Vorarlberg

Haft für jahrelangen Missbrauch an Buben

23.06.2021 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Schöffensenat am Landesgericht sprach den Angeklagten Schuldig. <span class="copyright">Gübi</span>
Der Schöffensenat am Landesgericht sprach den Angeklagten Schuldig. Gübi

Mann soll fünf Verwandte im Alter von acht bis 16 Jahren missbraucht haben.

In dem Sexualstrafprozess am Landesgericht Feldkirch ist am Mittwoch am zweiten Verhandlungstag das Urteil ergangen. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Thomas Wallnöfer verurteilte den unbescholtenen 56-Jährigen aus dem Bezirk Bludenz wegen zahlreicher Sexualdelikte zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Einem der mutmaßlichen Opfer muss er als Teilschmerzengeld 4000 Euro bezahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Denn der von German Bertsch und Manuel Dietrich verteidigte Angeklagte meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Strafberufung an, Staatsanwältin Julia Berchtold Strafberufung. Der Strafrahmen betrug ein bis zehn Jahre Haft.

Buben missbraucht

Die Richter hielten den Angeklagten im Sinne der von Staatsanwältin Berchtold erstellten Anklageschrift für schuldig. Zwischen 1988 und 2014 hat der in der Türkei geborene Österreicher demnach fünf Buben und Burschen im Alter von 8 bis 16 Jahren in Vorarlberg und in Deutschland sexuell missbraucht. Manche der Opfer sind sogar vergewaltigt und schwer missbraucht worden. Bei den Buben und Burschen handelt es sich um drei Neffen und zwei entferntere Verwandte.
Der Angeklagte hat die Opfer nach den gerichtlichen Feststellungen unter dem Vorwand, ihnen auf seiner türkischen Gitarre vorzuspielen oder ihnen Sportunterricht zu geben, in seinen Keller und seinen Schuppen gelockt und sich dort an ihnen vergangen. Zu Übergriffen ist es laut Urteil auch in den Wohnorten von Opfern gekommen.

Verurteilt für mehrere Delikte

Der Schuldspruch erfolgte wegen der Verbrechen der Vergewaltigung, des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, der geschlechtlichen Nötigung, der Unzucht mit Unmündigen sowie der Vergehen des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses.
Der bisher unbescholtene 56-Jährige bestritt die Tatvorwürfe. Der Arbeitslose aus dem Oberland ist verheiratet und selbst Vater von sechs Kindern. Die Verteidiger Bertsch und Dietrich beantragten einen Freispruch für ihren Mandanten. Die Anwälte bezeichneten die zahlreichen Vorwürfe als Märchen, als absurd, grotesk und lebensfremd.

Den Angehörigen wäre aufgefallen, wenn sich der Angeklagte in dem alten Haus der Familie mit Besuchern in den Keller oder in den Schuppen zurückgezogen hätte. Er habe sich selbst bei einem Lokalaugenschein in dem alten Gebäude davon überzeugt, dass dort Übergriffe nicht unbemerkt erfolgen könnten, sagte Bertsch.

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