Wirtschaft

EU: Gaspreise zehnmal höher als in USA

07.03.2022 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">AP/Matthias Schrader</span>
AP/Matthias Schrader

Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen in Gefahr.

In der EU kostet Gas im Großhandel aktuell rund 10-mal so viel wie in den USA. Das habe massive Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen, sagt Monika Köppl-Turyna, Leiterin des liberalen Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria am Montag im Gespräch mit der APA. Eine Besserung der Lage sei bis auf Weiteres nicht in Sicht, die Preise dürften zumindest bis zum Ende des Jahres 2022 auf einem hohen Niveau bleiben.

Während Gas am US-Spotmarkt derzeit umgerechnet rund 16 Euro pro Megawattstunde koste, seien die Preise in Europa rund 10-mal so hoch. Eco Austria rechnet damit, dass Gas in Europa zumindest bis Jahresende weiterhin zwischen 150 und 160 Euro pro Megawattstunde kosten wird. Bis zum Sommer 2021 seien die Gaspreise in den USA und in Europa noch sehr ähnlich gewesen, die Eskalation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine habe den Gaspreis in Europa seit Dezember jedoch in die Höhe getrieben.

Österreichische Firmen besonders betroffen

Langfristig sieht Köppl-Turyna deshalb die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen massiv gefährdet. Österreichische Firmen seien, aufgrund der hohen Exportverflechtung und der ausgeprägten Abhängigkeit von russischem Gas, besonders betroffen. Auch Haushalte bekommen die hohen Preise im Großhandel zu spüren, das Problem sei aber für die Industrie ein viel größeres. Rund 19 Prozent des Gases fließen in Österreich an Haushalte, die Großindustrie ist mit einem Anteil von rund 63 Prozent größter Abnehmer, die Mittlere Industrie und sonstige Kleinabnehmer verbrauchen jeweils rund 9 Prozent. Rund ein Viertel des Gases wird für die Stromproduktion genutzt.

Mittelfristig sei es deshalb notwendig, den Gasverbrauch dort, wo es möglich ist, zu reduzieren oder zu substituieren. Eine solche Umstellung brauche allerdings Zeit. Kurzfristig könne man deshalb nur hoffen, dass es bei Unternehmen nicht zu Liquiditätsproblemen kommt. Für einen solchen Fall sollte es jedenfalls auch staatliche Hilfe geben.

Wichtiger sei jedoch die langfristige Entwicklung: Es müsse viel mehr in der Struktur der Energieerzeugung passieren, so Köppl-Turyna. Dabei gehe es vor allem darum, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Es brauche beispielsweise mehr Fotovoltaik-Anlagen und schnellere Genehmigungsverfahren für Anlagen zur grünen Energieproduktion. “Es muss jetzt schnell gehen, weil mit diesem Preisdruck kann man nicht lange produzieren”, so die Institutsleiterin.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.