Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Steuertricks: Wo die Erklärungsnot jetzt am größten ist

Neue Dokumente zeigen einmal mehr, wie Unternehmen und Prominente Steueroasen nutzen. Erstmals werden Hintermänner genannt. EU-Politiker zeigen sich empört und fordern erneut strenge Maßnahmen.

Paradisisch ist nicht nur das Wetter auf den karibischen Inseln oder den Bermudas, auch die Steuergesetze wirken anziehend für multinationale Konzerne und Prominente, denen die Abgaben in ihren Heimatländern zu hoch sind. Mit den Paradise Papers ist erneut ein Datensatz mit Details rund um verschlungene Firmenkonstrukte zur Steuervermeidung öffentlich geworden. Die 13,4 Millionen Dokumente wurden der „Süddeutschen Zeitung“ zugespielt, die sie an das Internationale Konsortium investigativer Journalisten weitergeleitet hat. 380 Journalisten aus 67 Ländern haben die Daten ein Jahr lang durchforstet. In Österreich sind der „Falter“ und der ORF Partner in dem Netzwerk.

Das Besondere an den Dokumenten: Sie kommen aus mehreren Quellen. Der Großteil stammt aus der Anwaltskanzlei Appleby Global Group Services mit Sitz auf den Bermudas. Weitere Informationen kommen vom Treuhandunternehmen Asiaciti Trust aus Singapur. Ergänzt wird das Paket durch geheime Firmenregister aus 19 Steueroasen, die es möglich machen, Hintermänner zu identifizieren. Die Daten zeigen, wie verbreitet Steuervermeidung ist, auch unter Politikern. Denn in den Datensätzen finden sich die Namen von 120 Volksvertretern aus 50 Ländern.

Einer ist der Handelsminister der USA, Wilbur Ross. Über eine Briefkastenkonstruktion hält er eine Beteiligung an der Reederei Navigator. Ein großer Kunde des Unternehmens ist der russische Energiekonzern Sibur, an dem der Schwiegersohn von Russlands Präsident Wladimir Putin, Kirill Schamalow, beteiligt ist. Ross betont, dass die Geschäfte sauber seien und die USA keine Sanktionen gegen Sibur verhängt hätten.

Ross ist nicht der einzige hochrangige Volksvertreter, der in den Paradise Papers auftaucht. Auch Queen Elizabeth II. hat rund elf Millionen in einen Fonds auf den Cayman Islands angelegt. Das Geld wurde unter anderem in die Handelskette Brighthouse reinvestiert, das wegen Wucherzinsen für Konsumgüter in der Kritik steht. Die Vermögensverwalter der Queen betonen indes, dass die Investments „geprüft und legal sind“.

Einige betroffene Unternehmen haben reagiert und betonen, wie der Rohstoffkonzern Glencore, die Rechtmäßigkeit der Geschäfte. Das Schweizer Unternehmen zahlt für Minenlizenzen in der Demokratischen Republik Kongo deutlich weniger als die Mitbewerber, was Korruptionsvorwürfe zur Folge hatte, die Glencore jedoch entschieden zurückweist.

Auch Österreich taucht in den Dokumenten auf. So ist Schwedenbomben-Hersteller Niemetz seit der Rettung durch Meinl eine Tochter der Oryxa Capital auf den Cayman Islands. Auch der Bawag-Skandal könnte mittels Informationen aus den Paradise Papers in ein neues Licht rücken (siehe unten). Angesichts der Enthüllungen fordern Politiker ein härteres Vorgehen gegen Steueroasen. Finanzminister Hans Jörg Schelling will, dass Länder auf einer schwarzen Liste landen, die den automatischen Datenaustausch mit der EU und OECD ablehnen. Othmar Karas, EU-Abgeordneter der ÖVP, will auch säumige EU-Länder auf dieser Liste sehen. Der scheidende Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hofft nach dem wiederholten Datenleck endlich auf Fortschritte im Kampf gegen Steueroasen.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.