Vorarlberg

Ansehen der Industrie hebt laut Umfrage ab

10.09.2021 • 20:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
IV-Geschäftsführer Christian Zoll und Präsident Martin Ohneberg durften zum Ballonfahrer in den Korb steigen (v.l.). <span class="copyright">Sams/IV</span>
IV-Geschäftsführer Christian Zoll und Präsident Martin Ohneberg durften zum Ballonfahrer in den Korb steigen (v.l.). Sams/IV

Vorarlberger Industrie sieht sich durch gestiegenes Ansehen bestätigt.

Zum ersten Mal seit die Vorarlberger Industrie die Bedeutung der Wirtschaftsbranchen für die Bevölkerung erheben lässt, führt sie selbst diese Rangordnung an. Das liegt nicht nur an ihrem gestiegenen Ansehen, sondern auch an der rückläufigen Wahrnehmung des Tourismus als dominierender Faktor in der heimischen Wirtschaft.
Schätzten 2019 noch 57 Prozent der befragten Vorarlberger, der Tourismus sei der wichtigste Wirtschaftsbereich für Arbeitsplätze und Wohlstand, waren es heuer nur noch 20 Prozent. Gleichzeitig stieg die wahrgenommene Bedeutung der Industrie von 20 auf 39 Prozent. „Viele Wirtschaftsbereiche wie der Tourismus oder der Handel waren durch die Pandemie stark eingeschränkt. Die Industrie war indessen in der Lage, trotz großer Unsicherheit und instabiler Märkte weiterzuarbeiten.“ erklärte Martin Ohneberg, Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung bei der Präsentation der Zahlen am Freitag.

Jeder dritte Arbeitsplatz

Ohneberg freute sich über das gestiegene Ansehen in der Bevölkerung. Dieses entspreche der tatsächlichen Bedeutung der Industrie für den Standort. Immerhin sei man für 40 Prozent der regionalen Wertschöpfung verantwortlich. Jeder dritte Arbeitsplatz hänge von der Industrie ab. Deren Bedeutung habe sich durch die Coronakrise noch deutlicher in der kollektiven Wahrnehmung verankert. Es habe sich schließlich gezeigt, dass Staaten und Regionen, die über einen starken industriellen Sektor verfügten, besser mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zurande gekommen seien. Die Vorarlberger Industrie sei „verantwortlich für Wohlstand, Beschäftigung und Investitionen“ , so Ohneberg.

Keine neuen Hürden

Bei den anstehenden Verhandlungen zu den Kollektivverträgen und über die geplante ökosoziale Steuerreform dürfe die Wettbewerbsfähigkeit nicht ins Hintertreffen geraten, auch weil noch nicht absehbar sei, wie sich die Pandemie weiterentwickle.
Die Industrie verstehe sich als Motor der Transformation hin zu einer grünen Wirtschaft. Dieser Prozess dürfe nicht durch bürokratische Hürden ins Stocken geraten. „Die Industrie ist die Lösung des Problems“, postulierte Ohneberg mit Blick auf den Klimawandel. Laut Umweltbundesamt waren Industrie- und Energiebetriebe 2019 für 44 Prozent der österreichischen Treibhausgas­emissionen verantwortlich, wobei der Industriesektor in Vorarlberg deutlich emissionsärmer arbeitet, als in anderen Bundesländern.

Diskussion im Ballon

IV-Generalsekretär Christian Zoll präsentierte eine Heißluftballonaktion, bei der die Industriellen das Gespräch mit ihren Partnern und Kritikern suchen wollen. In insgesamt vier Zweierdebatten sollen im Ballonkorb hoch über Vorarlberg die Themen Klima, Bodenverbrauch, Gesellschaft und Digitalisierung besprochen werden. So soll IV-Präsident Ohneberg mit der Umweltaktivistin Hildegard Breiner über die Rolle der Industrie beim Klimawandel diskutieren.

In einer weiteren Ballonfahrt sprechen der Unternehmer Hubert Bertsch jun. und Martin Strele vom Verein Bodenfreiheit über Raumplanung und Mobilität. Günther Lehner von Alpla und Karoline Mätzler von der Caritas debattieren über soziale Verantwortung und schließlich sprechen IV-Vizepräsident Hubert Rhomberg und der Gewerkschafter Bernhard Heinzle über die Frage, ob die zunehmende ­Digitalisierung Arbeitsplätze kostet.

Landesgrünzone angreifen

IV-Präsident Ohneberg legte bereits vorab die Standpunkte der Industriellenvereinigung zu diesen Themen dar: Die hohen Grundstückspreise in Vorarlberg seien nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Menschen ein Problem.

Man werde höher bauen und verdichten müssen. Außerdem gehe es darum, vorhandenes Bauland zu mobilisieren. Man wolle aber auch „die Landesgrünzone angreifen“, so Ohneberg. Es gehe nicht darum, diese zu verkleinern, sondern darum, sie anders zu definieren.
Die Unternehmen stellten sich ihrer sozialen Verantwortung und würden eine Milliarde Euro an freiwilligen Leistungen bereitstellen. Die Digitalisierung wiederum werde keine Arbeitslosigkeit verursachen, sondern bestehende Arbeitsplätze absichern und helfen, neue zu schaffen.

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