90 Jahre Guerra Civil – Die Internationalen Brigaden

Der Einsatz der im Oktober 1936 gegründeten Internationalen Brigaden ist neben der Legion Condor, die aufseiten Francos durch die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica (Gernika) traurige Berühmtheit erlangte, der bekannteste und umfangreichste Ausdruck ausländischer Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg 1936-39. In den Internationalen Brigaden beteiligten sich vor 90 Jahren auch rund 1.400 Österreicher an der “Guerra Civil”.
Das letzte überlebende Mitglied der Internationalen Brigaden, die während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-39) aufseiten der linksbürgerlichen Republik gegen die aufständischen faschistischen Truppen rund um General Franco kämpften, verstarb Ende Mai im Alter von 101 Jahren in Frankreich.
Am 22. Oktober 1936 wurde ihre Aufstellung unter kommunistischer Führung bei einer Sitzung von Komintern-Vertretern mit dem spanischen Ministerpräsidenten Largo Caballero formell vereinbart. Militärisch gesehen war ihr Einsatz nur bei der Verteidigung von Madrid bedeutsam, als moralischer Faktor blieb die Teilnahme von 35.000 Freiwilligen aus über 60 Ländern jedoch unübertroffen.
Die Interbrigaden traten an die Stelle der internationalen Einheiten spontaner Milizen der verschiedenen politischen Parteien, Gruppierungen oder Gewerkschaften. Diese setzten sich vordringlich aus Sportlern und Zuschauern zusammen, die zu einem als Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen in Berlin abgehaltenen Arbeitersportfest nach Barcelona gereist waren. Die Organisation oblag den französischen Kommunisten, die Büros zur Rekrutierung von Freiwilligen einrichteten und Propaganda für den Eintritt in die Brigaden betrieben.
Erster Einsatz bei Brunete-Offensive
Innerhalb weniger Monate wurden fünf aus Ausländern bestehende Brigaden (XI.-XV.) aufgestellt, die nach sprachlichen bzw. nationalen Gesichtspunkten gegliedert waren. Im Juni 1937 erfolgte die Gründung eines eigenen Österreicher-Bataillons, das in die großteils deutschsprachige XI. Brigade eingegliedert wurde. Der erste Einsatz erfolgte bei der Brunete-Offensive.
Im Bataillon “12. Februar 1934” sammelten sich Schutzbündler, revolutionäre Sozialisten und Kommunisten, die meist an den Februarkämpfen 1934 teilgenommen hatten. 1.380 namentlich bekannte Österreicher – darunter rund zwei Dutzend exilierte Journalistinnen und Journalisten – kämpften in Spanien, wobei manche auch in anderen Einheiten eingesetzt wurden. So leitete der Schutzbund-Obmann und Nationalratsabgeordnete Julius Deutsch als General der Republik die Organisation des Küstenschutzes bei Valencia. Auch rund 43 Frauen waren darunter, die meisten von ihnen engagierten sich im Sanitätsdienst.
Am 21. September 1938 wurden die Internationalen Brigaden aufgelöst. Ein Teil der Interbrigadisten kam kurz vor dem Ende noch zu einem zweiten Einsatz. Nach dem Zusammenbruch wurden jene, die nicht nach Hause zurückkehren konnten, in Frankreich interniert. Viele Deutsche und Österreicher wurden später in Konzentrationslager deportiert. Darunter waren auch rund 5.000 republikanisch gesinnte Spanier, sie kamen vordringlich nach Mauthausen. Der Spanische Bürgerkrieg endete im April 1939 mit dem Sieg Francos, der Spanien letztlich als Diktator bis zu seinem Tod 1975 beherrschte.
Letzter österreichischer Freiwilliger starb 2014
Mit Hans Landauer verstarb am 19. Juli 2014 der letzte der österreichischen “Freiwilligen für die Freiheit”, wie ihr Selbstverständnis nach dem Zentralorgan der Internationalen Brigaden namens “El Voluntario de la Libertad” auch lautete. Er war 1937 als 16-Jähriger nach Spanien gegangen. Ein großer Verdienst des späteren Polizeibeamten war es aber, dass er ab den frühen 1980er Jahren in der Pension als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW) die Spuren seiner ehemaligen Kameraden ermittelte. Damit baute er das “weltweit größte Archiv eines nationalen Kontingents der Spanienkämpfer” auf, wie in einem 2016 vom DÖW editierten Band mit dem Titel “80 Jahre Internationale Brigaden” nachzulesen ist.
Zum 50. Jahrestag des Ausbruchs der Guerra Civil im Jahr 1986 war unter seiner Ägide auch das Buch “Für Spaniens Freiheit” erschienen, das die erste umfassende Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung darstellte. Zehn Jahre später sollte noch das gemeinsam mit dem Schriftsteller Erich Hackl veröffentlichte “Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer” folgen.
Bis heute sind der Spanische Bürgerkrieg und die Internationalen Brigaden wissenschaftliche Studienobjekte. Ein Beispiel ist der 2020 von internationalen Experten editierte Forschungsland “¿Pasarán?: Kommunikation im Spanischen Bürgerkrieg. Interacting in the Spanish Civil War”. Der Sammelband nimmt die komplexe Situation der Mehrsprachigkeit sowie die Rolle der Dolmetscher und Übersetzungsaktivitäten während der Guerra Civil und insbesondere in den Brigadas Internacionales in den Fokus. Mit Blick auf die politischen und ideologischen Konflikte im Bürgerkrieg erweitern und vertiefen die an dem Projekt beteiligten Forscherinnen und Forscher die bisherigen Investigationen um eine kulturelle und sprachliche Dimension.
140 Österreicher auch im Franco-Lager aktiv
Kaum bekannt war lange Zeit freilich auch, dass im Lager der Nationalen Franco-Truppen rund 140 Österreicher aktiv waren. Das dokumentiert ein 2015 erschienenes Buch: “Auf Francos Seite”. Das etwas mehr als 220 Seiten umfassende Werk mit dem Untertitel “Österreicher in den Reihen der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg” beackerte zweifelsohne historisches Brachland. Dass dies überhaupt noch möglich war, spricht für den Instinkt des 1986 in der Steiermark geborenen Autors Jakob Matscheko, füllt die Literatur zur “Guerra Civil” doch sowohl in Spanien als auch außerhalb durchaus mehrere Bibliotheken.
S E R V I C E – Literaturtipps:
– Julia Kölbl/Iryna Orlova/Michaela Wolf: ¿Pasarán? Kommunikation im Spanischen Bürgerkrieg. Interacting in the Spanish Civil War. New Academic Press, Wien 2021. 224 Seiten; 25,00 Euro. ISBN: 978-3-7003-2179-8.
– Edgar Schütz: Österreichische JournalistInnen und PublizistInnen im Spanischen Bürgerkrieg 1936 – 1939. Medienpolitik und Presse der Internationalen Brigaden, Wien 2016, LIT Verlag, 401 Seiten. ISBN: 978-3-643-50759-4.
– Jakob Matscheko: Auf Francos Seite. Österreicher in den Reihen der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg. Promedia-Verlag, Wien 2015. Edition Kritische Forschung. 224 Seiten, 20,00 Euro. ISBN 978-3-85371-400-3.
Neuerscheinungen:
– Paul Ingendaay: Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur 1936-1939. Verlag C.H. Beck, München 2026. 352 Seiten; 18,80 Euro. ISBN-13: 978-3-406-84363-1.
– Marie Langer: Während die Welt brennt, kann man nicht dasitzen und seinen Nabel betrachten. Erinnerungen. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ulrike Schmitzer. Aus dem Spanischen von Claudia von Monbart. Edition Atelier, Wien 2026. 128 Seiten; 20,00 Euro. ISBN: 978-3-99065-149-0.
– Egon Erwin Kisch. Der rasende Reporter im Spanischen Bürgerkrieg. Herausgegeben von Joachim Gatterer und Georg Pichler. Edition Atelier, 2026. 308 Seiten; 28,00 Euro. ISBN-13: 978-3-99065-150-6.
– Reichmayr Johannes/Reichmayr Michael (Hg.): Goldy Parin-Matthèy – Spanienkämpferin, Anarchistin, Psychoanalytikerin. Leben und Werk. Mandelbaum Verlag, Wien 2025. 348 Seiten; 28,00 Euro. ISBN: 978-3-99136-106-0.