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„Es geht um die Rechtssicherheit für die gesamte Branche“

Lebensmittelhändler Spar setzt den Expansionskurs auch heuer fort. Im Streit mit der Bundeswettbewerbsbehörde steht erstmals ein Gerichtsverfahren an.

Worauf führen Sie das zurück?

Gerhard Drexel: Auf zwei Effekte: In Österreich erzielten wir 2,3 Prozent Wachstum auf der bestehenden Verkaufsfläche, das ist ein echter Produktivitätsgewinn. Die anderen zwei Prozentpunkte sind Expansionseffekte. In Österreich wurden etwa 70 Märkte neu eröffnet bzw. sind zu uns gestoßen, darunter 22 Spar-Express-Tankstellenshops. Diese laufen sehr gut. Außerdem haben wir 2013 in Österreich 100 Märkte von Grund auf modernisiert.

Woher kommt das Wachstum auf der bestehenden Fläche?

Drexel: Im Vorjahr haben wir die Strategie der Sortimentsvielfalt, der Regionalität und Lokalität vertieft. Zum Beispiel haben wir die Speiseeisproduktion nach Österreich zurückgeholt. Die Firma Valentino in Deutschlandsberg beliefert uns exklusiv mit 35 Eissorten. Dazu kommt, dass der Umsatz unserer Eigenmarken um neun Prozent gestiegen ist.

Wie wirkt sich das auf die Herstellermarken aus?

Drexel: Der Anteil am Großhandelsumsatz ist bei den Eigenmarken von 37 auf 38 Prozent gestiegen, entsprechend ist der Anteil der Markenartikel von 63 auf 62 Prozent zurückgegangen. Da gibt es nur eine leichte Verschiebung. Wir sind weiterhin das Unternehmen mit der höchsten Zahl an Markenartikeln im Sortiment. Interspar führt im Lebensmittelbereich 20.000 Artikel, davon sind 17.500 Markenartikel.

Bleiben wir noch bei den Eigenmarken: Was hat Spar für 2014 in der Pipeline?

Drexel: Unser Eigenmarken-Portfolio ist jetzt so gut wie vollständig. Aber innerhalb unserer einzelnen Eigenmarken bringen wir immer wieder neue Produkte. Allein 2013 waren es 350 neue Produkte. Das Spar Frozen Yogurt wird in ganz Österreich verkauft. Diesen Sommer bringt auch Eskimo Frozen Yogurt auf den Markt. Der Marktführer bei Speiseeis kopiert uns. Das ist uns recht.

Stichwort Expansion: Setzt Spar 2014 die Strategie fort?

Drexel: Ja, wir wollen heuer so wie in den letzten Jahren 450 Millionen Euro investieren, zur Hälfte in Österreich, zur Hälfte im Ausland. Das heurige Jahr ist gekennzeichnet durch große Projekte. In unserer Shoppingcenter-Sparte sind fünf Projekte in Bau bzw. Umbau, ein zusätzliches ist in Planung. Bei Interspar haben wir etliche große Bauvorhaben, Märkte werden neu gebaut oder von Grund auf erneuert. In unserer Branche ist es wichtig, die Märkte nicht zu alt werden zu lassen.

Hat Spar 2013 die Wirtschaftskrise nicht gespürt?

Drexel: Schon auch, vor allem im benachbarten Ausland. Dort war es schwer, Wachstum zu erzielen. Aber wir haben es in jedem der fünf Auslandsmärkte geschafft. Spar entwickelt sich in Kroatien nach dem EU-Beitritt dynamisch. Das höchste Wachstum verzeichnen wir aber in Ungarn mit mehr als sieben Prozent.

Den Mitarbeiterstand hat der Konzern stark erhöht. Wie viele ehemalige Dayli-Mitarbeiterinnen sind bei Spar gelandet?

Drexel: Um die 40, nicht allzu viele. Das lag zumeist daran, dass die Wege zu weit waren.

Wie hoch wird der Bedarf an neuen Mitarbeitern heuer sein?

Drexel: Zwischen 700 und 1000 allein in Österreich – wenn man all die Projekte ansieht, die wir in der Pipeline haben. Sehr viele bevorzugen im Handel eine Teilzeitstelle, denn 75 Prozent unserer Mitarbeiter sind weiblich und sehr viele haben Kinder. Wir sind außerdem über alle Branchen hinweg der größte Ausbildner mit 2700 Lehrlingen.

Bei Hervis, Teil des Spar-Konzerns, gibt es ein Umsatzminus. Ist der Sportfachhandel so schwierig?

Drexel: Der gesamte Sportfachhandel steht europaweit in einer schwierigen Situation, da ein immer größerer Teil in den Onlinehandel fließt. In Zentral- und Osteuropa hat der Sportfachhandel insgesamt einen Rückgang um fünf Prozent zu beklagen. Wir schneiden besser ab. Entscheidend sind die Ergebnisse: Hervis erzielte 2013 – so wie in den Jahren davor – einen Gewinn (EBT) von rund zehn Millionen Euro.

Wie sieht es mit den Gewinnen in den anderen Unternehmenssparten aus?

Drexel: Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor, aber die provisorische Gewinn- und Verlustrechnung sieht sehr erfreulich aus. Wir konnten den Konzerngewinn im Vergleich zu 2012 noch einmal steigern, und zwar deutlich.

Schlagzeilen machte Spar 2013 auch im Streit mit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Wie ist da der letzte Stand?

Drexel: Zum Grundlagenirrtum der BWB und dem daraus resultierenden Schaden für die Konsumenten und den Wirtschaftsstandort Österreich haben wir bei unserer Pressekonferenz am 12. November inhaltlich bereits alles gesagt. In der Zwischenzeit haben wir den ersten Bußgeldantrag der BWB bekommen und unsere umfangreiche Stellungnahme dazu an das Kartellgericht geschickt. Nun ist die Sache erstmals vor Gericht und damit auf eine höhere Ebene gehoben. Am Ende des Verfahrens wird es Rechtssicherheit für die gesamte Branche geben.

Tut es Ihnen im Nachhinein eigentlich leid, dass die Auseinandersetzung eskaliert ist?

Drexel: Es ist, wie es ist. Wir sind zuversichtlich, da die Sache jetzt unvoreingenommen geprüft wird. In Österreich gibt es einen funktionierenden Rechtsstaat – und das ist ein beruhigendes Gefühl.

Interview: HAnnes GAisch

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