Wirtschaft

In diesem Winter drohen viele leere Skipisten

11.12.2020 • 14:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Heuer drohen viele leere Skipisten
Heuer drohen viele leere Skipisten APA/BARBARA GINDL

Forscher rechnen mit massiven Rückgängen im Wintertourismus.

Auf Basis der bisherigen Nächtigungsentwicklung von Jänner bis Oktober (‑29 Prozent) und dem annähernden Totalausfall in den Lockdown-Monaten November und Dezember rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO für das gesamte Kalenderjahr 2020 österreichweit mit Nachfrageverlusten von rund 37 Prozent (‑56,1 Millionen Nächtigungen). Regional dürfte abermals Wien, mit Einbußen von rund drei Viertel des Nächtigungsvolumens von 2019, am stärksten betroffen sein. Bundesländer mit gemischtem touristischem Angebot (Wellness, Kulinarik, Aktivsport) wie das Burgenland, die Steiermark oder Kärnten dürften 2020 vor allem aufgrund des dominierenden und deutlich schwächer rückläufigen inländischen Gästesegmentes die geringsten Nächtigungseinbußen verzeichnet habe.

Minus 70 Prozent im Winter

Noch deutlich heftiger dürften die Einbrüche im Wintertourismus ausfallen. Vor allem ein Ausbleiben der wichtigen deutschen Gäste zu Beginn des Jahres 2021 infolge einer weiterhin aufrechten Reisewarnung für Österreich hätte für die Bilanz des gesamten Winters 2020/21 erhebliche negative Auswirkungen. Die Einschätzung der Wintersaison 2020/21 ist freilich noch mit Unsicherheiten behaftet.

Szenario: Auslandsnachfrage kommt fast völlig zum Erliegen

In einem Szenario der Nächtigungsentwicklung für die gesamte Wintersaison 2020/21 (November 2020 bis April 2021) geht das Wifo davon aus, dass in den Hauptmonaten Jänner und Februar 2021 alle aktuell bestehenden Reisewarnungen aufrecht bleiben und die Auslandsnachfrage damit fast vollständig zum Erliegen kommt. Erst in der Nachsaison (März und April) ist demnach mit einem relevanten Aufkommen ausländischer Gäste zu rechnen.

Nur zögerliche Inlandsnachfrage

Somit wäre der österreichische Tourismus in vier von sechs Monaten (November bis Februar) mit einem fast vollständigen Ausbleiben ausländischer Gäste konfrontiert. Nach einer Wiedereröffnung der Beherbergungsbetriebe in der zweiten Jännerwoche wird weiters angenommen, dass sich auch die Inlandsnachfrage nur zögerlich belebt – im Jänner wäre demnach ein Ausfall von fast drei Viertel der im Vorjahr erzielten inländischen Nächtigungen zu erwarten, im Februar ein Verlust von beinahe 50 Prozent.

Fehlende Tagesgäste reduzieren Einnahmen weiter

Schätzungen des Wifo auf Basis dieser Annahmen ergeben einen Rückgang der Nächtigungen von insgesamt rund 70 Prozent im Vergleich zu der (pandemiebedingt bereits verkürzten) Wintersaison 2019/20 sowie von etwa 75 Prozent im Vergleich zum Winter 2018/19. Diesem Wert liegen ein Rückgang der von inländischen Gästen getätigten Nächtigungen von 44 Prozent sowie der ausländisch nachgefragten Nächtigungen von rund 78 Prozent zugrunde. Die Einnahmen der Tourismusunternehmen werden darüber hinaus auch durch erhebliche Rückgänge bei Tagesgästen vermindert.

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