Vorarlberg

Dank Bau und Industrie gut durch die Krise

09.07.2021 • 20:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ohne Bau, Handwerk und Industrie hätte die Wirtschaft noch härtere Zeiten erlebt. <span class="copyright">Berchtold</span>
Ohne Bau, Handwerk und Industrie hätte die Wirtschaft noch härtere Zeiten erlebt. Berchtold

Baugewerbe und Produktion hielten die Beschäftigungszahlen in der Krise hoch.

Angesichts der pandemiebedingten Einbrüche und der überraschend schnellen Erholung von diesen, versprühten die politischen Verantwortlichen bei der Präsentation des Vorarlberger Wirtschaftsberichtes 2020/2021 verhaltenen Optimismus. Es könne natürlich kein Jubelbericht vorgelegt werden, gab Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zu bedenken. Dass man die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg bisher besser gemeistert hat, als so manches andere Bundesland, zauberte dennoch ein Lächeln unter Tränen aufs Gesicht der heimischen Politik. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so schnell erholen“, freute sich Wallner. Besonders der Tourismus hatte zu kämpfen, die Zahl der Nächtigungen brach im Sommer 2020 um 24,4 Prozent ein, in der Wintersaison 2019/20 gab es ein Minus von 18,6 Prozent. Allerdings habe die gute Lage in der Industrie massivere Einbrüche bei der Beschäftigung verhindert. Die Krise sei mit schmerzhaften Einschnitten verbunden gewesen, erklärte Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP), allerdings habe sich der Einzelhandel als resilienter erwiesen als andernorts und die Baubranche im Gegensatz zum Bundestrend ein Umsatzplus verzeichnen können.

Präsentation des Wirtschaftsberichtes 2020/2021
Präsentation des Wirtschaftsberichtes 2020/2021

Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler betonte, dass Bau, Handwerk und Produktion Vorarlberg durch die Krise getragen hätten. Es habe sich gezeigt, „dass Wirtschaft unteilbar ist“. Sie betreffe Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Wertschöpfung entstehe nicht zufällig, sondern müsse gemeinsam erarbeitet werden. Natürlich sei das Land als exportorientierte Region aber abhängig von Entwicklungen am Weltmarkt. Die Ausfuhren der Vorarlberger Wirtschaft sanken im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 um etwa 345 Millionen Euro auf 3,7 Milliarden Euro. Dennoch gab es weiterhin einen Handelsbilanzüberschuss von etwa 1,2 Milliarden Euro.

Metzler überraschte mit der Forderung nach einer Steuerreform für die Arbeitnehmer. Dies sei der Vorarlberger Wirtschafter sogar wichtiger als eine Senkung der Körperschaftssteuer. „Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter mehr netto vom Brutto bekommen“, so Metzler. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass Investitionen in die Betriebe entlastet würden. Alle Beteiligten betonten die Herausforderungen, die durch den langjährigen Fachkräftemangel entstehen.

Steuersenkung für Arbeitnehmer

Metzler überraschte mit der Forderung nach einer Steuerreform für die Arbeitnehmer. Dies sei der Vorarlberger Wirtschafter sogar wichtiger als eine Senkung der Körperschaftssteuer. „Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter mehr Netto vom Brutto bekommen“, so Metzler. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass Investitionen in die Betriebe entlastet würden. Alle Beteiligten betonten die Herausforderungen, die durch den langjährigen Fachkräftemangel entstehen.
Der Landeshauptmann verwies auf Arbeitsmarktprojekte, bei denen man in die Qualifikation von Arbeitnehmern investiere. Trotz der prozentuell etwas höheren Arbeitslosigkeit überstieg die Zahl der Beschäftigten im Mai 2021 bereits jene vom Mai 2019. Im Ländervergleich wies Vorarlberg nach Oberösterreich und Salzburg im Vorjahr mit 7,7 Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate auf, bundesweit lag sie bei 9,9 Prozent. Mittlwerweile ist sie in Vorarlberg auf 6,5 Prozent gefallen, hat aber das Vorkrisenniveau noch nicht ganz erreicht. Die Zahl der Lehrlinge sank in der Krise zwar um 1,7 Prozent, allerdings legten die Lehrvertragsmeldungen von März bis Mai 2021 um satte 36 Prozent zu.

Bedeutung der Industrie

Wiederholt betonte man vonseiten der Landesregierung und der Wirtschaftskammer die Bedeutung der Industrie für die positive Entwicklung der Beschäftigungszahlen. „Der Produktionsstandort Vorarlberg muss gestärkt werden“, so Tittler. Außerdem hätten Kurzarbeit und Wirtschaftshilfen eine höhere Arbeitslosigkeit verhindert. Zeitweise waren etwa 5000 Betriebe und 68.000 Beschäftigte in Kurzarbeit.
Wallner bekräftigte, dass man dank der Branchenvielfalt besser durch die Krise gekommen sei und die Situation in einer Zeit, in der in Vorarlberg vor allem auf die Textilindustrie gesetzt wurde, anders ausgesehen hätte. Die Sachgütererzeugung ging zwar auch in Vorarlberg zurück, der Einbruch blieb mit 3,2 Prozent aber unter dem Bundesschnitt von 5,5 Prozent. „Wer produziert kommt besser durch die Krise“, bekräftigte der Landeshauptmann.

Blick nach vorne

Besonders stolz ist man auf die ungebrochen hohe Zahl an Patentanmeldungen aus dem Ländle, die mit 151 sogar den höchsten Stand seit fünf Jahren erreichten. Vorarlberg ist damit das Bundesland mit der dritthöchsten Innovationsquote nach Oberösterreich und der Steiermark. Mit 38 Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner lag man deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 24.
Auch der Ausblick auf die kommenden Monate bleibt vorsichtig optimistisch. „Schauen wir, was nach dem Sommer kommt“, meine Metzler mit Verweis auf eine mögliche vierte Corona-Welle.

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