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Börsengespräche

Italien hat gewählt

Aus den Parlamentswahlen vor einer Woche gingen zwar die EU-skeptische FünfSterne-Bewegung mit einem Wahlsieg und die rechtspopulistische Lega Nord mit deutlichen Zugewinnen als Sieger hervor. Allein die absolute Mehrheit fehlt zum Regieren. Es kommt nun, was kommen muss: „weiterwursteln“ und monatelange, zähe Regierungsverhandlungen anstatt Reformen und Haushaltssanierung.

Italien gilt nach wie vor als Problemkind der Eurozone. Als drittgrößte Volkswirtschaft und mit einer Verschuldung von über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts befindet sich Italien in einer fragilen Aufschwungphase. Seit 2007 ist das BIP pro Kopf um lediglich sechs Prozent gewachsen (im Vergleich Deutschland: +28 Prozent). Daneben kämpft das Land seit Jahren gegen Korruption, übermäßige Bürokratie und ein ineffizientes politisches System. Die Arbeitslosenrate geht seit der Euro-Krise 2014 nur langsam zurück und liegt derzeit bei 11,1 Prozent, dem dritthöchsten Wert im EU-Vergleich nach Griechenland und Spanien. Besonders davon betroffen sind Jugendliche unter 25 Jahren, von denen im Jänner 2018 rund ein Drittel auf Arbeitssuche war.

Der Erfolg einer neuen Regierung wird vor allem daran gemessen werden, ob es gelingt, wichtige Arbeitsmarkt- und Steuerreformen umzusetzen, die die Wettbewerbsfähigkeit Italiens im Binnenmarkt steigern. Der zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung kann nur mit robustem Wirtschaftswachstum und neuen Arbeitsplätzen entgegengewirkt werden. Fiskalpolitischer Spielraum dafür bleibt allerdings wenig, will man die Staatsverschuldung nicht weiter in die Höhe treiben.

Dabei sind die Rahmenbedingungen durchaus gut und sollten auch für Italien unterstützend wirken. So wachsen die Weltwirtschaft und die Wirtschaft der Eurozone weiterhin stark und breit basiert, was zu steigenden Exporten führt. Zusätzlich erfährt die Eurozone derzeit durch die neue Regierung in Frankreich und die Neuauflage der Großen Koalition in Deutschland neue Impulse für eine verstärkte europäische Integration.

Relativ zu den anderen Euroländern sind die Renditen auf italienische Staats- und Unternehmensanleihen daher attraktiv. In den Wochen vor der Wahl wurde die zunehmende Unsicherheit zwar etwas eingepreist, allerdings haben sich die Finanzmärkte überraschend unbeeindruckt von einer möglichen Pattsituation im italienischen Parlament gezeigt. Überrascht hat der Wahlausgang die Börsen dennoch: Als Erstreaktion auf das Wahlergebnis stiegen die Spreads italienischer Papiere über jene deutscher Staatsanleihen um rund zehn Basispunkte an. Auch die Aktienmärkte haben bereits auf das Erstarken der populistischen Parteien und keine klaren Mehrheiten reagiert. Der italienische Aktienindex FTSE MIB eröffnete zu Wochenbeginn rund ein Prozent unter dem letzten Schlusskurs.

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