19-Jähriger in JA Klagenfurt tot aufgefunden: Mordverdacht
Ein 19-jähriger Häftling der Justizanstalt (JA) Klagenfurt ist am Dienstag in den frühen Morgenstunden tot in einem Zwei-Personen-Haftraum aufgefunden worden. Die Obduktion ergab, dass Schnittwunden im Halsbereich tödlich waren, ermittelt wird wegen Mordverdachts. “Tatmittel war die Klinge eines Einwegrasierers”, sagte Christian Pirker, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, zur APA. Dringend tatverdächtig ist der erst 17 Jahre alte Mitinsasse des Opfers.
Die Rasierklinge war erlaubterweise im Haftraum vorhanden. Spuren eines Kampfgeschehens gebe es nicht, sagte Pirker. Das könnte darauf hindeuten, dass der 19-Jährige im Schlaf angegriffen wurde und keine Möglichkeit hatte, sich zur Wehr zu setzen. Der Beschuldigte, der nicht verletzt wurde, soll am Dienstagabend einvernommen werden. Zum Todeszeitpunkt, möglichen Zeugen und den bisher ermittelten Abläufen gab der Staatsanwalt keine weiteren Auskünfte. Gottlieb Türk, der Leiter des Landeskriminalamts, das in dem Fall ermittelt, verwies auf Anfrage auf das Justizministerium, das sich die Medienarbeit in dem Fall vorbehalten habe.
Justizwache entdeckte Toten
Bereits bekannt ist, dass der Alarmknopf für Notfälle in der Zelle offenbar nicht ausgelöst wurde. Die Justizwache entdeckte am Morgen den leblosen 19-Jährigen und schlug Alarm. Für den jungen Mann kam jede Hilfe zu spät. Der Notarzt konnte nur mehr den Tod des Häftlings feststellen.
Wie lange der 19-Jährige und der um zwei Jahre jüngere Bursch sich schon eine Zelle teilten oder ob es schon früher Probleme gab, blieb zunächst unklar. Sie waren jedenfalls im sogenannten Normalvollzug auf der Jugendabteilung der JA Klagenfurt untergebracht. Der 17-Jährige ist dort als Untersuchungshäftling, der junge Erwachsene war in Strafhaft. Keiner von beiden saß wegen schwerster Gewaltdelikte im Gefängnis. Die U-Haft gegen den 17-Jährigen war ursprünglich wegen Tatbegehungs- und Tatausführungsgefahr verhängt und zuletzt auch verlängert worden. Ihm wird versuchte Brandstiftung und mehrfache gefährliche Drohung vorgeworfen. Bei seiner nächsten Haftverhandlung werde der Tatverdacht ausgeweitet, erklärte Pirker.
Volksanwältin Schwarz “erschüttert”
“Erschüttert” über das Tötungsdelikt zeigte sich die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP). “Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Justizministeriums sind abzuwarten. Ich vertraue auf eine rasche und lückenlose Aufklärung”, meinte Schwarz gegenüber der APA. “Der Fall wird selbstverständlich vollständig – auch intern – aufgeklärt werden. Unser tiefes Mitgefühl gehört den Angehörigen des Opfers”, meinte eine Sprecherin des Justizministeriums gegenüber der APA.