Vorarlberg

Feldkirch: So sieht es im Stadttunnel aus

26.02.2022 • 19:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Klaus Hartinger

Die Arbeiten am Feldkircher Stadttunnel gehen planmäßig voran.

Zwei- bis dreimal am Tag werden unter der Letze in Feldkirch 100 bis 120 Kilogramm Sprengstoff im Fels versenkt und gezündet. In weniger dicht bebautem Gebiet würde man öfter schießen, erklärt Harald Marte von der Abteilung für Straßenbau des Landes Vorarlberg. Dann würde man die Baustelle auch im Dreischichtbetrieb durchgehend führen. In Feldkirch wird aus Rücksicht auf die Anrainer aber nur am Tag unter Tage gearbeitet.

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Sobald sich der Staub der Detonation gelichtet hat, fährt ein Radlader in den Stollen. Mit großer Geschwindigkeit und Präzision wird das abgesprengte Gestein nach draußen transportiert, mit einem Bagger in den schon wartenden Lkw geladen und abtransportiert. Die Arbeiter wechseln dabei problemlos zwischen den einzelnen Maschinen – beim Unternehmen Jäger Bau, das vor Ort die Arbeiten durchführt, sind die Mitarbeiter oft auf mehreren Fahrzeugen eingeschult, erklärt Projektleiter Bernhard Braza. Entsprechend fließend geht die Arbeit vor sich.

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In Frastanz angekommen

Derzeit arbeitet man am Erkundungsstollen für den Tunnelast, der später von der Altstadt in den Berg führen wird. Im Endausbau wird dieser als Versorgungs- und Rettungstunnel dienen.


Bisher hat man sich etwa 170 Meter vorgearbeitet und die Gemeindegrenze zu Frastanz erreicht. Der unterirdische Kreisverkehr, der alle Tunnelarme aufnehmen wird und das Herzstück des Projekts bildet, wird ebenfalls auf Frastanzer Boden liegen. Für eine Tunnelbohrmaschine sind die Seitenarme allerdings zu kurz. Auch den Kreisverkehr könnte man damit nicht ausfräsen – daher muss gesprengt werden, erklären die Tunnelväter Marte und Braza.

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Sobald der Radlader das grobe Gestein aus dem Tunnelloch entfernt hat, kommt ein kleiner Bagger zum Einsatz. Er kratzt den Fels ab, um eine saubere Fläche für die Bohrlöcher der nächsten Sprengung zu schaffen. Gerade ist man mit den Arbeiten bei jenem Bereich angekommen, von dem in Zukunft der erste Verbindungsgang zum eigentlichen Straßentunnel führen wird. Während der Bauphase wird man ihn als Zwischenlager für den ausgeräumten Schutt nutzen. Nach jeder Sprengung werden die Wände mit Beton bespritzt und durch Anker gesichert.

Arbeiten im Plan

Die Sprengarbeiten gehen gut voran, erklärt Marte, der bereits an beiden Röhren des Ambergtunnels und der zweiten Pfänderröhre mitgearbeitet hat. Bei jedem Schuss werden etwa 240 Ladungen gesetzt und 2,2 Meter Gestein gelöst.

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Das Material kann je nach Qualität als Zusatz für die Betonverarbeitung, als Schüttung für Frostkoffer bei Gebäuden oder zur Verfüllung verwendet werden. Mit dem Gestein, das damals im Pfändertunnel abgebaut wurde, wurden in Deutschland ehemalige Kiesgruben wiederaufgefüllt, gibt Braza ein Beispiel. Er hat schon vor 20 Jahren Probebohrungen auf der Letze durchgeführt und ist nun beim jahrzehntelang diskutierten Stadttunnel als Projektleiter dabei.

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Staub und Sprengstoff

Durch eine Lüftungsanlage wird die Tunnelbaustelle mit Frischluft versorgt. Das ist notwendig, obwohl die Baufahrzeuge in der Röhre weitgehend elektrisch betrieben werden und somit kaum Abgase erzeugen. Durch die Arbeiten wird aber nicht nur Staub aufgewirbelt, auch der Sprengstoff macht sich geruchlich bemerkbar. Es riecht auch eine halbe Stunde nach dem letzten Schuss noch nach Ammonium. Daher wird der Stollen mit Druck „bewettert“. Die Frischluft wird bis ans Ende des Tunnels gepumpt und die verbrauchte Luft so nach draußen geblasen.

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Nächster Abschnitt

Ende März wird man damit beginnen, die Baustelle für den Tisner Tunnelarm einzurichten. Mit den Bergarbeiten soll es im September losgehen. Obwohl die Zeit drängt – der Baubescheid schreibt eine Fertigstellung bis 2030 vor –, ist es bisher noch zu keinen Unfällen gekommen. Dafür, dass es so bleibt, sorgt die präzise Planung durch die Projektleitung und die Erfahrung der Arbeiter.
Beim künftigen Portal Altstadt können sich interessierte Bürger bald wieder über die geplanten Arbeiten informieren. Sobald die Coronamaßnahmen es zulassen, wird das dortige Informationszentrum wieder geöffnet.

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