Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Annäherung im Regal

Weil kein Standort-Wachstum mehr möglich ist, wildern Österreichs Supermärkte im Terrain des Konkurrenten – und gleichen sich einander an.

H ier noch eine Filiale, da noch ein Standort: Österreichs Lebensmittelhandel expandierte jahrelang ohne Rücksicht auf Verluste.

Jetzt ist der Lebensmittelmarkt dicht. Für heuer rechnet Marktforscher Regioplan mit einem Wachstum von lediglich 2,4 Prozent, das wäre nur in etwa gleich hoch wie die Inflation. Schon hat ein Abbau der Standorte eingesetzt. Waren es 2005 noch 6200, sind es aktuell nur noch 5800. Vor allem Flächen unter 250 Quadratmetern brechen weg.

Mit allen Registern arbeiten die großen Ketten nun an neuen Konzepten: Lidl (mit Sitz in Salzburg) hat den Anteil seiner in Österreich produzierten Produkte auf 25 Prozent aufgestockt. Für die Heumilch aus dem Zillertal, das Kärntner Legat-Brot und das steirische Kürbiskern-Sortiment lässt Geschäftsführer Brendan Proctor mit roten Herzen an der Regalfront und mit einer österreichweiten Kampagne werben. Proctor spricht sogar von einer „Neupositionierung von Lidl Österreich“.

Top-Marken

Hofer holt sich indes immer mehr Top-Marken ins Haus. Die Rede ist von Coca Cola, Nutella oder Red Bull. Man hört, dass Starbucks-Kaffee oder sogar Nivea folgen sollen, Hofer selbst hält sich bedeckt. Indessen rüsten Billa und Spar ihren Eigenmarkenanteil auf. Die Betriebstypen und die Sortimente gleichen sich also immer mehr an. „Jeder fischt in den Gewässern des anderen“, sagt Regioplan-Geschäftsführerin Hanna Bomba-Wilhelmi. „Wenn das so weiter- geht, kann man in 20 Jahren Billa von Hofer nicht mehr unterscheiden.“ Dass die Lebensmittel-Ketten sich auch ein gutes Stück vom frei werdenden Schlecker-Umsatz abschneiden wollen, tut das seinige dazu.

Woran liegt das? Wilhelmi geht von der Grundannahme aus, dass „Österreich ein reiches Land ist“: Die Filialisten würden sich an den großen Gruppen, und nicht an den Randgruppen orientieren. Die Kunden ihrerseits werden bequemer: Sie wollen auf einfache Art ihre Grundbedürfnisse stillen.

Die Diskonter setzten auf Regionalität und Markenware, während die Marktführer Billa und Spar ihren Eigenmarken-Anteil erhöhen – etwa mit Clever oder S-Budget. Was haben die Kunden davon?

Peter Schnedlitz: Die Kunden sind nicht mehr so wie früher: SPÖ wählen, das Konto bei der Bawag, einkaufen im Konsum. Sie sagen nicht mehr „entweder oder“ sondern „sowohl als auch“. Alle gehen überall hin. Aber es stimmt: Es besteht die Gefahr, dass die Lebensmittelketten ihr klares Profil verlieren. Vielleicht dreht sich sogar alles um.

Womit locken die Diskonter die gehobeneren Einkommensschichten?

Schnedlitz: Lidl macht das sehr gut mit den Backstationen. Die Filialen duften, in den USA nennt man das „Smell of the Shop“, man erkennt den Händler am Geruch. Zudem setzt Lidl auf österreichische Lieferanten, so schwindet die Assoziation mit billiger, deutscher Ware. Auch Hofer setzt sehr erfolgreich auf Regionalität, etwa mit der Marke „Zurück zum Ursprung“. Ich meine, das Thema zieht in Zukunft stärker als Bio. Die wissen ganz genau: Der x-te Weihnachts-Computer reißt niemanden mehr vom Hocker. Zu den Backstationen: Ich nehme an, dass Hofer da nachziehen wird.

Wie viel Anteil vom Gesamtmarkt haben die Diskonter?

Schnedlitz: Hofer hat 19 Prozent. Mit Lidl und Penny zusammen nähert man sich den 30 Prozent. Und zum Thema Marktsättigung: Es ist ein Jammern auf hohem Niveau. Tatsächlich haben wir zu viele Standorte. Ich meine, dass für ganz Österreich 5000 realistisch sind.

Artikel 2 von 2
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.