Wirtschaft

Corona treibt Goldpreis auf Rekordhoch

27.07.2020 • 17:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beliebt: Der "Wiener Philharmoniker" von der Münze Österreich.
Beliebt: Der “Wiener Philharmoniker” von der Münze Österreich. Münze Österreich/KK

Sorge der Menschen um ihr Vermögen wächst. Goldpreis soll weiter steigen.

Nach den Regeln der so genannten Verfügbarkeitsheuristik bevorzugen Menschen bei der Entscheidungsfindung einfache, plastische Informationen. Gold bietet sie: Es glänzt, gilt als wertvoll, sonnen-gleich, ja sogar heilig – und ist daher in Krisenzeiten besonders gefragt. Eben goldrichtig.
Die Corona-Pandemie, die zunehmende Verschuldung von Firmen und Staaten und die weltweit niedrigen Zinsen lassen Anleger seit Monaten wieder in das gelbe Edelmetall flüchten. Um mehr als ein Viertel zog der Goldpreis in diesem Jahr an, allein in der vergangenen Woche stieg er um 4,5 Prozent. Nun hat das Virus den Goldpreis auf US-Dollar-Basis auf ein neues Allzeithoch getrieben. In der Nacht auf Montag ist der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) auf 1944,71 Dollar gestiegen. Der bisherige Höchststand lag bei 1921 Dollar im September 2011. Auch in Euro ist der Goldpreis mit 1659,68 Euro (Montagvormittag) so hoch wie noch nie.

“Nie nichts wert”

Für Anleger ist Gold derzeit ein so genannter Bullenmarkt. Aber auch Privatpersonen decken sich zunehmend mit Goldmünzen und -barren ein. Die Nachfrage bei der Österreichischen Münzprägeanstalt, der „Münze Österreich“, erhöht sich enorm. Im ersten Halbjahr 2020 setzte die Nationalbank-Tochter, die zu den weltweit bedeutendsten Prägestätten zählt und derzeit mit 19 Prozent Anteil Weltmarktführer bei Goldmünzen ist, 1,3 Milliarden Euro um – nach 565 Millionen Euro im gesamten Jahr 2019. Der Gewinn dürfte heuer doppelt so hoch ausfallen wie geplant. „Die Sorge der Menschen um ihr Vermögen wächst. Und Gold ist eine vergleichsweise sichere Anlage: Es ist nie nichts wert“, sagt Münze-Generaldirektor Gerhard Starsich. Während der zwei Lockdown-Wochen im März war die Münze Österreich die einzige Münzprägestelle weltweit, die nicht geschlossen hatte. Weil der übliche Lieferant, eine Raffinerie im Tessin, wegen Corona geschlossen war, holte Starsich das Gold aus London – es kam per Sonderflug nach Wien, 6,5 Tonnen alle zwei Wochen.

Corona treibt Goldpreis auf Rekordhoch
Münze Österreich-Generaldirektor Gerhard StarsichKleine Zeitung
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Goldexperte Ronald Stöferle: “Ich empfehle zehn bis 15 Prozent Gold in jedem Portfolio”Kleine Zeitung

Schon „sehr bald“ sieht Stöferle den Goldpreis bei 2300 Dollar. Abgesehen davon rät er jedem, Gold in sein Portfolio zu mischen – im Ausmaß zwischen zehn und 15 Prozent, als monetäre Versicherung für Extremszenarien. Obwohl Gold keine Zinsen bringt.