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Zwischen Razzien und Rekorden

BMW eilt von Rekord zu Rekord im Premiumsegment. Ermittlungen wegen mutmaßlicher Abgasmanipulationen trüben aber die Freude.

Von Hannes Gaisch-Faustmann aus München

Maximilian Schöberl, Chefkommunikator bei BMW, sprach zur Begrüßung gleich das Unangenehme an – die Razzien in der Münchner Zentrale und in Steyr (OÖ) am Dienstag, einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz mit Journalisten aus 24 Ländern. Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts des Betruges. Die Vorwürfe sind seit Februar bekannt. Auch BMW soll mit einer Software die Abgaswerte manipuliert haben, betroffen ist aber eine verhältnismäßig geringe Zahl von 11.000 Autos. Und BMW bleibt dabei: Es sei ein Versehen gewesen, dass zwei Modelle mit der falschen Software bespielt wurden, und nicht absichtliche Manipulation. „Ein Rückruf beim Kraftfahrtbundesamt ist beantragt“, sagt Schöberl. „Wir werden dazu heute keinen weiteren Bezug nehmen und bitten um Verständnis.“

Später wird dennoch nachgehakt: Wie passen die Dimension der Ermittlungen – am Dienstag durchkämmten 100 Ermittler die Zentrale – und die Erklärung von BMW, es habe sich um einen Irrtum gehandelt, zusammen? Schöberl: „Die Staatsanwaltschaft kommentieren wir nicht.“

So rasch und direkt BMW die unliebsamen Ermittlungen aufs Tapet brachte, so schnell will man sie vor den Medien auch wieder vom Tisch haben. Denn sonst gibt es durchwegs Erfreuliches zu berichten. Seit Jahren eilt der Münchner Premiumhersteller von Rekord zu Rekord. 2017, so Vorstandschef Harald Krüger und Finanzchef Nicolas Peter, stiegen die Auslieferungen um 4,1 Prozent auf 2,463 Millionen Fahrzeuge (BMW, Mini, Rolls-Royce), der Konzernumsatz kletterte um 4,8 Prozent auf 98,678 Milliarden Euro und der Jahresüberschuss um 26 Prozent auf 8,7 Milliarden. Das alles wolle man 2018 erneut übertreffen. Der US-Protektionismus dürfte dabei kaum bremsen: „Die Auswirkungen der geplanten Zölle liegen bei uns im niedrigen einstelligen Millionenbereich“, sagt Krüger, jedoch nicht ohne Kritik an Trump: „Unser Geschäftsmodell basiert auf dem freien Welthandel.“

2018 werde die „größte Produktoffensive in der Geschichte des Unternehmens“ fortgesetzt, so Krüger. 20 neue bzw. überarbeitete Modelle sollen auf den Markt kommen, das betrifft vor allem die X-Modelle. Zugleich wolle der Konzern den technologischen Wandel anführen, leitet der BMW-Chef zur E-Mobilität über. 2017 seien erstmals mehr als 100.000 elektrifizierte Fahrzeuge verkauft worden, das Ziel heuer lautet 140.000 Stück. Mit dem chinesischen Hersteller Great Wall will BMW einen vollelektrischen Mini bauen, dieser wird ab 2019 auch in Oxford produziert. In München lässt BMW den Stromer i4 herstellen, das Modell wurde symbolträchtig neben der achtköpfigen Vorstandsriege in der BMW-Welt in Szene gesetzt. Der i4 sei nur eines von 25 elektrifizierten Fahrzeugen, die man bis 2025 auf die Straße bringen wolle, zwölf davon vollelektrisch. Dank skalierbarer E-Baukästen könne man ab 2020 alle Modellreihen mit jeder Antriebsart ausstatten. Und der Diesel? „Fahrverbote sind für uns der falsche Weg“, betont Krüger und fordert mehr Sachlichkeit.

Über die Zusammenarbeit mit Magna zeigt sich Produktionsvorstand Oliver Zipsche im Gespräch mit der Kleinen Zeitung hoch zufrieden: „Das ist eine perfekte Lösung.“ Aktuell wird in Graz der 5er gebaut, auf die offizielle Bestätigung für den Z4 lässt BMW weiter warten.

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