Wirtschaft

Neue Arbeitszeit-Modelle gefordert

21.02.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbolbild Fokussiert – stock.adobe.com

Coronakrise hat Druck auf Arbeitnehmer verstärkt, sagen ÖGB und AK.

Nach zwei Jahren Krise konnten die meisten Betriebe in Österreich inzwischen das Vorkrisen-Niveau erreichen. Das zeigt eine Umfrage des IFES-Instituts unter Betriebsräten, die im Auftrag des ÖGB und der Arbeiterkammer (AK) durchgeführt wurde. Lediglich in den Branchen Tourismus, Verkehr und Handel gäbe es noch Nachzügler, erklärt Studienautor Stefan Friesenbichler.

Was sich allerdings nicht gebessert hat, sei das Arbeitsklima. Die Coronakrise habe viel mehr das Gegenteil bewirkt, ergebe die Befragung. “Die Themen Arbeitsdruck, Arbeitsklima, Führungskultur und Überstunden haben sich negativ verändert”, erklärt der Meinungsforscher. Auch sehen die Betriebsräte sorgenvoll in die Zukunft. Vor allem Personalmangel sowie Rohstoff- und Energiekosten würden die Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.

Klar zeige sich auch der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung. Besonders ausgeprägt ist dieser im Gesundheitssektor. Wobei Friesenbichler einschränkt: “Wir haben hier nur die privatwirtschaftlichen Anbieter abgefragt und keine Daten von öffentlichen Trägern.” Einzig im Finanzbereich seien die Mitarbeiter mit ihren Arbeitszeitmodellen zufrieden.

4-Tage-Woche

Angesichts dieser Daten sieht Willi Mernyi vom ÖGB dringenden Handlungsbedarf: “Die Arbeitnehmer brauchen planbare und vor allem kürzere Arbeitszeiten.” Im Tourismus müssten auch Themen wie Unterkunft oder Respekt verbessert werden. “Alles spricht inzwischen für die 4-Tage-Woche. Und einige Betriebe haben das ja schon erfolgreich umgesetzt.” Was für den Gewerkschafter auch klar ist: “Angesichts der aktuellen Preissteigerungen brauchen die Mitarbeiter auch mehr Lohn.”

Eine Lösung für die Arbeitszeitfrage sieht Silvia Hruska-Frank von der AK in einem familienfreundlichen Arbeitszeitmodell, das die Arbeiterkammer entwickelt hat. Dabei würden beide Elternteile zwischen 28 und 32 Stunden die Woche arbeiten, unterstützt durch staatliche Transferleistungen in Höhe von insgesamt 500 Euro. “Männer könnten so ihre Arbeitszeit reduzieren und viele Frauen könnten aufstocken”, erklärt Hruska-Frank. “Das entspricht vielfach den Wünschen der Eltern.”

Den Personalmangel müsse man hingegen mit einer Ausbildungsinitiative bekämpfen, sagt die AK-Expertin. “Das Problem hat inzwischen bedrohliche Ausmaße für Betriebe erreicht.” Nun sei es in der Verantwortung der Firmen, sich beim Personal für die Zukunft sicher aufzustellen.

Arbeitsdichte würde steigen

Seitens der Wirtschaftskammer begrüßt man, dass auch die Arbeitnehmerseite das Problem des Fachkräftemangels, das bisher vor allem von der Wirtschaft betont wurde, ebenfalls thematisiert. Dem Mangel mit einer Arbeitszeitverkürzung zu begegnen, sei jedoch der falsche Weg. Vielmehr brauche es eine Vielzahl von Maßnahmen – von gezielter Aus- und Weiterbildung über Förderung der Mobilität, Verbesserung der Kinderbetreuung bis hin zu qualifizierter Zuwanderung.

Forderungen nach einer generellen Arbeitszeitverkürzung würden jedenfalls bedeuten, dass dieselbe Arbeit in kürzerer Zeit erledigt werde, die Arbeitsdichte würde sich somit nochmals erhöhen, sagen die Arbeitgeber-Vertreter.

Industrie gegen 4-Tage-Woche

Eine Verkürzung der Arbeitszeit lehnt auch die Industriellenvereinigung (IV) ab, ebenso einen Anspruch auf einer 4-Tage-Woche bei gleicher Stundenleistung. “Gerade bei der sensiblen Frage der Arbeitszeit sind passgenaue und praktikable Lösungen entscheidend. Umso wichtiger ist, dass dies auch weiterhin individuell auf Betriebsebene geregelt wird”, heißt es seitens der IV. Aber: “Mit Blick auf die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf plädiert die Industrie viel mehr für den Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsplätze.”

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