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Wer spart, muss mit Verlusten rechnen

Gold, Rohstoffe, Häuser: Verlust- und Inflationsängste krempeln die Wertanlage um. Das Sparbuch ist beliebt, bringt aber Verluste.

ernst sittinger

Die Zeiten, in denen braves Sparen einen sicheren Ertrag gebracht hat, sind bekanntlich vorbei. Denn solange die Inflation höher ist als die Sparzinsen, sinkt der reale Wert der Guthaben. Und diese Situation wird noch länger so bleiben.

Extreme Niedrigzinsen werde es wohl noch mindestens fünf Jahre geben, schätzt Peter Bosek, Vorstand der Erste-Bank. Die Kunden reagieren unterschiedlich: Viele setzen nach wie vor aufs Sparbuch und nehmen die schleichenden Verluste zugunsten der Sicherheit in Kauf. Tatsächlich liegen nicht weniger als 170 Milliarden Euro hierzulande auf täglich fälligen Konten. Weitere 230 Milliarden sind zu Niedrigstzinsen auf maximal ein Jahr gebunden.

„Das ist die Lizenz zur freiwilligen Enteignung“, sagt Bosek. Acht von zehn Österreichern haben ein Sparbuch, geht aus der jüngsten Erste-Bank-Studie zum Sparverhalten hervor. Demnach legt jeder Österreicher im Schnitt 170 Euro monatlich zur Seite.

Sicherheit geht vor Ertrag – diese Formel gilt auch für sehr vermögende Menschen. „Wir haben Tonnen von Gold verkauft“, blickt der Vorstand der Erste-Sparinvest, Franz Gschiegl, auf die letzten Monate zurück. Das Misstrauen – auch gegenüber Banken – treibt aber teils skurrile Blüten. Den Vogel schoss eine ältere Dame ab, die im Vorjahr ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 4,5 Millionen Euro mit nach Hause nehmen wollte – und zwar in Gestalt von Goldbarren. „Das waren 116 Kilo Gold, niemand konnte das transportieren“, erinnert sich Gschiegl. Mit Mühe bewog man die Dame dazu, das Edelmetall wenigstens vor Ort im Banksafe zu lagern.

Die Sicherheitswünsche der Sparer kosten freilich viel Geld. Gschiegl rechnet es vor: „Wenn Sie 50.000 Euro veranlagen und dafür nur 1,5 Prozent statt 3,5 Prozent Zinsen bekommen, verschenken Sie tausend Euro pro Jahr.“

Firmenanleihen beliebt

Eine naheliegende Alternative zum Sparbuch sind die immer beliebteren Firmenanleihen, die mittlerweile fast im Wochentakt aufgelegt werden und häufig Zinsen zwischen 3,5 und fünf Prozent bieten. Gschiegl warnt allerdings vor trügerischer Sicherheit: „Der Kunde wird mit dem Kupon gelockt. Aber irgendwann werden Unternehmen kommen, die nicht zurückzahlen können.“

Gschiegl selbst emp­fiehlt den Kunden vor allem das noch wenig verbreitete Sparen über Aktienfonds. Vorteile seien dort das professionelle Fonds-Management und die breite Streuung des Risikos. Hohe Erträge gibt es vor allem, wenn man exotische Märkte ins Visier nimmt. Das Lieblingsbeispiel des Anlageprofis ist die Börse Istanbul, die seit 2001 trotz Krise einen Durchschnittsertrag von über elf Prozent pro Jahr erbracht hat. Das ist kein Einzelfall: 114 von 117 gelisteten Fonds sind heuer im Plus.

Dass für solide Aktien sehr viel Aufwind erwartbar ist, hat einen simplen Grund: Allein die Devisenreserven von China und den Opec-Staaten betragen sechs Billionen Dollar, gigantische Geldmengen suchen weltweit nach Veranlagung.

Wie die Vorarlberger sparen, lesen Sie auf den Seiten 20/21.

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Prozent geben an, das ­Ersparte als „Notgroschen“ zu betrachten.

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