Vorarlberg

Wie ist die Situation in den Krankenhäusern?

29.11.2021 • 09:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Mathis

Anästhesist und Intensivmediziner beschreiben Lage in Spitälern.

Die Situation sei sehr fordernd, erklärt Uwe Wegscheider, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landeskrankenhaus Feldkirch. Den Frust bei jenen Patienten, deren Operationen und Behandlungen aufgrund der angespannten Lage verschoben werden müssen, könne er gut verstehen, so Wegscheider. Man bespreche täglich, was möglich sei und was nicht. „Jeder im Spital würde gerne alle Operationen durchführen.“

Diese Anspannung gebe es auch auf den Normalstationen, auf denen bereits vor Corona ein Pflegemangel bestanden habe.
Nun müssten noch zusätzliche Diensträder eingeteilt werden. Covid-19 stelle hohe Hygieneanforderungen an die Belegschaft, die Patienten bräuchten eine überdurchschnittlich intensive Betreuung und müssten etwa speziell gedreht werden. Hinzu komme die psychische Belas­tung.

Kein Verständnis für Demos

Durch die Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen fühlt sich das Spitalspersonal im Stich gelassen: „Wir sehen die harte Realität“, erklärt Wegscheider. Andererseits sehe man draußen auch Menschen, die „hirnrissige Verschwörungstheorien“ verbreiten.
„Da wird die Impfung als Gift dargestellt und Ärzte werden als Mörder und bezahlte Arschlöcher beschimpft.“ Man wünsche sich keinen Applaus für die Erfüllung der beruflichen Pflicht, aber zumindest den normalen Respekt, den jeder Mensch verdiene.


Künstliche Beatmung. Mit der Realität auf den Intensivstationen haben die Phantastereien der Maßnahmengegner wenig zu tun. Es kämen auch Erkrankte auf die Intensivstation, die die Folgen ihrer Infektion zunächst nicht wahrhaben wollten, weil sie die Impfung ablehnen oder die Krankheit verleugnen, erklärt Wegscheider. „Wenn man jemanden künstlich beatmen muss, ändern sich auch gewisse Einstellungen.“ Dabei seien die Daten eindeutig, erklärt der Arzt: „Die Impfung hilft.“ Geimpfte hätten ein massiv niedrigeres Sterblichkeitsrisiko, auch auf den Intensivstationen landeten sie seltener.

Anästhesist und Intensivmediziner Uwe Wegscheider
Anästhesist und Intensivmediziner Uwe Wegscheider

Patienten leiden unnötig

Viele Menschen unterschätzten aber immer noch ihr persönliches Risiko für einen schweren Verlauf. Auf den Intensivstatonen lägen etliche Patienten mit Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht, die sich gedacht hätten: „Des isch doch ned so schlimm.“
In Vorarlbergs Spitälern gebe es auch zunehmend jüngere Patienten, die dort „nach Luft ringen“ würden, erklärt Wegscheider.
Er tritt für eine Versachlichung der Pandemie ein. Es könne nicht sein, dass ein wissenschaftliches Thema zunehmend auf der politischen und medialen Ebene ausgetragen werde. Wegscheider wünscht sich auch weitreichendere Konsequenzen für die Verbreitung von Falschinformationen: „Da müsste meiner Meinung nach viel härter durchgegriffen werden.“

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