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Infineon baut aus: 290 neue Jobs in Graz

Die Österreich-Tochter des Hochtechnologiekonzerns Infineon macht aus der Not eine Tugend: Weil die Übernahme der US-Firma Wolfspeed nicht geklappt hat, werden jetzt 860 neue Jobs in Villach, Graz und Linz geschaffen.

Von Claudia Haase

Es klingt nicht im Geringsten wehmütig, wenn Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka sagt: „Es ist ja oft so, die eine Tür geht zu und eine andere auf. Unser Investitionsprogramm ist ein gutes Beispiel dafür, Chancen zu nutzen.“ Bei „Wolfspeed“ hatte die US-Behörde CFIUS Infineon die Tür vor der Nase zugemacht. Das Unternehmen sei strategisch zu wichtig für die USA, der „Ausverkauf“ an die Europäer ging nicht durch.

Jetzt steigen die Österreicher, die im Konzern seit Langem eine Topstellung vor allem in der Forschung und Entwicklung genießen, selbst aufs Gas. Das Unternehmen sorgt demnächst für 860 neue Jobs. Wenn es gut läuft, bis 2020, längstens aber in fünf Jahren. Das sei ein Beschleunigungsprogramm, um einen möglichen Nachteil auf der Zeitachse durch den vereitelten Wolfspeed-Kauf wettzumachen, sagt Vorstand Thomas Reisinger. Zu den 860 Jobs kommen aktuell sogar noch 200 offene Stellen, für die das rasant wachsende Unternehmen Mitarbeiter sucht.

In Villach sorgen im Rahmen des Ausbauprogramms 40 Millionen Euro bis Ende 2019 für 350 neue Jobs, Platz gibt es dann sogar für 600 Leute. Der in den vergangenen Jahren stark ausgebaute Infineon-Forschungsstandort Graz profitiert ebenfalls maßgeblich: 290 neue Jobs entstehen hier. In Linz werden 220 neue Stellen geschaffen. Weil für Graz und Linz noch Verhandlungen über neue Räume laufen, gibt es hier noch keine Investitionssummen.

Treiber hinter dieser Entwicklung ist die E-Mobility und automatisiertes Fahren. Die Mobilität der Zukunft ist aber nur ein Thema, dem sich Infineon mit verschiedenen Technologiebereichen wie Sensorik, Radar, Sicherheit oder Energieeffizienz verschrieben hat. „Halbleiter sind die Verbinder zwischen analoger und digitaler Welt“, erklärt Herlitschka. Der Einsatz der neuen Halbleitermaterialien Galliumnitrid und Siliciumcarbid ermögliche enorme Fortschritte in der Stromversorgung und Übertragung, weil die Energieverluste um bis zu 80 Prozent reduziert würden. Bei „Energiesparchips“ ist Infineon Österreich bereits weltweit Nummer eins, ebenso wie bei Sicherheitslösungen. Bei Automotive-Anwendungen wird ebenfalls die Marktführerschaft anvisiert.

Vorstand Oliver Heinrich gießt den Erfolg schließlich in Zahlen: Der Umsatz stieg 2016/17 um 38 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro, der Großteil war durch eine Übernahme bedingt, „200 Millionen kamen aus eigener Kraft.“ Das Ergebnis (EGT) war mit 176,5 Millionen Euro um elf Prozent besser. Der Personalstand stieg um vier Prozent auf 3785 Beschäftigte.

Als Halbleiter-Hersteller von Weltrang ist Infineon in Europa schon lange allein auf weiter Flur. Europa lasse sich derzeit enorm wichtige Schlüsselindustrien und Technologien einfach wegkaufen, so Herlitschka. „Wir brauchen endlich eine europäische Industriepolitik mit einer Stelle, die systemrelevante Übernahmen bewertet.“ Wie es die Amerikaner bei Wolfspeed gemacht haben.

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