Wo der Riese zum Zwerg wird

Stattliche Gewinne und mit dem iPhone X ein Rekord-Weihnachtsgeschäft vor Augen: Apple bleibt ein Gigant – außer beim Steuerzahlen.

Von Roman Vilgut

Auch zehn Jahre nach der Einführung des iPhones sorgt der Marktstart einer neuen Generation regelmäßig für Schlangen vor Apple-Stores und lange Wartezeiten, weil das Gerät binnen kürzester Zeit ausverkauft ist. So auch beim iPhone X (zehn), das seit gestern in Österreich verkauft wird und bereits nach wenigen Stunden vergriffen war. Selbst der hohe Preis von mindestens 1149 Euro konnte Fans nicht abschrecken. Dass das Gerät so schnell ausverkauft war, liegt jedoch nicht alleine an der hohen Nachfrage. Vielmehr hat Apple nur geringe Stückzahlen an die Mobilfunker geliefert. Eine Strategie der Verknappung, die sich jedes Mal wiederholt.

Wer kein iPhone X ergattern konnte, wird diesmal getröstet: Denn Apple hat gleich zwei neue Modelle am Start. Neben dem „Jubiläums-Smartphone“ mit der Nummer Zehn werden seit September auch das iPhone 8 und iPhone 8 Plus verkauft. Und das sehr erfolgreich, wie die Zahlen des abgelaufenen vierten Geschäftsquartals zeigen. Weltweit wurden 46,7 Millionen iPhones verkauft. Die Smartphones tragen mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz des Konzerns bei, der in dem Zeitraum um rund zwölf Prozent auf 45,1 Milliarden Euro angestiegen ist. Der Gewinn kletterte um 19 Prozent auf 9,19 Milliarden Euro. Verantwortlich für diesen Erfolg ist in erster Linie die Trendwende in China. Während die Verkäufe im größten Smartphone-Markt der Welt in den Vorquartalen stets zurückgegangen waren, legte der iPhone-Absatz in China zwischen Juli und September um 40 Prozent zu. Ein Grund ist auch die Preissenkung der Vorgängermodelle, die mit jedem Generationswechsel vollzogen wird. Angesichts der Zahlen blickt Apple positiv in das besonders wichtige Weihnachtsquartal. Als Zielgröße werden Umsätze in Höhe von 72 bis 75 Milliarden Euro genannt.

Eine Kehrseite hat der Erfolg von Apple allerdings. Denn der Konzern ist nicht nur ein gutes Beispiel für technische Innovationskraft, auch bei der Steuervermeidung ist Apple erfinderisch. Die Gewinne aus den globalen Aktivitäten landen primär in zwei Tochtergesellschaften in Irland. Wie der US-Senat bereits 2013 festgestellt hat, sind diese weder in den USA noch in Irland steuerpflichtig. Daher bunkert Apple auf der Insel rund 211 Milliarden Euro. Die EU-Kommission fand heraus, dass der Konzern 2014 dort nur 0,005 Prozent Steuern auf die Gewinne gezahlt hatte. Der normale Steuersatz liegt in Irland aber bei 12,5 Prozent. Deshalb verurteilte die Kommission Apple 2016 auch zu einer Rekordrückzahlung von 13 Milliarden Euro. Noch hat Apple die Strafe nicht bezahlt. Irland weigert sich, das Geld einzutreiben. Der Fall liegt beim Europäischen Gerichtshof. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, organisierten Nicht-Regierungsorganisationen wie Attac zum Verkaufsstart des iPhone X in Frankreich und Deutschland Demonstrationen.

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