Vorarlberg

Lieber Geldstrafen als Drogentherapie

01.07.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 21-Jährige zeigte sich unbelehrbar.<span class="copyright">Torsten Leukert dpa</span>
Der 21-Jährige zeigte sich unbelehrbar.Torsten Leukert dpa

21-Jähriger will Konsum von Marihuana nicht beenden. Dafür nimmt er Vorstrafen in Kauf.

Geldstrafen und damit Vorstrafen sind dem Drogenkonsumenten lieber als eine Drogentherapie. Der 21-Jährige ist weiterhin nicht bereit, mit dem Rauchen von Marihuana aufzuhören. Das gab er Richterin Michaela Österle als Angeklagter am Bezirksgericht Feldkirch deutlich zu verstehen. Deshalb wurde er zum zweiten Mal wegen unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften verurteilt. Weil er zwischen Oktober 2020 und März 2021 verbotenerweise Marihuana geraucht hat.

Dafür wurde über den einschlägig vorbestraften Arbeitslosen eine Geldstrafe von 640 Euro (160 Tagessätze zu je 4 Euro) verhängt.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe wäre eine Haftstrafe von sechs Monaten oder eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen gewesen. Die Richterin sah davon ab, ihn auch noch den bedingten Teil von 320 Euro aus seiner Vorstrafe vom Oktober 2020 wegen Drogenkonsums bezahlen zu lassen. Stattdessen wurde nur die Probezeit von drei auf fünf Jahre verlängert. Beim nächsten Mal werde er zusätzlich zu einer neuen Strafe auch die offenen 320 Euro aus seiner ersten Vorstrafe bezahlen müssen, warnte die Richterin den Angeklagten.

Drogentest verweigert

Die beiden Vorstrafen hätte sich der junge Mann aus dem Bezirk Feldkirch ersparen können, wenn er die gesetzlichen Angebote der Justiz für Drogenkonsumenten wahrgenommen hätte. Die Strafverfahren wären nach dem Suchtmittelgesetz vorläufig eingestellt worden, wenn er sich ein Jahr lang ambulanten Entzugstherapien bei Drogenberatungsstellen unterzogen hätte.
„Warum sind Sie nicht zum Amtsarzt bei der Bezirkshauptmannschaft gegangen?“, fragte die Richterin. Der Angeklagte antwortete, er sei sehr wohl beim BH-Amtsarzt gewesen. Dort habe er sich aber geweigert, einen Drogentest zu machen. So konnte der Amtsarzt nicht entscheiden, welche gesundheitsbezogenen Maßnahmen für ihn zielführend sind.

Das nunmehrige Strafverfahren wurde eingeleitet, weil der Drogentest des 21-Jährigen bei der Musterung fürs Bundesheer positiv war. Der Musterung muss er sich nun noch einmal stellen. Nach dem verweigerten Drogentest beim BH-Amtsarzt erhob die Staatsanwaltschaft Feldkirch Anklage wegen Marihuanakonsums.
Bezirksrichteirn Österle appellierte am Ende der Gerichtsverhandlung noch einmal an die Vernunft des Angeklagten: „Lassen Sie die Finger davon!“, vom Rauschgift. Der Angeklagte nahm ihre mahnenden Worte wortlos zur Kenntnis.

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