Wirtschaft

Flugausfälle im Sommer drohen

20.06.2022 • 14:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Flugausfälle im Sommer drohen
Verspätungen und Flugausfälle scheinen vorprogrammiert.(c) Sergey Furtaev/Fotolia

An den Flughäfen herrscht akuter Personalmangel.

Wer heuer im Sommer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen will, braucht gute Nerven. Flughäfen in ganz Europa leiden unter einem Personalmangel bei gleichzeitigem Reiseboom. In Österreich sehen sich der Flughafen Wien und die Austrian Airlines gut gerüstet für die reisestärksten Monate des Jahres. Dennoch könnte es auch in Wien zu Verspätungen und Flugausfällen kommen, vor allem weil sich Probleme auf anderen Airports auf andere Destinationen übertragen.

Ausfälle am Samstag in Salzburg

Am Flughafen Salzburg fielen am Wochenende mehrere Flüge der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings aus. Bis zu 500 Menschen mussten dadurch Sonntagfrüh auf dem Boden bleiben.

“In Wien gelang es uns, durch das Instrument der Kurzarbeit viel Personal in Beschäftigung zu halten, das jetzt wieder im Einsatz steht. Auf vielen anderen Airports, die wir auch bedienen, ist das nicht so”, erklärt AUA-Sprecherin Sophie Matkovits.

Easyjet streicht weitere Flüge

Die britische Billigfluglinie Easyjet streicht wegen des akuten Personalmangels an Flughäfen und an Bord weitere Flüge. Die angebotene Kapazität wird sich im laufenden Quartal auf 87 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019 belaufen und im Sommerquartal, der Hauptreisezeit, auf noch 90 Prozent. Bisher waren 90 Prozent in diesem und 97 Prozent im kommenden Vierteljahr geplant.

Die Flughäfen London Gatwick und Amsterdam begrenzen wegen der Abwicklungsprobleme am Boden die Flugzahlen. Deshalb ergreife Easyjet präventive Maßnahmen, um die Abläufe in den Sommermonaten zu stabilisieren, erklärt Easyjet-Chef Johan Lundgren. Von April bis Juni zählt die britische Airline rund 22 Millionen Passagiere bei etwa 140.000 Flügen.

Die AUA wird im Sommer wieder mit all ihren Fliegern im Einsatz sein. “Wir haben uns zusammen mit unseren Partnern am Standort Wien bestmöglich für den Hochsommer und die Feriensaison vorbereitet und auch über 150 neue Flugbegleiter eingestellt”, so die Sprecherin. Aus aktueller Sicht sei ein stabiler Flugbetrieb möglich, jedoch seien für einen reibungslosen Flugbetrieb nicht alleine die Airlines zuständig. Es sei das Zusammenspiel aller Partner im In- und Ausland nötig.

Auch der Flughafen Wien betont, für den Sommer gut aufgestellt zu sein. “Mit einem Personalstand von 80 Prozent vom Vor-Corona-Jahr 2019 kann der Airport das aktuelle und zu erwartende Passagieraufkommen gut abdecken”, sagt Flughafen-Sprecher Peter Kleemann. Das Passagieraufkommen liege derzeit bei etwa 70 Prozent des Vorkrisenniveaus und werde auch im Sommer trotz Reisehochsaison nicht die Rekordwerte von 2019 erreichen.

Am Flughafen Wien ist seit April die gesamte Mannschaft – 5000 Beschäftige – aus der Kurzarbeit zurück. “Zusätzlich nimmt der Flughafen Wien aktuell laufend neues Personal, vor allem in den Bereichen Sicherheitskontrolle, Passagier- und Bodenabfertigung auf”, so Kleemann. Mehr als 100 neue Mitarbeiter wurden zuletzt eingestellt.

Nicht beeinflussen könne der Flughafen Wien, wie sich die Situation auf anderen Flughafen-Standorten darstellt. Auch die Reisenden selbst könnten wenig tun, um Ärger zu vermeiden. Der Wiener Airport empfiehlt, den Flugstatus zu checken und an starken Reisetagen mehr Zeit als sonst für den Abflug einzuplanen, wie Kleemann sagte.

Weniger optimistisch ist die Gewerkschaft vida. “Wir werden, wenn überhaupt, nur mit Ach und Krach über die Sommermonate kommen”, erklärt Gewerkschafter Daniel Liebhart.

Personalabbau während Corona

Einen ersten Vorgeschmack auf die Sommersaison gab es Ende April in den niederländischen Frühjahrsferien als der Amsterdamer Flughafen nur knapp einem Kollaps entging. Dutzende Flüge mussten gestrichen werden, es bildeten sich lange Warteschlangen bis vor die Terminalgebäude und die Feuerwehr verteilte Wasser an die Wartenden.

Grund für die Probleme ist die Coronapandemie. Airports und Airlines haben in den beiden Krisenjahren Personal abgebaut, das nun fehlt, während die Buchungen und Passagierzahlen sprunghaft ansteigen. Vor allem beim Bodenpersonal, also den Mitarbeitern an den Schaltern, bei den Sicherheitskontrollen und am Vorfeld, droht ein Engpass, da auf dem Arbeitsmarkt keine Kräfte mehr zu finden sind.

In Frankfurt sollen über den Sommer deshalb 100 Mitarbeiter aus der Verwaltung und sogar der Vorstand am Schalter oder am Vorfeld aushelfen. Die AUA-Mutter Lufthansa hat angekündigt, im Juli 900 Flüge in München und Frankfurt zu streichen.