Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Alter Streit um gutes Scheitern

Bis zum Sommer will die Regierung ein neues Insolvenzrecht verabschieden. Während die Schuldnerberater endlich jahrelange Forderungen erfüllt sehen, warnt Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband davor, Pleiten viel zu einfach zu machen.

Von Claudia Haase

Damian Izdebski weiß, was Scheitern und Wiederaufstehen ist. Im März 2014 ging die von ihm gegründete Computerkette DiTech pleite. Zu wenig Eigenkapital, 300 Jobs weg. Im Normalfall hätte niemand mehr etwas von Izdebski gehört. Aber der Vollblutunternehmer suchte sich neue private Geldgeber, gründete Techbold. Hut ab, sagt Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte beim Kreditschutzverband von 1870. Dem Konkurs das Stigma nehmen, ihn früh beantragen, Schaden minimieren, predigt er. Wenn die Regierung unter dem Titel „Kultur des Scheiterns“ ein neues Insolvenzrecht plane, seien aber weniger die Unternehmer gemeint, sondern private Schuldner, so Kantner. „Wenn ich böse bin, sage ich dazu Etikettenschwindel.“ Während kürzere Entschuldungszeiten für Firmengründer gut seien, hält er private Entschuldung nach drei Jahren ohne Rückzahlungsquote für falsch.

Die Schuldnerberatungen fordern das seit Jahren. Zehn Prozent Mindestquote müssen Gläubiger heute vorab darstellen können, wenn sie nach sieben Jahren wieder geschäftsfähig sein wollen. Wenige schaffen das, manchmal lassen Gerichte niedrigere Quoten zu.

Ab morgen ist das der Stoff von Verhandlungen. Schon im März soll das Gesetz den Ministerrat passieren. Kantner fürchtet „übers Knie brechen“, die „Zerstörung eines funktionierenden Verfahrens“, fragt: „Was können sich Gläubiger dann noch erwarten?“

Alexander Maly von der Schuldnerberatung Wien glaubt dagegen an eine „Wirtschaftsbelebung zum Nulltarif“. Warum? „Weil viele Betroffene nicht mehr pfuschen gehen, wieder Steuern zahlen, nicht mehr an Sozialleistungen hängen.“ Dass die Banken dann wohl 150 bis 180 Millionen Euro jährlich abschreiben müssen, die sie derzeit noch von Schuldnern bekommen, in Folge Kredite teurer werden könnten, wie Kantner vorrechnet, findet Maly weniger schlimm. Banken machten Konsumenten das Leben auf Pump noch immer zu leicht, weil hier Lohnpfändung etwa im Vergleich zu Deutschland sehr einfach sei. „Bei vielen Menschen ist aber schon der erste Euro auf Pump eine Fehlentscheidung der Banken,“ so Maly. Sehr viele Klienten seien Analphabeten. Kantner hält dagegen: „Wer kann und will, reguliert mit 25 Euro pro Monat Schulden von 21.000 Euro.“

110.000 Menschen, wahrscheinlich sogar 150.000, sind in Österreich völlig überschuldet, können oder wollen keinen Konkurs anstreben, ein Drittel davon sind Ex-Unternehmer.

Damian Izdebski stottert persönlich 250.000 Euro ab. „Das könnte ein normaler Start-up-Gründer nie leisten,“ sagt er. Konsumschulden sieht er zwar kritisch, für Gründer müsse es aber ein Leben nach der Pleite geben. Für Kantner ist Izdebski auch deshalb beispielhaft, weil er den zweiten Versuch „amerikanisch“ gemacht, sich erst Risikokapital gesucht hat. Kantner: „Denn eine Bank wird niemals ein Wagnis finanzieren.“

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.