Wirtschaft

Vorwurf Spionage: Huawei unter Druck

15.12.2020 • 12:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorwurf Spionage: Huawei unter Druck

Netzwerk-Profi soll Nachbau von Cisco-Software beauftragt haben.

Huawei kommt nicht zur Ruhe. Nachdem US-Politiker dem chinesischen Konzern seit geraumer Zeit – allerdings bis dato ohne Nachweis – vorwerfen, Netzwerke für Spionage zu missbrauchen, ist Huawei nun in Deutschland mit dem Vorwurf der Industriespionage konfrontiert.

So soll im Münchener Forschungszentrum ein Entwicklerteam mit dem illegalen Nachbau einer wichtigen Software des US-Konkurrenten Cisco beauftragt worden sein. Das berichtet die deutsche „Welt“, die sich auf einen Schriftverkehr von Huawei-Mitarbeitern beruft. Huawei selbst erklärt indes, dass man den Vorgang intern geprüft habe. Mit dem Ergebnis: „Weder wurde gegen externe gesetzliche oder vertragliche Vorschriften noch gegen interne Richtlinien zu irgendeinem Zeitpunkt verstoßen.“

Biden? “Hoffen auf rationalere Diskussionen”

Seit geraumer Zeit sieht sich das Unternehmen selbst als Spielball politischer Interessen. So sei es eine hochpolitische Entscheidung gewesen, Huawei vom 5G-Netzausbau in Großbritannien fernzuhalten – „nachdem unsere Technologie elf Jahre getestet wurde, ohne Auffälligkeiten zu entdecken“, wie Huawei-Topmanager Mika Lauhde der Kleinen Zeitung sagt.

Huawei-Topmanager Mika Lauhde
Huawei-Topmanager Mika LauhdeSonstiges

Ob sich mit einem US-Präsidenten Joe Biden das Klima ändern werde? Lauhde: „Wir haben große Hoffnung, dass die Diskussionen dann zumindest rationaler geführt werden.“ Die große Erzählung an sich, zugespitzt auf das Duell zwischen China und den USA, glaubt Lauhde, aber werde sich nicht ändern. „Es war schon unter Bush so, unter Obama, unter Trump. Die USA wollen das großartigste Land der Welt sein und sie wollen nun einmal der dominante Staat sein.“

Huawei trifft diese Auseinandersetzung bedingt durch US-Sanktionen hart. So hart, dass man bei Smartphones künftig großteils auf das Google-Betriebssystem Android verzichten wird. Was das Nutzerinteresse an den Geräten wohl massiv abschwächen wird. Ab 2021 will der Konzern jedenfalls mit der hauseigenen Software HarmonyOS 2.0 durchstarten.

Huawei setzt auf japanische Technologie

Mika Lauhde versucht im Interview indes, die wirtschaftlichen Auswirkungen abzuschwächen. Ja, im “Premium-Segment” werde man bei den Smartphones “Marktanteile verlieren”. In Summe aber sei man weiter gut aufgestellt, die “Business-Produkte” (Router, Netzwerke, Speicherlösungen, Firewalls) würden sogar “sehr gut” laufen. Außerdem profitiere man von Handelsstreitigkeiten zwischen Japan und Südkorea. Diese hatten zur Folge, dass südkoreanische Unternehmen wie Samsung gewisse, in Japan gefertigte, Komponenten nicht mehr zukaufen können.

Huawei, im Einkauf selbst getroffen von den US-Sanktionen, schlagt nun auf diesem Markt zu. “Wir machen nicht alles selbst”, sagt Lauhde. Bei Huawei glaube man noch “an die gute Seite der Globalisierung“. Deswegen würde man “Antennen in Schweden bauen, Cybersecurity-Tools in Finnland entwickeln oder Bildschirme in Japan fertigen lassen”, wie Mika Lauhde erzählt

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.