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Datenskandal betrifft Tausende Österreicher

Bis zu 33.568 Datensätze von österreichischen Facebook-Nutzern könnten ohne deren Wissen verkauft worden sein. Jetzt wird Nutzern mehr Kontrolle über Daten versprochen.

Von Roman Vilgut

Tests und Rätsel gehören zu den beliebten Anwendungen auf Facebook. Sie verraten, welche die „Stadt deines Lebens“ ist oder welcher „Game of Thrones“-Charakter wohl zum Nutzer passt. Das Quiz „This Is Your Digital Life“ kursierte 2014 in dem sozialen Netzwerk und ist verantwortlich für den größten Datenskandal seit der Gründung von Facebook. Das Unternehmen muss jetzt einräumen, dass bis zu 87 Millionen private Datensätze an die Analysefirma Cambridge Analytica gegangen sind und nicht „nur“ 50 Millionen, wie anfangs behauptet wurde.

Obwohl lediglich 13 Österreicher an diesem Quiz teilgenommen haben, wurden auch bis zu 33.568 Datensätze heimischer Facebook-Nutzer gesammelt. Möglich war das, weil die Teilnehmer dem Quiz erlaubt haben, die Daten der Facebook-Freunde zu erfassen. Das bedeutet, die Macher des Quiz bekamen Informationen über Freunde dieser 13 Nutzer und die Daten von Österreichern, deren Freunde im Ausland an dem Quiz teilnahmen. Diese gingen 2015 gebündelt an Cambridge Analytica – unrechtmäßig, wie Facebook eingestehen musste. Die Betroffenen sollen am Montag über ihren Facebook-Feed informiert werden.

Der Skandal zwingt Facebook zum Umdenken. Firmenchef Mark Zuckerberg gab zu, das Risiko von Manipulationskampagnen unterschätzt zu haben. „Wir haben nicht genug gegen Missbrauch getan.“ Mit Änderungen der Privatsphäre-Einstellungen will Facebook nun gegensteuern und das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen.

So ist die Suche nach Nutzern via Telefonnummer oder E-Mail nicht mehr möglich. Apps wie das besagte Quiz werden künftig von Facebook direkt überprüft. Details über Arbeitsplatz, Beziehungsstatus oder Musikgeschmack werden nicht mehr geteilt.

Nicht genug, urteilt Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck: „Die bisherigen Reaktionen sind nicht ausreichend und zeigen, dass die Verantwortlichen im Konzern die Dimension des Datenschutzes nicht einordnen können.“ Der Fall sei klarer Rechtsbruch, sagt auch Matthias Jax von Safer Internet: „Die Weitergabe von Daten Dritter, also die Daten der Freunde, ist nicht erlaubt.“ Jax rät Facebook-Nutzern, in den Einstellungen den Punkt „Apps“ zu überprüfen. „Dort sieht man eine Liste von Programmen, die Zugriff auf Facebook-Daten haben. Man sollte hinterfragen, ob man diese wirklich braucht.“ Doch selbst wenn man diese Apps entfernt, müsse man sich im Klaren sein, dass bereits gesammelte Daten dadurch nicht gelöscht würden. „Dafür muss man herausfinden, wer die App erstellt hat. Dann kann man von den Verantwortlichen die Entfernung der Daten verlangen.“

Neue Datenschutzregeln in der EU machen das künftig leichter. Sie treten mit 25. Mai in Kraft und beinhalten drakonische Strafen. „Dennoch kann man sich nie sicher sein, dass sich jeder an Regeln hält“, warnt Jax. Immerhin: Facebook-Chef Zuckerberg bezeichnet die neuen EU-Vorschriften als „positiv“.

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