Wirtschaft

Anexia holt sich Hex und tilgt die Insolvenz

20.01.2021 • 15:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erst im Zuge der Übernahme lernten sich Philipp Hungerländer (links) und Alexander Windbichler kennen
Erst im Zuge der Übernahme lernten sich Philipp Hungerländer (links) und Alexander Windbichler kennen Markus Traussnig

Neustart für das in die Pleite geschlitterte Algorithmen-Start-up Hex.

Beide sind Aushängeschilder des eher kleinen, feinen Clusters von Technologieunternehmen in Kärnten. Beide mit Strahlkraft weit über die Grenzen hinaus. Die deutlich größere Anexia betreibt mit rund 300 Mitarbeitern weltweit 100 Rechenzentren. Alexander Windbichler führt sein Unternehmen von Klagenfurt aus. Millionen von IT-Arbeitsplätzen hängen an den Serverfarmen von Anexia, darunter jene in Konzernen wie BMW und der Rewe-Gruppe.

Das kleine Start-up Hex ist ein Senkrechtstarter im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Geschäftsführer und Eigentümer Philipp Hungerländer und sein Team entwickeln seit 2017 im Klagenfurter Lakesidepark Algorithmen für die Logistikbranche, um kostenintensive Prozesse zu optimieren. Das vielfach prämierte Unternehmen schlitterte im Dezember in eine Insolvenz. Obwohl nur moderat mit 122.000 Euro überschuldet, wollte Hungerländer, Professor für Mathematik an der Universität Klagenfurt, den Betrieb mit seinen elf Mitarbeitern schließen.

Anexia: „Von wenig zu extrem interessiert“

„Ich bin von wenig interessiert zu extrem interessiert gewechselt“, sagt Windbichler zum Angebot, Hex zu übernehmen.

Ausschlaggebend für den Sinneswandel war die „offene Kommunikation“ mit dem Hex-Chef. „Wir haben die Insolvenzthematik aus dem Weg geräumt. Der Wert besteht im Ensemble aus Hungerländer, dem Team und den Kunden.“

Der beste aus 13 Interessenten

Dass es dazu nicht kommen wird und Hex mutmaßlich eine freundlichere Zukunft beschert ist, liegt an Windbichler. Der 33-Jährige, der Anexia vor 15 Jahren gründete, war einer von 13 Interessenten für eine Übernahme. „Die Entscheidung war eindeutig, das Angebot das attraktivste, alle Wünsche wurden erfüllt“, freut sich Hungerländer. Die Anexia Holding übernimmt alle Anteile von Hungerländer, alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Voraussetzung für den Kauf ist die Beendigung des Insolvenzverfahrens und die Annahme des Sanierungsplans.

Hex: "Verspätetes Weihnachtsgeschenk"

Misst man es an den Auszeichnungen, ist Hex eines der erfolgreichsten Start-ups. Letzte Woche gewannen die Klagenfurter den Staatspreis Consulting und einen Constantinus.

„Dass wir einen Partner fanden, der an Produkte, Team und Projekte glaubt, ist ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.“

Hungerländer bleibt an Bord

Nun liegt es an Windbichler, die verhexte Insolvenz vergessen zu machen. Basis für künftige Erfolge sei „die Beibehaltung des Ensembles mit einem innovativen Team und Hungerländer als Kopf.“ Der bisherige Hex-Chef bleibt auch nach der Übernahme durch Anexia mit seinem wissenschaftlichen Know-how in beratender Funktion an Bord. Ob und wie Hex in die Anexia integriert wird, sei noch offen, so Windbichler.

Gläubiger befriedigen und investieren

Im ersten Schritt will er „alle Gläubiger befriedigen“, im zweiten investieren: „Wir werden definitiv wachsen, machen nicht an den Grenzen halt. Bei Bestandskunden und neuen Projekten sehe ich wahnsinnig viel Potenzial“, so Windbichler. Zu ersteren zählen Mikro-Systeme für den Öffentlichen Verkehr, die kärntenweit und darüber hinaus ausgerollt werden sollen, sowie die ÖBB. „Stolz und Vorfreude sind groß“, schwärmt der Anexia-Chef.

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