50 Jahre frisch geblieben: Die Wiener Wotrubakirche

Die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien feiert 50. Geburtstag. Sie haben keine Ahnung, wovon die Rede ist? Das ist verständlich, hat sich doch seit ihrer Errichtung der landläufige Name Wotrubakirche für das Gotteshaus aus 135 asymmetrisch aufeinandergeschichteten Betonblöcken eingebürgert. Am 24. Oktober 1976 wurde der damals hoch umstrittene Bau geweiht, der sich heute zu einem Wahrzeichen Wiens und der katholischen Kirche gemausert hat.
Dabei ging die Initiative zu deren Errichtung von einer Frau aus. Die OMV-Managerin und Beamtin Margarethe Ottillinger lobbyierte für den Plan des Bildhauers Fritz Wotruba und des Architekten Fritz Gerhard Mayr, die eine dem Brutalismus zuzurechnende Bauform mit Sichtbeton vorsahen. Die Intention Ottilingers, die sieben Jahre lang in sowjetischen Gefängnissen gesessen hatte, war, einer Zeit des schwindenden Glaubens etwas entgegenzusetzen.
Der Schöpfer erlebte sein Werk nicht mehr
Und doch zog sich die Debatte um die Gestalt und damit die Kirche selbst über lange Jahre hin. Wotruba, der 1975 verstarb, erlebte die Weihe seines Bauwerks nicht mehr, Ottillinger hingegen verstarb erst 1992. Der von ihr beförderte Bau indes thront heute noch am Georgenberg über Mauer. Die Wotrubakirche erinnere daran, dass Bewegung und Bewahrung, Neues und Altes, Reformen und Traditionen zusammengehörten, sinnierte laut Kathpress beim Gottesdienst zum 50-Jahr-Jubiläum am 17. Oktober der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl über das Gebäude: “Wer diese Spannung in der Kirche auflösen will und sich nur auf eine Seite schlägt, gibt vieles auf.”