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Aus dem Gerichtssaal

Polizist reagierte spät auf Notruf: Suspendiert

Beamter schickte erst nach 17 Minuten Kollegen zum Tatort nach Hohenems, wo Familienvater zwei Töchter und Gattin ermordete.

Von Seff Dünser

Vielleicht hätten am 16. September 2017 die drei Morde und der Selbstmord in dem Mehrparteienhaus in Hohenems verhindert werden können, wenn ein Polizist auf einen Notruf pflichtgemäß unverzüglich reagiert hätte. Aber der Beamte, der nach gerichtlichen Feststellungen den ersten von fünf Notrufen eines Nachbarn um 4.24 Uhr entgegennahm, schickte erst 17 Minuten nach dem ersten Gespräch eine Polizeistreife zum Tatort. Wegen des Verdachts auf schwere Dienstpflichtverletzungen, der sich daraus ergiebt, wurde der 48-jährige Polizist bis zum Abschluss seines Disziplinarverfahrens vom Dienst suspendiert.

Das wurde im Mai am Bundesverwaltungsgericht in zweiter Instanz entschieden. Richter Ewald Schwarzinger hat damit den erstinstanzlichen Bescheid der Disziplinarkommission des Innenministeriums vom März bestätigt. Der Polizist, dessen Beschwerde abgewiesen wurde, kann sich mit einer außerordentlichen Revision noch an den Verwaltungsgerichtshof in Wien wenden.

Anrufer wurde aktiv. Ein Familienvater hat in der Wohnung zuerst seine vier und sieben Jahre alten Töchter und danach seine Gattin (33) erstochen. Beim Eintreffen der Polizei rund 30 Minuten nach dem ersten Notruf hat der Österreicher türkischer Abstammung sich ein Messer in die Brust gerammt und ist aus dem Badezimmerfenster gesprungen. Dabei wurde der 38-Jährige tödlich verletzt.

Der Nachbar informierte den Polizisten schon bei seinem ers­ten aufgezeichneten Notruf über seinen Verdacht, dass der 38-Jährige trotz des aufrechten Betretungsverbots in der Wohnung mit der Gattin streite und „Mama, Mama!“-Schreie von Kindern zu hören seien.

Der Anzeiger rief weitere vier Mal beim untätig gebliebenen Notrufsachbearbeiter an und teilte ihm um 4.37 Uhr mit, er werde nun bei der Polizeiinspektion Hohenems anrufen. Diese wurde um 4.38 Uhr vom Nachbarn verständigt und um 4.43 Uhr vom beschuldigten Gruppeninspektor. Die aktivierte Polizeistreife traf um 4.53 Uhr am Tatort ein und fand drei erstochene Menschen vor. 

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