Albertina nimmt die frühe Expeditionsfotografie in den Fokus

21.07.2026 • 12:56 Uhr
Albertina nimmt die frühe Expeditionsfotografie in den Fokus

“Egal, ob Sie schon im Urlaub waren oder erst fahren, Sie alle kommen mit Sicherheit mit hunderten Fotos zurück!”, erinnerte Albertina-Direktor Ralph Gleis die versammelten Journalistinnen und Journalisten im Vorfeld der Schau “Die Welt im Fokus” am Dienstag bei der Presseführung daran, wie selbstverständlich es geworden ist, Reiseeindrücke bildlich festzuhalten. Wie sehr sich Reisefotografie in den vergangenen 170 Jahren verändert hat, verdeutlicht die neue Ausstellung.

Anhand von 107 Fotografien aus der Sammlung gibt Kuratorin Anna Hanreich einen anschaulichen Eindruck, wie Mitte des 19. Jahrhunderts das damals neue Medium zunächst auf Expeditionen und später auch auf privaten Reisen die Dokumentation verändert und die damals mitreisenden Zeichner obsolet gemacht hat. Doch auch die materialaufwendige Fotografie brachte – vor allem unter anderen klimatischen Bedingungen – so manche Herausforderung mit sich, wie Hanreich erläuterte.

Zwischen Pyramiden und Gletschern

Ein Kapitel der Schau ist etwa der “Faszination Ägypten” gewidmet und versammelt u.a. Fotografien von Francis Bedford, der im Rahmen von Expeditionen Angehörige der europäischen Königshäuser begleitete. Besonders spannend an den Aufnahmen von Robert Murray oder Henry Cammas ist der Blick auf jene heutigen Tourismusstätten wie die Sphinx und die Cheopspyramide, bevor in den vergangenen hundert Jahren weitreichende Veränderungen vorgenommen wurden. Auch das Verhalten an historischen Stätten hat sich seit 1890 tiefgreifend verändert, als Anton Silberhuber eine Reihe von Touristen ablichtete, die für das Foto auf Schultern und Bein der Sphinx kletterten.

Doch nicht nur Ägypten, auch Indien stand Mitte des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt aufgrund der Kolonisation im Fokus von Expeditionen: Und so finden sich in der Schau zahlreiche Fotografien von Tempelanlagen, die in ihrem Detailreichtum begeistern. Aber nicht nur in tropischem und subtropischem Klima mussten sich die damaligen Kameras beweisen, sondern auch bei eisigen Temperaturen, wie Aufnahmen von Wilhelm Burger aus Spitzbergen oder Gustav Jägermayer aus den Alpen zeigen, wo er beeindruckende Aufnahmen von Gletschern machte.

Dokumentierter Ausbau der Infrastruktur

Die Ausstellung bietet aber auch Einblicke in den rasanten Ausbau der Infrastruktur im 19. Jahrhundert: So finden sich in der Schau Fotos von Josef Löwy von einer Reise nach Bosnien und Herzegowina im Jahr 1878, die etwa Straßenarbeiten oder Brückenbauten dokumentieren. Doch auch kommerziell eröffnete die Fotografie ein neues Betätigungsfeld, wie Aufnahmen des österreichischen Diplomaten und Malers Raimund Freiherr Stillfried von Rathenitz zeigen, der 1871 mit seinem Fotoatelier in Yokohama eines der wichtigsten Fotostudios Asiens eröffnete und nicht nur beeindruckende Landschaftsfotos, sondern auch Menschenporträts hinterließ.

Am Ende der Schau steht schließlich das Aufkommen der Amateurfotografie, die durch die neu entwickelten Autochromplatten schließlich auch strahlende Farbaufnahmen ermöglichte, die die Schau abrunden. Wie lang man aufgrund des teuren Materials damals nach dem perfekten Motiv suchte, mag in den kommenden Urlaubswochen ein Ansporn sein, wieder genauer hinzuschauen, statt mit 300 Fotos zurückzukehren, die für immer in den Tiefen der Speicherkarten verschwinden.

(S E R V I C E – “Die Welt im Fokus” in der Albertina, Tietze Galleries, 22. Juli bis 26. Oktober. )