Vorarlberg

Kaufkraft floss ins Ausland

24.06.2022 • 19:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schweizer, lange Zeit gute Kunden im Lebensmittelhandel, ließen weniger Geld in Vorarlberg liegen. <span class="copyright">Steurer</span>
Die Schweizer, lange Zeit gute Kunden im Lebensmittelhandel, ließen weniger Geld in Vorarlberg liegen. Steurer

Der Abfluss der heimischen Kaufkraft hat sich zwischen 2015 und 2020 verdoppelt.

Die Präsentation der Kaufkraftstromanalyse für die Jahre 2015 bis 2020 durch die Landesregierung am Freitag war sichtlich bemüht, die positiven Ergebnisse zu betonen.

„Vorarlbergs stationärer Einzelhandel ist, trotz enormer Konkurrenz zu den virtuellen Einkaufswelten sowie Covid-19-bedingten Beschränkungen nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Nahversorger und Arbeitgeber, mit guten Produktivitätsdaten und attraktiven Handelszonen“, hieß es. Die Zahlen boten jedoch ein teilweise ernüchterndes Bild. Insgesamt liegt das Kaufkraftvolumen der Vorarlberger für den Einzelhandel bei 2,3 Milliarden Euro jährlich. Waren 2009 noch 94 der Kaufkraft im Land geblieben, sank die Quote zuletzt auf 82 Prozent.

Online-Handel wächst

Jedes Jahr wandern jedoch 406,7 Millionen Euro aus Vorarlberger Börsen über die Grenze, 86,2 Millionen davon allein nach Deutschland. Insgesamt 62 Prozent der Kaufkraftabflüsse gehen auf das Konto des Online-Handels. Aus der Schweiz und Liechtenstein kamen 2020 noch 72,7 Millionen Euro an Kaufkraftzuflüssen an – fünf Jahre zuvor waren es noch 107,5 Millionen Euro gewesen.

Alles werde aber nicht online gekauft, bemühte man sich zu betonen: „Die häufig medial kolportierte Meinung, dass die zahlreichen Lockdowns der letzten zwei Jahre dazu führten, dass die Konsumenten ihre ,non food‘-Einkäufe zu einem Großteil in den virtuellen Einkaufswelten durchführten, kann, zumindest für Vorarlberg, nicht bestätigt werden. Beinahe zwei Drittel der Befragten gaben an, erst wieder nach Öffnung des stationären Einzelhandels Shopping-Touren unternommen zu haben“, heißt es vom Land.
Allerdings habe die Pandemie die Abwanderung in den Online-Handel wachsen lassen, „zumindest temporär“, wie man in der Landesregierung hofft.

Großteil ist wettbewerbsfähig

Die Studie nahm auch die heimischen Betriebe unter die Lupe. 61 Prozent der begutachteten Handelsbetriebe wiesen demnach eine sehr hohe oder gute aktuelle Wettbewerbsfähigkeit auf und seien auch „mittelfristig grundsätzlich gut auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.“

Für 31 Prozent der Betriebe seien jedoch betriebliche Verbesserungsmaßnahmen, insbesondere im Bereich der Sortimentsstruktur, des Umsatzes, der Verkaufsflächen oder der Digitalisierungskompetenz anzuraten. Acht Prozent der Vorarlberger Einzelhändler hatten sogar eine niedrige Wettbewerbsfähigkeit.
Positiv entwickelte sich zumindest vor der Pandemie die Flächenproduktivität des Handels. Diese nahm von 3900 Euro je Quadratmeter im Jahr 2015 auf 4100 Euro für 2020 zu. Die Verkaufsflächen wuchsen insgesamt aber nur moderat. Insgesamt gibt es 540.700 Quadratmeter an Verkaufsflächen im Vorarlberger Einzelhandel, das machte einen Anstieg von zwei Prozent in fünf Jahren aus. Die Kaufkraftstrom- und Einzelhandelsstrukturanalyse sieht hier noch weitere Wachstumsmöglichkeiten: „Bis zum Jahr 2030 ergeben sich im gesamten Bundesland, unter Berücksichtigung einer Reihe von ökonomischen Faktoren und Trends, ein strukturverträgliches Ansiedelungspotenzial von rund 25.200 Quadratmeter zusätzlicher Verkaufsfläche.“

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