Äthiopiens Armee tötet bei Angriff 272 Tigray-Rebellen

Die äthiopische Armee hat eigenen Angaben zufolge 272 Kämpfer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) getötet, die eine Offensive in den nahe von Tigray gelegenen Regionen Amhara und Afar im Nordwesten Äthiopiens gestartet hatte. Truppen der TPLF hätten mehrere Orte in der Region Nord-Wollo angegriffen, einem an Tigray grenzenden Gebiet in Amhara, erklärten die äthiopischen Streitkräfte am Donnerstag auf Facebook.
Die Regierungstruppen hätten daraufhin eine Gegenoffensive gestartet und der TPLF “schwere Verluste bei Personal und Ausrüstung” zugefügt, hieß es in der Armeeerklärung. 272 Rebellen seien getötet und weitere 260 verletzt worden, hieß es weiter. Die Nachrichtenagentur AFP konnte die Angaben zunächst nicht unabhängig prüfen. Die Armee machte keine Angaben zu Toten in den eigenen Reihen oder unter Zivilisten.
Kämpfe auch in Lalibela
Unabhängig davon erreichten die AFP Berichte über Kämpfe in Lalibela, ebenfalls in der Zone Nord-Wollo, wo sich Äthiopiens berühmte mittelalterliche Felsenkirchen befinden, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Das Gebiet war häufiger von der Fano angegriffen worden, einer örtlichen bewaffneten Gruppe, die nun an der Seite der TPLF kämpft. Aus in Äthiopien ansässigen ausländischen Sicherheitskreisen erfuhr die AFP, dass der Verkehr am Flughafen von Lalibela eingestellt worden sei.
Die seit langem schwelenden Spannungen zwischen der Regierung und den Behörden im nördlichen Bundesstaat Tigray waren mit den neuerlichen Angriffen auf Afar und Amhara eskaliert.
Sorge vor neuem Krieg
Sowohl die äthiopische Armee als auch die TPLF haben nach Angaben der Afrikanischen Union in den vergangenen Monaten Soldaten entlang der Grenze der Krisenregion Tigray zusammengezogen. Beide Seiten werfen einander vor, einen neuen Krieg vorzubereiten.
Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 sind nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet worden. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete die Kämpfe zwar, zentrale Vereinbarungen wurden aber nicht umgesetzt. Dazu gehören die Entwaffnung der TPLF und die Rückkehr Hunderttausender Vertriebener.