Kommentar

Vier Fragen vor Wallners Rückkehr

25.06.2022 • 13:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Spekulationen herbeizaubern, sie wird in der Volkspartei fallen.

Wenn ein Landeshauptmann in Krankenstand geht, muss etwas dahinter stecken. Wie könnte ein wichtiger Mensch auch einfach nur krank sein? Große Ereignisse animieren zu großartigen Vorstellungen, die es uns oft schwer machen, die Banalität der Wirklichkeit zu erkennen. Sie haben aber natürlich auch tatsächliche Folgen. Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, zog auch die diese Woche verkündete Pause von Landeshauptmann Markus Wallner Kreise um sich.

Schon die Kommunikation der ganzen Angelegenheit war nicht sonderlich geglückt. Irgendwie war etwas aus Wallners Umfeld nach draußen gelangt, manche Medien zogen falsche Schlüsse und verkündeten seinen nahenden Rücktritt. Überhastet wurden Pressemeldungen formuliert und kopiert. Um Sicherheit und Kontinuität auszustrahlen, verkündete man eine geteilte Vertretung in Partei und Land. Alle wünschten Markus Wallner gute Besserung, außer die Vorarlberger SPÖ, die seine Ankündigung offenbar schlichtweg verschlafen hatte. In den Foren und Portalen wurde verteidigt und geätzt. Selber schuld sei Wallner, meinten manche – immerhin habe er die Sache im Wirtschaftsbund als Parteiobmann mitzuverantworten. Es darf einem natürlich auch schlecht gehen, wenn man selbst Fehler gemacht hat, erwiderten andere.
Interimsparteiobfrau Martina Rüscher erklärte, wie alle übrigen Führungskader der Volkspartei, Wallner werde zurückkehren, die Nachfolgefrage stelle sich nicht. Gleichzeitig wurde eine Reform der Partei angekündigt – nichts was man als Krankenstandsvertretung für gewöhnlich angehen würde.

Ich muss gestehen, ich habe Zweifel daran, dass Markus Wallner ins Amt zurückkehren wird. Die Umstände sprechen dagegen. Endgültig entschieden dürfte in der Sache aber noch nichts sein. Das hat die Hektik der letzten Tage gar nicht zugelassen. Die Entscheidung werden wir Journalisten auch nicht mit Spekulationen herbeizaubern, sie wird in der Volkspartei fallen.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor wird dabei, neben der Motivation des Landeshauptmannes, auch eine mögliche berufliche Alternative sein. Markus Wallner ist gelernter Landeshauptmann. Er hat nie in der Privatwirtschaft gearbeitet und kein Studium absolviert, das zu einer formalen Berufsausübung wie Arzt oder Anwalt berechtigt. So ein Lebenslauf kann eine Belastung sein, wenn man aus der Politik weg will; möchte man bleiben, ist er von Vorteil. Es sind im Übrigen auch schon viele in der Politik gescheitert, weil sie ihr ganzes Leben lang nur in der Privatwirtschaft gearbeitet haben. Man darf diese Dinge also nicht so einsilbig sehen wie jene, für die die öffentliche Verwaltung keine Daseinsberechtigung hat.

Ob Markus Wallner sein Amt wieder aufnehmen wird, entscheidet sich letztlich an vier Fragen: Lässt ihn die Partei? Kann er? Will er? Hat er Alternativen?
Davon würde ich die erste grundsätzlich bejahen. Mangels Kronprinz gibt es niemanden, der aus eigener Kraft alle Beine am leeren Landeshauptmannsessel umsägen könnte. Die übrigen Fragen wird der Landeshauptmann am Ende seiner Sedisvakanz selbst beantworten müssen. Die Zahl der Politiker, die aus solchen Sabaticals, wie man Neudeutsch sagen würde, zurückgekehrt sind, ist bisher jedenfalls überschaubar.