Wirtschaft

„Gastgartenregelung ist ein Schmarrn“

06.03.2021 • 14:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Coronavirus - Berlin
Coronavirus – Berlin APA/dpa-Zentralbild/Kira Hofmann

Kärntner Gastronomie spricht sich klar gegen Gastgartenöffnung aus.

„Die Gastgartenregelung ist ein Schmarrn“, sagt der Sprecher der Kärntner Gastronomen, Stefan Sternad. Wie berichtet, sollen ausschließlich Gastgärten in Österreich ab 27. März öffnen dürfen, nur Vorarlberg ist mit den Öffnungen früher dran. Die meisten Kärntner Gastwirte verfügten laut Wirtschaftskammer lediglich über Gastgärten mit 20 bis 40 Sitzplätzen. Die Regelung sei aber vor allem für große Schanigärten in Wien gedacht, nicht für eine kleinstrukturierte Gastro-Landschaft wie in Kärnten: „Da hat man nicht mitgedacht, das ist ein Schildbürgerstreich. Fast zwei von drei Gastgärten sind nicht witterungsfest. Und wenn der Gast aufs WC will, wäre das gegen das Betretungsverbot“, sagt der Geschäftsführer der Sparte Tourismus, Wolfgang Kuttnig.

“Große Wut und Aggression bei Wirten”

Fast alle Wirte müssten ihren Gastgarten dafür erst witterungsfest machen – das löse „große Wut und Aggression“ bei den Wirten aus, sagt Kuttnig. Für 80 Prozent der Kärntner Wirte würde sich laut einer Umfrage unter über 760 Mitgliedern der Sparte Tourismus eine Öffnung der Gasgärten ab 27. März nicht rechnen. Die Regelung sei daher, so Kuttnig, „total widersinnig“. Auch mit verpflichtendem Zwei-Meter-Abstand brauche man nicht aufsperren, zumal jeder Gast vor dem Besuch getestet werden sollte. Hoteliers-Sprecher Sigismund Moerisch fällt zur Gastgartregelung nur „Schnapsidee“ ein, die „nicht in Stein gemeißelt ist“.

“Inzidenzzahl statt Datum”

Tourismusobmann Josef Petritsch will zur Öffnung von Gastronomie und Hotellerie „gar kein Datum mehr erfahren“, sondern eine Inzidenzzahl, ab der eröffnet werden darf. Auch Sternad wünscht sich eine klare Ansage der Politik, ab welchem Inzidenzwert wieder geöffnet werden darf: „Am Beispiel Vorarlberg sieht man einen Schwellenwert für die Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100. Wir brauchen jetzt einen Wert.”

“Schockstarre in Kärnten”

Petritsch ortet in Kärnten angesichts der hohen Infektionszahlen eine „Schockstarre“: „So lange zuzuwarten wie in Hermagor geht ganz einfach nicht“. Wenn die Inzidenzzahl nicht sinkt, „werden wir nicht aufsperren“. Das Land Kärnten müsse die Testungen in den Griff kriegen, fordert der Hotelier vom Klopeiner See, die Politik solle “auf uns hören“. Außerdem werden Vorreihungen für Tourismusmitarbeiter bei Impfungen verlangt.

Nur jeder dritte Betrieb habe laut Umfrage den Eindruck, dass ausreichend kostenlose Testkapazitäten in Kärnten fürs „Reintesten“ zur Verfügung stehen. Zwei Drittel sagen, dass es zu wenig Kapazitäten gebe. „Wir haben jetzt noch geschlossen und es gibt schon Engpässe“, so ein befragter Gastronom. Fast alle Befragten fordern offiziell anerkannte „Nasenbohrertests“ für daheim. 74 Prozent der befragten Gastronomen und Hoteliers wären bereit, sich impfen zu lassen.

“Jetzt alles tun, um noch einen Sommer zu haben”

„Wir müssen jetzt alles dafür tun, um noch einen Sommer zu haben – so dramatisch muss man es ausdrücken“, sagt Sternad. Bei einer Weiterführung des Lockdowns sehen sich laut Umfrage 77 Prozent der Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. “Die Verzweiflung ist groß: Finanzielle Reserven sind aufgebraucht und viele wissen nicht, wie sie ihre Fixkosten im März noch bezahlen sollen”, alarmiert Petrisch.

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