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Börsengespräche

Kratzer im Hochglanz-Image?

Ein Skandal erschüttert aktuell Japans Wirtschaft. Die Verantwortlichen von Kobe Steel, dem drittgrößten Stahlhersteller des Landes, gestanden vor kurzem, seit einem Jahrzehnt systematisch Zertifikate gefälscht zu haben, damit ihr Kupfer und Aluminium auch den von den Kunden geforderten Spezifikationen entsprachen. Automobilhersteller, Flugzeugbauer und Rüstungsunternehmen prüfen nun eilig, ob dadurch Sicherheitsmängel bei ihren Produkten vorhanden sein könnten. „Made in Japan“, bisher ein Qualitätssiegel, büßt seinen Glanz ein. Dabei erholt sich die japanische Wirtschaft gerade und zeigt zarte Blüten.

20 Jahre Stagnation ist eine lange Zeit, in der man versuchte, an alte Wirtschaftserfolge anzuknüpfen. Das größte Übel: eine Preisspirale, die sich laufend nach unten bewegte. Denn in der Hoffnung, immer noch günstiger einkaufen zu können, schoben Unternehmen und Private Investitionen auf die lange Bank. Doch nun scheint die Wirtschaftspolitik des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Abe zu fruchten. Unternehmensgewinne erreichen aktuell Re-kordmarken. Der Aufschwung, der seinen Ausgang in Export­erfolgen nahm, ist mittlerweile auch durch einen starken Binnenkonsum abgestützt. Der zuversichtliche Japaner gibt nicht nur mehr Geld für Res­taurantbesuche aus, sondern investiert auch in teure Autos und Haushaltsgeräte.

Auch der Nikkei, der bedeutendste asiatische Börsenindex, erklimmt ungeahnte Höhen. Allein seit Jahresbeginn konnte ein Anstieg von rund zwölf Prozent verzeichnet werden. Und es scheint, als würden sich die Investoren nicht einmal vom Säbelrasseln des nordkoreanischen Nachbars beeindrucken lassen.

Skandal-Falle. Die Experten sind gar so optimistisch, dass sie für Japan weiteres Wirtschaftswachstum im Umfeld der verbesserten Weltkonjunktur prognostizieren. Damit einhergehende Lohnanstiege dürften die Konsumlaune ankurbeln. Weiteren Kurssteigerungen stünde eigentlich nichts im Weg – wären da nicht die Skandale. Nicht umsonst bangt die Nippon-Industrie um ihre Reputation. So musste im vergangenen Jahr Autozulieferer Takata Insolvenz anmelden, weil eine Fehlfunktion seiner Airbags dazu führte, dass diese nicht Leben retteten, sondern forderten. 2016 kam auch Mitsubishi Motors in Bedrängnis und musste zugeben, dass über Jahre hinweg Abgas- und Verbrauchswerte bewusst falsch berechnet wurden. Und Nissan stolperte unlängst über unzureichend qualifiziertes Personal und vertuschtes Fehlverhalten.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung Japans wird maßgeblich davon abhängen, wie die vorgezogenen Parlamentswahlen ausgehen, wie man mit der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung umgeht und welche Lösungen für die immense Staatsverschuldung von 222 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (im Vergleich: Griechenland 179 %)gefunden werden. „Made in Japan“ kann jedenfalls keine weiteren Vertrauensverluste gebrauchen.

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