2026 deutlich mehr Verschleppungen als zuvor

07.09.2026 • 05:00 Uhr
2026 deutlich mehr Verschleppungen als zuvor

Die Zahl der Verschleppungen aus Österreich ist zuletzt deutlich gestiegen. Waren es in den beiden Jahren 2024 und 2025 insgesamt 160 Meldungen über verschleppte Personen, liegt die Zahl im ersten Halbjahr 2026 bereits bei 92, wie eine APA-Anfrage an das Nationale Kompetenzzentrum gegen Verschleppung und Familiengewalt, das beim Verein PeriFeri angesiedelt ist, zeigt. Leiterin Meltem Weiland schlägt gegenüber der APA Alarm und spricht von einem “besorgniserregenden Anstieg.”

Betroffen seien Kinder – Burschen wie Mädchen – die von ihren Eltern als “Disziplinierungsmaßnahme” in ihre Heimatländer gebracht werden, häufig unter dem Vorwand eines Urlaubes. “Die Eltern lassen sich hier gar nichts anmerken”, betont Weiland. Oft sollen die Kinder im Ausland dann auch verheiratet werden. Derzeit beobachte sie einen rapiden Anstieg. Erst vor wenigen Wochen seien “fünf Fälle in vier Minuten” gemeldet worden. “Es ist so viel, dass wir als Team von drei Personen manchmal ziemlich überfordert sind.”

Nach einem ähnlichen Muster werden auch Frauen ins Ausland gelockt, die dort dann von ihren Männern zurückgelassen werden. “Als Bestrafung wegen ‘ehelicher Probleme’ oder weil sie die Scheidung eingereicht haben.” In den meisten Fällen würden die Frauen bei ihren Eltern zurückgelassen werden, oftmals verbünden sich diese mit dem Ehemann. “Weil eine Scheidung oft auch für die Eltern eine Schande ist.”

Heuer bereits 24 Rückholungen

“Eigentlich gibt es Verschleppungen in alle Länder”, am häufigsten derzeit nach Russland und Syrien. Aber auch in den Irak, Pakistan und Bangladesch. Verschleppungen gäbe es aber auch in andere Länder des EU-Raumes oder des Balkans.

Weiland und ihr Team arbeiten gemeinsam mit Behörden, Außenministerium und Botschaften daran, die verschleppten Personen zurück nach Österreich zu bringen. Dabei sei man, sofern möglich, ständig in Kontakt mit den Betroffenen. “Jeder Fall ist eine eigene Geschichte”, betont Weiland. Heuer wurden bereits 24 solcher Rückholungen durchgeführt, auf die man zumeist monatelang hinarbeiten muss. In den beiden Vorjahren wurden insgesamt 70 Personen zurück nach Österreich gebracht.

Mehr rechtliche Handhabe gefordert

Von der Politik fordert Weiland mehr Handhabe für Betroffene. Seien Zwangsheiraten zwar in Österreich verboten, so hätten im Ausland zurückgelassene Frauen kaum eine rechtliche Grundlage gegen ihren Ehemann. Gleichzeitig fehle es der einzigen spezialisierten Stelle aber – wie so oft – am Geld. Derzeit versucht PeriFeri dieses über ein Crowdfunding-Projekt zu bekommen ().