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Die Zähmung der Zeit beim Urlaub im Stall

In Irdning in der Obersteiermark wollte die Familie Titschenbacher den jahrhundertealten Stall keinesfalls schleifen, sondern erhalten: Geworden ist es eine gelungene Symbiose aus Alt und Neu für den Urlaub von Jung und Alt.

Von Gerhard Pliem

Jeder, der hier über die Jahrhunderte gelebt hat, lässt etwas da. Das spürt man an der Atmosphäre, an der Ausstrahlung des Gebäudes“, lächelt Ulrike Titschenbacher. Tatsächlich atmet das uralte Holz sanfte Ruhe aus, die das Gemüt umgarnt, den Pulsschlag verlangsamt.

Wer hektisch war, kann es später wieder werden – draußen. Drinnen wäre es ein unnötiger Kraftakt. „Es dauert nicht Tage, bis du herunterkommst, sondern ein paar Minuten, das fasziniert viele“, weiß Ulli Titschenbacher aus Erfahrung.

Es stimmt: Der Ruhe folgt die Gelassenheit, unversehens macht sich Gemütlichkeit breit. Die Zähmung der Zeit läuft im umgebauten alten Stall der Familie samt dem „Tenn“, wie man im Ennstal „die Tenne“ nennt, in dem früher das Heu gelagert wurde, ab. Als Ende der 90er-Jahre ein neuer, moderner Stall für die Milchkuhhaltung etwas außerhalb von Altirdning errichtet wurde, begannen die Überlegungen, „etwas Sinnvolles für das alte Gebäude zu finden“. Gedanken, es einfach wegzureißen, gab es nie: „Der Stall gehört zum Hof und zum Dorf Altirdning“, einem Ensemble von Bauernhöfen, wie man es heute nur mehr selten findet.

Verschiedene Pläne bis zur Errichtung einer Fischzucht wurden gewälzt und wieder verworfen. Geworden sind es schließlich „Wohnen im Stall“, genauer gesagt „Urlaub im Stall“, sowie die Nutzung für die hauseigene Brennerei, in der man sich gerne gemütlich mit Freunden und Bekannten trifft.

„Hier war früher der Eingang zum Kuhstall, daneben gleich der Bereich für die Hühner“, jetzt sind da der Wellness- und Saunabereich“, erklärt Franz Titschenbacher. Gekonnt sind Tradition und Moderne ineinander verzahnt, hinter der gläsernen Duschwand werden jahrhundertealte „Bloch“, grob behauene Baumstämme, ins rechte Licht gerückt. Es riecht wohltuend im Saunabereich und im gesamten Haus: Nach mehr als einem Jahrzehnt Leerstand haben sich die ursprünglichen Gerüche in Luft aufgelöst.

Im oberen Bereich, dem ehemaligen „Tenn“, sind Fruchtbarkeitszeichen und Segenssprüche auf den Balken durch wochenlanges Säubern, Schrubben und Waschen sichtbar gemacht geworden: eine mühsame Arbeit, welche die gesamte Familie gemeinsam erledigt hat. „Da haben wir wirklich alle zusammengeholfen“, erzählt Sohn Georg. „An Gottes Segen ist alles gelegen“, entdeckt man einen Schriftzug, der tief ins Holz eingekerbt ist.

„Seit 1321 gibt es den Hof“, holt Tochter Bernadette die Hofchronik hervor, deren genauere Aufzeichnungen im 17. Jahrhundert beginnen. In der Chronik ist auch nachzulesen, dass im Jahr 1857 viele Gebäude im Dorf bei einem großen Brand zerstört wurden. Vielleicht ist es kein Zufall, dass in mehreren alten Balken die Jahreszahl 1858 eingeschnitzt ist. Was sofort auffällt: Ganz oben im „Tenn“ ist über dem Aufenthaltsraum eine mächtige „Tafl“ aufgehängt. Früher wurde auf ihr das Getreide getrocknet, weiß Franz Titschenbacher.

Das Prinzip der harmonischen Ergänzung von Altem und Neuem gepaart mit reizvollen Kontrasten setzt sich von der Außengestaltung nach innen fort: vom Frühstücks- und Aufenthaltsraum, den Appartements und Komfortzimmern bis zur Einrichtung und den Bildern. „Das ist ein Projekt für Generationen, ein „Urlaub am Bauernhof“-Arbeitsplatz zu Hause, natürlich haben wir unsere Kinder Bernadette (24), Anna (22) und Georg (20) gefragt, ob sie da mitgehen können“, erzählt Franz Titschenbacher in der privaten Familienbrennerei. So alt das Gebäude ist, so gegenwärtig ist sein Leitspruch, den die Familie von Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann übernommen hat: „Dem Erbe verbunden, dem Wandel verpflichtet, der Zukunft entgegen.“

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