Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Kampf ums halb legale Spiel im Netz

Immer mehr Spieler zieht es ins Internet. Die Politik will Seiten sperren, Anbieter fordern vehement eine Marktöffnung.

Von Hannes Gaisch-Faustmann

Die österreichische Bevölkerung gibt immer mehr Geld für Glücksspiel aus. 2015 waren es mehr als 1,5 Milliarden Euro, im Jahr darauf bereits mehr als 1,6 Milliarden. Während der Automatenmarkt wegen Verboten und strenger Regelungen an Bedeutung verliert, stiegen die Erlöse in den Spielbanken der Casinos, bei Sportwettenanbietern und im Onlinebereich stark an.

Das Glücksspiel im Internet kommt laut einer gestern präsentierten Studie von Kreutzer, Fischer und Partner bereits auf einen Marktanteil von 16 Prozent. Bei Sportwetten hält das Internet bei 44 Prozent.

Doch 60 Prozent der Anbieter agieren im rechtlichen Graubereich, da sie nicht in Österreich lizenziert sind. Sowohl der Gesetzgeber als auch die Spieleanbieter wollen das Gesetz ändern, allerdings mit ganz anderen Stoßrichtungen.

Derzeit darf in Österreich nur der teilstaatliche Casinos-Austria-Konzern auf seiner Seite win2day Onlineglücksspiel anbieten, dazu berechtigt die vom Finanzministerium vergebene Lottolizenz. Andere Anbieter wie bet-at-home oder bwin operieren im besagten Graubereich. Sie halten das Monopol der Casinos Austria für EU-rechtswidrig und berufen sich auf die Dienstleistungsfreiheit. Mit einer Lizenz aus einem anderen EU-Land dürften sie in ganz Europa anbieten, so ihre Rechtsauffassung. Die Höchstgerichte in Österreich halten das Monopol aber für rechtskonform in der EU. Sportwetten fallen übrigens nicht unter das Monopol.

Während die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) für eine Öffnung des Marktes lobbyiert, will das Finanzministerium den umgekehrten Weg einschlagen: Ein neues Glücksspielgesetz soll den Monopolisten stärken und eine Vielzahl anderer Anbieter zurückdrängen. Von Österreich aus sind 2000 Internetseiten mit Glücksspiel abrufbar.

„Das würde seriöse Anbieter treffen“, erklärt Claus Retschitzegger, Präsident des OVWG. Kämen diese Anbieter in Bedrängnis, seien 1000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet.

Das Finanzministerium pocht mit seinem Vorhaben auf den Spielerschutz. Ein Gesetzesentwurf wurde bereits veröffentlicht und kurz darauf wieder zurückgenommen. Geplant waren darin etwa Internetsperren für nicht lizenzierte Glücksspielanbieter oder das Recht, verlorene Einsätze 30 Jahre lang zurückzufordern. Die Branche reagierte empört. In dieser Woche soll der Entwurf neuerlich vorgelegt werden. Der Fiskus hat von den Unternehmen freilich auch profitiert und, so die Kreutzer-Studie, 2016 30 Millionen Euro an Steuern eingenommen.

Auch die OVWG argumentiert mit dem Spielerschutz. Die Plattformen hätten europäische Lizenzen, erfüllen damit hohe Standards und seien teilweise in Österreich gegründet worden, sagt Retschitzegger. Ein weiteres Argument liefere die Studie. Das Glücksspielmonopol erfülle den Zweck, die Nachfrage in das von Österreich genehmigte Angebot zu lenken, nämlich nur bedingt. „Niemand kann wollen, dass Glücksspiel in digitalen Hinterzimmern stattfindet.“

So fordert Retschitzegger für Österreich eine „Neuregulierung mit einem Lizenzierungsverfahren“, sprich eine Liberalisierung des Marktes. Als Beispiele nennt der OVWG-Chef Großbritannien und Dänemark, wo die Nachfrage nach dem Onlineglücksspiel erfolgreich kanalisiert worden sei. Umgekehrt verweisen Hüter des Monopols darauf, dass es in 15 EU-Ländern und in der Schweiz Internetsperren für Glücksspielseiten bereits gebe.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.