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Den Trend der vergangenen Jahre drehen

Das sechsköpfige Kernteam für die Landtagswahl.SPÖ, Hartinger, paulitsch

Das sechsköpfige Kernteam für die Landtagswahl.

SPÖ, Hartinger, paulitsch

Interview. Martin Staudinger (38) ist desig­nierter Landesparteivorsitzender der SPÖ. Zudem geht er für die Sozialdemokraten als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2019.

Von Michael Steinlechner

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich politisch engagieren?

Martin Staudinger: Ich war schon als Jugendlicher politisch interessiert. Dann habe ich mir irgendwann Gedanken darüber gemacht, welche Partei ich von den Grundwerten her für gut halte. Nicht für mich persönlich, sondern für die Menschen und die Welt in Summe. Und da bin ich drauf gekommen: Das ist die SPÖ. Später bin ich dann nach Wien gegangen, um Politikwissenschaft und Volkswirtschaft zu studieren. Dort habe ich mich im VSStÖ in der Studentenpolitik engagiert.

Hat es einen besonderen Anlass gegeben, sich zu engagieren?

Staudinger: Ich habe damals im Herbst mein Studium begonnen. Im Mai war dann der ÖH-Wahlkampf. Da stand irgendwo eine Hütte, an der vom VSStÖ Flyer verteilt worden sind. Ich bin stehen geblieben, habe mit den Leuten dort geplaudert und dann gleich selbst Flyer verteilt. Das war der Beginn des Engagements.

Sie sind in Wien den politischen Weg bis ins Sozialmi­nisterium gegangen. War das eine gute Vorbereitung für Vorarlberg?

Staudinger: Es war sicher eine gute Vorbereitung, aber das war nicht der Plan. Ich bin zum Studieren nach Wien gegangen und dann ist einfach ein Schritt dem anderen gefolgt. Im Team des Ministers Regierungspolitik zu gestalten, war total lässig und das Beste überhaupt. Allerdings ist das auch ein intensiver Job, bei dem man jeden Tag rund um die Uhr beschäftigt ist. Ich habe das sieben Jahre gemacht und schon länger mit dem Gedanken gespielt, wieder nach Vorarlberg zurückzukommen. Ich war oft hier und habe den Kontakt nie abgebrochen. Als junger Mensch ist die Großstadt Wien reizvoll. Aber zum Leben ist Vorarlberg schön. Und nach meiner Rückkehr hat es mich gejuckt, mich weiter politisch zu engagieren. So habe ich immer mehr Leute kennengelernt, die wollen, dass es in der SPÖ wieder aufwärts geht.

Wie sind die Vorarlberger Sozialdemokraten aufgestellt?

Staudinger: Viel besser, als viele eigentlich denken. Bei Betrachtung der nackten Zahlen – also der Wahlergebnisse der vergangenen Jahre – denkt man sich schon: „Das schaut nicht gut aus.“ Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass es viele Menschen – junge und erfahrene – gibt, die sich engagieren und bei denen eine gute Stimmung herrscht. Da sehe ich viel Potenzial, dass etwas weitergeht. Das zeigt sich auch darin, dass es eine Diskussion darüber gegeben hat, wer Spitzenkandidat bei der Landtagswahl werden soll und gleich mehrere Personen in Frage gekommen sind. Zudem haben wir auch auf anderen Ebenen etwa in der Gewerkschaft oder in der Gemeindepolitik fähige Leute.

Wie schwer war die Entscheidung, die Aufgabe als Spitzenkandidat und als Landesparteivorsitzender zu übernehmen?

Staudinger: Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen war mir klar, wie viel Arbeit auf mich zukommen wird. Einiges ist sichtbar wie etwa Medientermine oder Interviews. Vieles geht jedoch nach innen. Es geht um organisatorische Dinge oder man spricht mit Menschen, die sich engagieren wollen. Da muss für gute Stimmung gesorgt werden. Zudem haben wir sehr viele neue Mitglieder.

Ihr Bekanntheitsgrad in Vorarl­berg hält sich noch in Grenzen. Wie sehen Sie das?

Staudinger: Jemand der schon 20 Jahre in der Landespolitik aktiv ist, ist – hoffentlich – bekannter als ich. Wobei ich nicht sicher bin, ob bei einer Umfrage wirklich jeder alle Landesräte kennen würde. In der heutigen Mediengesellschaft lässt sich so was aber rasch ändern. Wir haben ja noch 15 Monate Zeit.

Wie schauen die Ziele bei der Landtagswahl im kommenden Jahr aus?

Staudinger: Zuerst geht es darum, die SPÖ zu formieren. Dann steht die Arbeiterkammer-Wahl an, die ganz wichtig ist. Für viele Arbeitnehmer wird jetzt sichtbar, welche Bedeutung eine soziale Balance und eine starke Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter haben. Mit Manuela Auer haben wir da eine sehr gute und sehr bekannte Spitzenkandidatin. Bei der Landtagswahl wollen wir den Trend der vergangenen Jahre drehen und wieder stärker werden. Das gilt auch für die Gemeindewahlen, die darauf folgen werden.

Mit welchen Themen wollen Sie dabei punkten?

Staudinger: Bis zum Landesparteitag am 20. September will ich die Planungen für das Jahr konkretisieren – sowohl vom Ablauf als auch von den Themen her. Die Mitglieder des Spitzenteams werden auch jeweils Schwerpunkte haben. Vom Stil her ist mir wichtig, dass ein fairer Umgang der Parteien untereinander gepflegt wird. Ich mag es nicht, hinzuhauen und zu sagen: „Die anderen sind alle Idioten und darum wählt bitte mich.“ Ich will anderen Politikern und Parteien respektvoll begegnen und eher auf der Sachebene streiten, um eine Lösung zu finden. Es geht mir in der Politik nicht darum, andere zu bekämpfen oder eine große Show abzuliefern. Ich bin nur zufrieden, wenn ich mit meinem politischen Wirken ein paar Dinge im Land besser gemacht habe.

Wie schaut es inhaltlich aus?

Staudinger: Inhaltlich gibt es viele Themen, die laufend anstehen. Der SPÖ wird natürlich am ehesten die soziale Kompetenz zugeschrieben und wir haben gerade eine Zeit, in der diese Frage wieder in den Vordergrund rückt. Die Signale seitens der Bundesregierung deuten ja darauf hin, dass es soziale Einschnitte geben wird.

Sie haben vorher den Stil in der Politik angesprochen. Wie schätzen Sie diesen in Vorarlberg ein?

Staudinger: Der Umgang miteinander ist in Vorarlberg sicher besser als auf Bundesebene, wo man sich teilweise nur bekämpft und gestritten hat. Es war sicher ein Fehler in der Großen Koalition, dass oft Gesetzesvorhaben präsentiert wurden und am gleichen Tag noch mitgeteilt worden ist, dass man eigentlich uneins ist. Und in Deutschland wird das jetzt quasi nachgemacht. Es gibt sogar einen schwester-parteilichen Streit zwischen CDU und CSU, wobei die SPD auch nicht glücklich aussieht. Dabei hätten die Beteiligten sehen müssen, dass das in Österreich einer anderen Partei – nämlich der FPÖ – genützt hat. In Deutschland profitiert nun hauptsächlich die AfD. Wer in einer Koalition ist, sollte die Dinge auch gemeinsam verkaufen. In Vorarlberg läuft das sicher besser. Aber auch bei Schwarz-Grün ist spürbar, dass es teilweise Uneinigkeit gibt. Ich bin mir nicht sicher, ob im Ergebnis dann die Balance immer stimmt. Also ob die Menschen, die aus bestimmten Gründen Grün gewählt haben, mit der Umsetzung zufrieden sind.

Streben Sie nach der Landtagswahl auch eine Regierungsbeteiligung an?

Staudinger: Als politische Partei treten wir mit Meinungen und Themen an, die wir dann auch umsetzen wollen. Das geht bei einer Regierungsbeteiligung sicher leichter. Klar ist jedoch, dass man als kleiner Partner nicht immer alles umsetzen kann. Aber auch in der Opposition können der Regierungskoalition Themen vorgegeben werden. Das gelingt uns jetzt ja auch, indem Anträge von uns angenommen werden.

„Regierungspolitik zu gestalten, war total lässig und das Beste überhaupt.“

Martin Staudinger, designierter SPÖ-Chef

Zur Person

Martin Staudinger lebt in Hard und ist 39 Jahre alt. Er hat in Wien Volkswirtschaft sowie Politikwissenschaft studiert. Seit zweieinhalb Jahren ist er Landesstellenleiter des Sozialmi­nisteriumsservice in Vorarlberg. In Wien war er zuvor beim Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) aktiv und Finanzreferent der ÖH Uni Wien. Im November 2006 errang er für die SPÖ Wien ein Bezirksratsmandat im ersten Wiener Gemeindebezirk und übte auch das Amt des stellvertretenden Klubobmannes sowie des Bezirksgeschäftsführers aus. Bei den Nationalratswahlen im Jahr 2008 war er Mitglied des SPÖ-Strategieteams. Später wurde er Mitarbeiter im Sozialministerium, das Rudolf Hundstorfer führte.

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