichisches Bio­graphisches Lexikon und biographische Dokumentation, Wikipedia.

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