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Landjugend eine laute Stimme geben

Die Aktion mit den Lockpfosten überall im Land soll auf die Arbeit der Landwirte aufmerksam machen.

Die Aktion mit den Lockpfosten überall im Land soll auf die Arbeit der Landwirte aufmerksam machen.

Die Landjugend- Jungbauernschaft besteht gar nicht mal in erster Linie aus Jungbäuerinnen und Jungbauern. Sondern aus vielen jungen Vorarlbergern, die ihre Freizeit gerne gemeinsam mit Gleichgesinnten verbringen, sich sozial engagieren und Aktivitäten in ländlichen Bereichen organisieren möchten. Und das schon seit bald 45 Jahren.

Von Miriam Jaeneke

Barbara Geißler (26) ist seit fünf Jahren Geschäftsführerin der Landjugend Vorarlberg, der viele Jungbauern angehören. Wenn diese von klein auf auf dem elterlichen Hof mitgeholfen haben, ist es für sie oft keine Frage, ob sie den Betrieb übernehmen wollen. „Aber in der Regel führen sie Veränderungen ein und setzen vermehrt auf mehrere Standbeine. Ein Bezauer Jungbauer mit einer Mutterkuhhaltung und einigen tausend Hennen hat neulich hinterm Stall außerdem noch eine Himbeerplantage angelegt“, erzählt die 26-Jährige.

Als Geschäftsführerin der Landjugend freut sie sich über jeden und jede in der nächsten Generation, der oder die landwirtschaftliche Tradition fortführt – und bei ihnen Mitglied ist. Denn im Land etwas bewegen lasse sich am besten gemeinsam mit vielen Mitstreitern. Nächstes Jahr steht ein größeres Jubiläum an bei der Landjugend-Jungbauernschaft Vorarlberg: Im Jahr 1974 gegründet, wird der 45. Geburtstag gefeiert. Mit rund 2500 Mitgliedern ist es innerhalb Vorarlbergs eine der größten Jugendorganisationen. Österreichweit hat die Landjugend 90.000 Mitglieder. Aber, anders als viele vielleicht vermuten, hat nur rund die Hälfte davon einen bäuerlichen Hintergrund, sind also Jungbäuerinnen und Jungbauern. „Die andere Hälfte besteht aus Jugendlichen, die den ländlichen Raum mitgestalten und sich in einer starken Jugendorganisation engagieren möchten“, erklärt Barbara Geißler. Was genau bei den Jugendlichen auf dem Programm steht, ist jeweils von Region zu Region verschieden. Zum einen wird das Brauchtum gepflegt. Maiandachten werden abgehalten, Sonnwendfeuer, Wettbewerbe im Sensenmähen, Tanzkurse.

Bildung. Großgeschrieben wird bei der Landjugend auch die Allgemein- sowie die Persönlichkeitsbildung. Um Projektmanagement kann es bei letzterer gehen, aber auch um Rhetorik und Auftreten, die Schwerpunkte sind stets andere. „Außerdem gibt es jährlich fünf bis sechs Agrarkreise, bei denen es zum einen um landwirtschaftliche Fachinputs geht, etwa um ,Neue Wege in der Landwirtschaft‘. Aber wir besichtigen ebenso bäuerliche Betriebe, um die unglaubliche Vielfalt in unserem Land zu verdeutlichen, etwa einen Gemüsebauern, einen Direktvermarkter, einen Fischer, ein Biomassekraftwerk und so weiter“, zählt Geißler auf. „Wir wollen Brückenbauer und Bewusstseinsbilder für die regionale Wertschöpfung sein, wollen Landwirtschaft begreifbar machen.“

Inzwischen hätten viele Menschen – vor allem Kinder – keinen Bezug mehr zu den natürlichen Ursprüngen, wüssten beispielsweise nicht, dass eine Kuh nur dann Milch gibt, wenn sie ein Kalb zur Welt gebracht hat, oder woher das Joghurt aus dem Kühlregal kommt. An Tagen der offenen Tür werde Kindern das Leben und Arbeiten am Bauernhof anschaulich vermittelt. Diese können dabei etwa selbst erfahren, dass Rahm sich, wenn dieser lange genug geschüttelt wird, in Butter verwandelt.

Vernetzen. Bei der Gründung der Vorarlberger Jungbauernschaft sei es darum gegangen, Bauerntöchtern und Jungbauern eine Stimme zu geben, sie untereinander stärker zu vernetzen, sich um ihre Weiterbildung zu kümmern.

Heute sei das Verhältnis von weiblichen und männlichen Mitgliedern in Vorarlberg nahzu ausgeglichen: 55 Prozent sind männlich. „Die Bedingungen, um bei uns aufgenommen zu werden, sind: Man muss zwischen 14 und 35 Jahre alt sein, unsere Philosophie mittragen, bereit sein, sich aktiv einzubringen und den ländlichen Raum mitzugestalten“, nennt Geißler wichtige Punkte. Zur Philosophie gehöre die Weiterbildung am Puls der Zeit, damit die Jugendlichen die Kreisläufe der Landwirtschaft verstehen und aufrechterhalten lernten, ferner Pflege und Erhalt der Kultur und des Brauchtums und sinnvolle Freizeitgestaltung von Menschen mit denselben Interessen. Und ebenso soziales Engagement. „Wir sind eine starke Gemeinschaft.“

Dabei ist die Landjugend-Jungbauernschaft vorarlbergweit hierarchisch strukturiert. Unter dem Landesvorstand gibt es die Bezirke, darunter die Gebiete, dann die Ortsgruppen. Die einzelnen Landjugendgruppen sind recht autark, welche Aktivitäten über die Bühne gehen, bestimmen sie selbst.

Die Landjugend-Jungbauernschaft Mittelwald veranstaltet beispielsweise einen Tanzkurs mit Beeinträchtigten. „Sie tanzen dann miteinander unter der Regie einer Lehrerin, am Ende gibt es einen Abschlussball. Das ist sowohl für die Menschen mit Behinderung als auch für die Jugendlichen ein Riesenspaß“, erzählt Geißler.

Benefizlauf. Ähnlich war es bei einem Benefizlauf, den Mitglieder der Landjugend für eine Familie im Vorderwald organisiert hatten, weil diese von einem tragischen Krankheitsfall betroffen war. „Wir sind da, wenn man uns braucht“, bringt Geißler es auf den Punkt. Etwa bei Alpauf- und Abtrieben, bei der Organisation von Bauernmärkten oder anderen Projekten.

Und dann sind da noch die Wettbewerbe, die sich innerhalb der Landjugend großer Beliebtheit erfreuen. Etwa der Sensenmähwettbewerb, bei dem mit der richtigen Sense und der richtigen Technik in der schnellsten Zeit gedengelt werden muss. Es gibt Redewettbewerbe, einen Forstwettkampf, wo beispielsweise ein Baum so gefällt werden muss, dass dieser exakt auf einen bestimmten Punkt fällt. Ausgetragen wird auch der Vierer-Cup-Wissensbewerb, der in Teams von jeweils zwei Buben und zwei Mädchen absolviert wird. Allgemeinbildung, Geschichte, Zeitgeschehen, Englisch, Geschicklichkeit, Kreativ sein – was genau die Inhalte sind, erfahren die Teilnehmer erst vor Ort. Für die Gewinner geht es weiter auf Bundesebene, beim Forst- und Sensenwettbewerb gibt es sogar eine Europameisterschaft. Bei allem Kräftemessen kommt das Vergnügen nicht zu kurz. Und letztendlich gilt wohl das, was auch Barbara Geißler sagt: „Die Landjugend kann man nicht beschreiben. Man muss sie erleben.“

<p class="caption">Verschiedene Wettbewerbe stacheln den Ehrgeiz an. Beim Wettbewerb Forst geht es unter anderem um Präzision (unten).</p>

Verschiedene Wettbewerbe stacheln den Ehrgeiz an. Beim Wettbewerb Forst geht es unter anderem um Präzision (unten).

<p class="caption">Die Landjugend ist in Vorarlberg und in Österreich gut vernetzt. Miriam Jaeneke/Privat</p>

Die Landjugend ist in Vorarlberg und in Österreich gut vernetzt. Miriam Jaeneke/Privat

<p class="caption">Barbara Geißler steht an der Spitze der Landhugend.</p>

Barbara Geißler steht an der Spitze der Landhugend.

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