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Fundament für Bildungs- und Lebensweg

Die Kinder­garten­kinder sollen spielerisch und altersgerecht an Sprache herangeführt werden.  Frederick Sams(3)

Die Kinder­garten­kinder sollen spielerisch und altersgerecht an Sprache herangeführt werden.  

Frederick Sams(3)

Der Bregenzer Stadtrat hat ein neues Sprachförderkonzept für Kindergärten beschlossen. So sollen unter anderem die Eltern stärker eingebunden werden.

Von Brigitte Kompatscher

Die Aussage „Sprache ist der Schlüssel zur Bildung“ würde wohl nahezu jeder unterschreiben. Damit sie nicht nur Theorie bleibt, gibt es bereits seit einigen Jahren in den Kindergärten des Landes Bemühungen, die Sprachentwicklung schon bei den Kleinsten zu fördern. Ein notwendiger Schritt, zumal rund 17 Prozent der Jugendlichen in Österreich nach acht Schuljahren Probleme beim Lesen einfacher Texte haben.

Vor Kurzem hat nun die Stadt Bregenz ein Sprachförderkonzept beschlossen. „Eine Arbeitsgruppe dazu gibt es schon seit einigen Jahren“, informiert Sabine Kessler, Leiterin der Dienststelle Familien und Kinder, die federführend an der Erstellung des Konzepts beteiligt war. Wobei es nicht nur um Sprachförderung, sondern auch um Sprach­entwicklung gehe, betont sie.

Hoher Bedarf. Derzeit sind in den zehn städtischen Kindergärten von Bregenz über 680 Mädchen und Buben. 43 Prozent von ihnen haben als Muttersprache Deutsch, deutlich über die Hälfte hat somit eine andere Erstsprache. Knapp über die Hälfte der Kleinen, genau 51 Prozent, hat wiederum einen Sprachförderbedarf, erläutert Kessler. Eine Zahl, die sich allerdings nicht wesentlich von jener in den vergangenen Jahren unterscheide, informiert sie.

Teile des nun vorliegenden Sprachförderkonzepts wurden bereits in der Vergangenheit an einzelnen Standorten praktiziert, erklärt Kessler. „Unser Wunsch war es aber, ein Konzept anzulegen, um eine gemeinsame Basis für alle Kindergärten zu schaffen – politisch und strukturell.“ So gehe es auch nicht nur um die Sprachförderung als solche, sondern auch um eine Reflexion darüber. Entstanden ist das Konzept, das auch ein Sprachfördernetzwerk zum Ziel hatte, aus der Zusammenarbeit von Stadt und verantwortlichen Kindergartenpädagoginnen. Bis zu 15 Personen umfasst die Arbeitsgruppe, die sich auch in Zukunft weiter treffen wird. Für die Erarbeitung des Konzepts wurden weiters zusätzlich externe Fachkräfte, darunter Linguisten und Logopäden, beigezogen.

Förderteam. Inhaltlich gibt es beim nun vorliegenden Modell etwa ein Sprachförderteam, das schon seit rund eineinhalb Jahren im Amt ist. Dabei handelt es sich um eine fünfköpfige Gruppe aus Kindergartenpädagoginnen mit Zusatzausbildung, die bei Fachfragen Ansprechpartner für die Kindergärten sind, aber auch als eine Art Bindeglied zur Stadt fungieren. Weiters enthält das Konzept diverse „Werkzeuge“, etwa Leitfäden für die Aufnahmegespräche oder einen Entwurf für einen Elternbrief.

Neu ist, dass alle fünfjährigen Kinder, die im Jahr darauf in die Schule kommen, einen kostenlosen Büchereiausweis bekommen. Das erste Buch wird im Rahmen eines Besuchs der Kindergartengruppe ausgeliehen. Durch den Büchereiausweis sollen in der Folge aber auch die Eltern dafür sensibilisiert werden, mit ihren Kindern die Einrichtung zu besuchen. Das werde etwa auch bei einem Eltern­abend kommuniziert. „Unser Ziel ist, dass die Eltern das übernehmen“, sagt Kessler. Konkret sollen sie dann selbstständig mit ihren Kindern in die Büchereien gehen und ihnen zum Beispiel vorlesen. Ausgebaut wird auch die Eltern-Kind-Bibliothek an den Kindergärten – eine kleine Bibliothek, in der zusätzlich mehrsprachige Bücher angeboten werden. Die Lesepaten, die es schon gibt, werden weiterhin den Kleinen vorlesen. „Vieles wird ja schon gelebt“, stellt Kessler dazu fest.

Teilhabe. Vorgesehen ist weiters, dass bis 2020 an jedem Kindergarten eine Sprachförderfachkraft ist. Zudem soll einmal im Jahr auch das eigene Sprachverhalten von den Pädagoginnen reflektiert werden. Neu eingeführt wird, dass alle Eltern auf Anmeldung im Kindergarten hospitieren können. „Dabei geht es darum, dass die Eltern den Kindergarten kennenlernen, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird und ihnen die Bildungsarbeit nähergebracht wird“, erläutert Kessler. Auch verschiedene andere Möglichkeiten für Eltern gibt es, um am Kindergartenalltag teilzuhaben, etwa gemeinsam Feste, Frühstücke oder ein schwarzes Brett.

Ziel des Gesamtkonzepts ist es durchaus auch, die Eltern vermehrt einzubinden, sagt Kessler. Ihnen bewusst zu machen, welche Rolle der Kindergarten im Bildungsgefüge spielt, und ihnen etwa auch klarzumachen, dass es wichtig ist, dass ihn die Kinder regelmäßig besuchen. „Je besser diese Beziehungsarbeit funktioniert, umso größer wird die Vertrauensbasis, und umso mehr profitiert das Kind“, bringt es Kessler auf den Punkt.

Ein Eingewöhnungskonzept für Kinder, die neu in den Kindergarten kommen, wird es ebenso geben wie eines für eine Willkommenskultur zum Beziehungsaufbau. Viele Dinge sind dabei ganz unabhängig von der Muttersprache. Wie Untersuchungen immer wieder zeigen ist es vorrangig die sogenannte Bildungsnähe oder -ferne der Eltern, die prägend für die Bildung der Kinder sind – weniger ein Migrationshintergrund oder die Erstsprache.

Positive Reaktionen. Rund 180 Personen arbeiten inklusive der Kleinkindbetreuungseinrichtun­gen derzeit in den Kindergärten der Landeshauptstadt. Davon sind knapp weniger als die Hälfte Kindergartenpädagoginnen. Ihnen wurde das Sprachförderkonzept im Mai präsentiert. „Die Rückmeldungen waren sehr positiv“, schildert Kessler die Reaktionen. Es werde unter anderem als gute Orientierungshilfe, auch für neue Mitarbeiter, gesehen. In das Sprachförderkonzept hineingeflossen sind noch eine Reihe weiterer Modelle, etwa ein ebenso neu erstelltes Grundlagenkonzept, das die Rahmenbedingungen für Pädagoginnen, definiert, und das Integrationsleitbild der Stadt.

Einge der Maßnahmen des Sprachförderkonzepts werden sofort umgesetzt bzw. sind schon am Laufen, erklärt Kessler. Ab der Saison 2018/19 soll es dann für alle Kindergärten verbindlich sein. Die Kleinen sollen damit verstärkt zu Sprache, zu Literalität, also Lese- und Schreibfähigkeit, hingeführt werden – um ein „stabiles Fundament für den weiteren Bildungs- und Lebensweg zu bilden“, wie es Kessler formuliert. Ob die gesteckten Ziele erreicht werden, wird sich in einigen Jahren zeigen: „Wir rechnen dann mit positiven Rückmeldungen der Schulen“, zeigt sich Kessler optimistisch.

„Wir rechnen in ­ einigen Jahren mit positiven Rück­meldungen der ­Schulen“

Sabine Kessler, Stadt Bregenz
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