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Gefragtes Land am Horn von Afrika

Die Häfen in Dschibuti sind gefragte Warenumschlagplätze. AP

Die Häfen in Dschibuti sind gefragte Warenumschlagplätze.

 AP

Dschibuti hat nur knapp eine Million Einwohner. Als Militärstützpunkt und im Seehandel aber wird es zum Global Player.

Gleich neben dem Flughafen von Dschibuti liegt das Camp Lemonnier, die einzige dauerhafte Militärbasis der USA in Afrika. Nur wenige Kilometer entfernt haben die chinesischen Streitkräfte ihren ersten Übersee-Stützpunkt eingerichtet. Und auch Frankreich, Italien und Japan haben Truppen in dem winzigen Land am Horn von Afrika stationiert, das sich im Eiltempo zum internationalen Militär- und Handelszentrum entwickelt.

„Wir liegen an zwei der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt“, lobt der Chef der Hafenbehörde von Dschibuti, Aboubaker Omar Hadi, die Lage seines Heimatlandes. „Wir bedienen die weitere Region, darunter einige der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.“ Dass das überwiegend muslimische Dschibuti mit seinen nicht einmal eine Million Einwohnern sowohl im Handel als auch als Militärstützpunkt international beliebt ist, liegt für ihn nicht nur in der Wirtschaftskraft begründet. Auch die politische Sicherheit spielt eine bedeutende Rolle: Dschibuti sei ein Modell der Stabilität in einer unruhigen Gegend, sagt Hadi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Außerdem wachse die Wirtschaft wie sonst kaum irgendwo. Die Weltbank erwartet, dass das kleine Land in diesem Jahr sieben Prozent zulegt.

Im US-Camp Lemonnier sind rund 4000 Militärangehörige stationiert, von Dschibuti aus fliegen die USA Drohneneinsätze in Somalia und im Jemen. Unmittelbar vor seiner Entlassung machte der damals Noch-Außenminister Rex Tillerson in Dschibuti Station und betonte die Wichtigkeit des Ländchens von der Größe des deutschen Bundeslands Hessen für den Kampf gegen den Terror. Im Blick hatte er dabei die Al-Shabaab-Miliz im Nachbarland Somalia und die Terrorgruppe Islamischer Staat in der weiteren Region.

Bauprojekte. Neben den Amerikanern behaupten die Chinesen ihren Platz. Ihre Soldaten bezogen den neuen Stützpunkt im zurückliegenden Jahr, die wirtschaftlichen Interessen lassen sich an Bauprojekten und Krediten messen. So borgte sich Dschibuti laut Zahlen der China-Afrika-Forschungsinitiative an der amerikanischen Johns Hopkins University in Baltimore in den vergangenen Jahren an die eine Milliarde Dollar (etwa 820 Millionen Euro) von der staatlichen Export-Import-Bank of China.

Die Chinesen bauten auch mit an einer neuen elektrifizierten Bahnstrecke, die Dschibuti mit der Hauptstadt des Binnen-Nachbarlands Äthiopien, Addis Abeba, verbindet. Über die 800 Kilometer lange Strecke ist das bevölkerungsreiche Äthiopien, wo gut 100 Mal so viele Menschen wohnen wie in Dschibuti, ans Meer angeschlossen.

Handelsrouten. Doch auch andere Länder wie etwa Saudi-Arabien sind interessiert an dem strategisch günstigen Standpunkt an der Bab-el-Mandeb-Straße. Dschibuti investiert laut offiziellen Zahlen derzeit etwa 15 Milliarden Dollar (rund zwölf Milliarden Euro) in Infrastrukturprojekte, die dem Anschluss an globale Handelsrouten dienen sollen. Dazu zählt der Ausbau von Häfen, Straßen, Bahnstrecken sowie neue Flughäfen.

Aktuell können die Häfen in Dschibuti pro Jahr 18 Millionen Tonnen Fracht bewältigen, wie die Behörden erklären. Der neue Doraleh-Mehrzweckhafen, der im vergangenen Jahr seinen Betrieb aufnahm, ist den offiziellen Angaben zufolge schon an seine Kapazitätsgrenze gelangt. Anfang des Jahres machte die Übernahme des gleichnamigen Containerterminals Schlagzeilen: Dschibuti nahm es nach langem Rechtsstreit aus den Händen von DP World, einem der größten Hafenbetreiber der Welt mit Sitz in Dubai.

Sogleich wurden in den USA Bedenken laut, dass China mit dem Betrieb betraut werden könnte. Das Büro von Hafenbehördenchef Hadi beruhigte: „Dschibuti hat keine Pläne, den Doraleh-Containerhafen China zu überlassen“, hieß es.

Im Fokus steht derzeit auch der Aufbau der mutmaßlich größten Freihandelszone Afrikas, der Dschibuti International Free Trade Zone. „Wenn sie fertig ist, erstreckt sie sich über eine Fläche von 4800 Hektar“, betont Aboubaker Omar Hadi. Investiert werden mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro), der erste Abschnitt soll Ende des Jahres fertig sein.

Mit den ehrgeizigen Infrastrukturprojekten will Dschibuti seine Position und sein Image in der Welt stärken. Nicht zuletzt hofft das Land auch auf Einnahmen, um seinen Schuldenberg abtragen zu können. Bei Tillersons Besuch räumte Außenminister Mahamoud Ali Youssouf ein, dass sich die Belastung auf 84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beläuft. Am stärksten steht Dschibuti bei China in der Kreide. „Die Schuldenlast existiert, das ist uns klar“, sagt Youssouf. „Aber lassen Sie mich versichern, dass sie bis jetzt zu bewältigen ist.“

Florierende Geschäfte. Mit dem Wachstum der Nachbarländer sehen sich die Verantwortlichen in Dschibuti auf gutem Kurs. „Die ostafrikanischen Volkswirtschaften wachsen schnell, und es gibt eine klare Nachfrage nach der Infrastruktur Dschibutis“, sagt Hafenbehördenmanager Hadi. Davon hoffen auch die einheimischen Unternehmen eine weitere Scheibe abzubekommen. Trotz einer landesweiten Arbeitslosenrate von fast 40 Prozent floriert bei vielen das Geschäft dank internationaler Truppen und Schifffahrt. Ein Beispiel sind Mietwagen. „Unser Unternehmen stellt eine Wagenflotte für die Militärstützpunkte und wir profitieren sehr von ihnen“, berichtet Nour Omar, Manager der BSH Holding in Dschibuti. Der Ausbau der Dienstleistungen ist schon geplant.

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