Wirtschaft

Laudamotion: Es wird demonstriert

02.06.2020 • 14:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lauda-Mitarbeiter gehen auf die Straße
Lauda-Mitarbeiter gehen auf die Straße APA/HELMUT FOHRINGER

Die Mitarbeiter der Fluglinie Laudamotion demonstrieren in Wien.

Mehr als hundert Mitarbeiter der Ryanair-Tochter Laudamotion haben am Dienstagvormittag in der Wiener Innenstadt demonstriert. Sie fordern den Erhalt ihrer Jobs und von der Gewerkschaft vida die Zustimmung zu einem neuen Kollektivvertrag (KV) mit niedrigeren Gehältern. Die Verhandlungen gehen diese Woche weiter, Laudamotion verlängerte die Frist ein weiteres Mal bis zum 3. Juni. Die Wirtschaftskammer lädt die Gewerkschaft am Mittwoch für 17 Uhr zu Gesprächen.

Viele der Mitarbeiter kamen in ihren Uniformen zur Demo, sie trugen einen Mund-Nasen-Schutz. Manche hatten ihre Familien dabei. Eine Frau trug ein Kleinkind, und dieses ein Schild mit der Aufschrift „Papa will fliegen“. Die Piloten waren gegenüber den Flugbegleiterinnen in der Überzahl. Auf den Schildern und Transparenten stand unter anderem „No to vida, yes for our jobs“ oder „Fliegen ist unsere Leidenschaft“. Die Gewerkschaft vida lehnte den neuen KV bisher wegen der niedrigen Grundgehälter für Flugbegleiter ab.

Die Demonstranten versammelten sich vor der Parlamentsbaustelle, gingen dann zum Heldenplatz zu den beiden Pavillons, wo die Parlamentarier derzeit untergebracht sind, und zogen dann weiter zum Kanzleramt auf dem Ballhausplatz. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Rathausplatz statt. Eine Flugbegleiterin meldete sich zu Wort, sie sagte auf Englisch, sie wolle, dass die Verhandlungen wieder eröffnet werden.

Frist auf 3. Juni verlängert

Diese Hoffnung dürfte sich erfüllen. In der Wirtschaftskammer bemüht man sich gerade um einen weiteren Gesprächstermin. Es schaue so aus, als sei Ryanair bereit, die Schließung rückgängig zu machen, hieß es zur APA. Die Pressesprecherin von Laudamotion erklärte am Dienstag, die Frist für die Zustimmung der vida sei auf morgen, den 3. Juni, verlängert worden. Weitere Änderungen an dem KV lehnt die Airline aber ab.

„Für die vida gilt nach wie vor, dass wir zu weiteren Verhandlungen bereit sind. Das haben wir in den letzten Tagen auch mehrfach betont“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft zur APA.

Die Schließung der Lauda-Basis in Wien und der damit verbundene Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen könnte also noch abgewendet werden. Das Aus für den Heimatstandort der Niki-Nachfolgeairline war eigentlich schon vor zehn Tagen besiegelt worden. Zumindest sind seit da Flugzeuge ausgeflogen und die Mitarbeiter von der Kurzarbeit ab- und zur Kündigung angemeldet worden. Die Lauda-Geschäftsführung hat ihr Ultimatum zuletzt aber immer wieder verlängert. Wegen der Kurzarbeit sind Kündigungen vor dem 30. Juni ohnehin nicht möglich. Und wie es am Rande der Demo zur APA hieß, seien die Airbus A320 von Lauda wegen der hohen Parkgebühren am Flughafen Wien in London-Stansted und auf anderen Flughäfen abgestellt worden.

Expansion in Wien geplant

Für den Fall, dass die vida dem KV weiterhin nicht zustimmt, plant die Laudamotion-Mutter Ryanair am 4. Juni eine Expansion in Wien anzukündigen. Ab Juli würden dann die drei in Wien stationierte Ryanair-Boeings und 15 weitere Maschinen aus anderen Ryanair-Basen ab Wien 64 Destinationen in 23 Ländern bedienen.

In dem Arbeitskonflikt bei Laudamotion verlaufen die Fronten unklar. Die Initiatoren der Demonstration verhandelten zuletzt auf Seite der Arbeitgeber und kritisierten so wie die Lauda-Geschäftsführung die Zusammensetzung des Verhandlerteams der Gewerkschaft. Eigentlich gäbe es bei Laudamotion auch einen Betriebsrat, dieser ist aber vom Unternehmen nicht anerkennt und durch Klagen und Kündigungen handlungsunfähig gemacht worden.

Betriebsratschefin Kerstin Hager erklärte am Dienstag zu der Demo: „Ich bin erschüttert, in welcher Form das Unternehmen die Belegschaft vor seinen Karren zu spannen versucht, um sie für seine Propagandazwecke zu missbrauchen.“ Sie wirft Ryanair vor, die Belegschaft untereinander auszuspielen. Schon den Antrag auf Kurzarbeit habe die Geschäftsführung „zum Drohungs- und Erpressungskrimi hochstilisiert und dafür einen Teil der Belegschaft instrumentalisiert“.