Anzeichen für neue US-Strategie im Iran-Konflikt

14.08.2026 • 15:26 Uhr

Zurückhaltung ist in der Regel keine Eigenschaft, die US-Präsident Donald Trump zugeschrieben wird. Doch genau dies soll nun eine neue Strategie im Iran-Krieg auszeichnen: Die US-Regierung halte sich zurück und beobachte den Iran, sagte der Präsident kürzlich in einem Interview. Dabei sehe sie, wie Teheran mit den gravierenden wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu kämpfen habe. Und anstelle weiterer Angriffe des US-Militärs soll der wirtschaftliche Druck erhöht werden.

Konkret sollen die Pläne dafür in der kommenden Woche vorgestellt werden, wie Finanzminister Scott Bessent ankündigte. Auf den Iran komme eine wirtschaftliche Isolation zu, “wie sie die Welt noch nicht gesehen hat”.

Trump sagte in dem Interview mit dem Nachrichtenportal “Axios”, der Iran leide unter “enormer Inflation” und habe “kein Geld”. Später legte er im Oval Office in Washington nach: “Der Iran ist pleite, absolut pleite und er kann seine Soldaten nicht bezahlen.” Nach Informationen des “Wall Street Journal” haben ihm seine Berater Daten vorgelegt, welche die Auswirkungen der USA-Sanktionen zeigen – und es wird erwogen, die Schrauben noch weiter anzuziehen.

Iran arbeitet unter Sanktionen

“Der Iran ist in einer furchtbaren wirtschaftlichen Verfassung”, sagte Michael O’Hanlon vom Thinktank Brookings Institution der Nachrichtenagentur AFP. “Er kann kein Öl mehr in nennenswertem Umfang verschiffen. Und er arbeitet unter Sanktionen und hat keinen Zugriff auf seine Mittel in Übersee.” Die Frage sei indes, wieweit sich die Führung in Teheran darum schere: “Ich glaube, ein bisschen, aber nicht sehr viel.”

Für den Augenblick hat Trump seine Drohungen mit apokalyptischen Angriffen oder seine Versprechen diplomatischer Durchbrüche eingestellt, die sich seit Beginn des Iran-Kriegs vor mehr als fünf Monaten abgewechselt haben. “Wir verhandeln nur so halb mit ihnen”, sagte er “Axios”.

Trump sagte zudem, es gebe keinen Grund zur Eile, da die USA “volle Kontrolle” über die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz am Persischen Golf hätten. Teheran widerspricht: Die Kontrolle habe allein der Iran. Der Iran hatte die Meerenge zu Beginn des Krieges gesperrt, während die USA eine Blockade iranischer Häfen verhängt haben. Der Ölpreis ist in der Folge seit Monaten hoch.

Vance: Niedriger Ölpreis als Ziel

US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete einen niedrigen Ölpreis am Donnerstag als oberstes Ziel im Krieg gegen den Iran. An zweiter Stelle stehe, den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. Vance widersprach damit Trump, der bisher immer erklärt hatte, das iranische Atomprogramm sei der Grund für die Angriffe – selbst wenn der Krieg hohe Spritpreise für US-Bürger bedeute.

Der Strategiewechsel hin zu wirtschaftlichen Sanktionen könnte auch darauf hindeuten, dass Washington die militärischen Optionen ausgehen. Medienberichten zufolge sind die Vorräte bestimmter Langstrecken- und Abwehrraketen zum großen Teil aufgebraucht.

Wer ist der bessere Schachspieler?

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, bezeichnete den Aufruf zu neuen Sanktionen als “Rückzug” und verwies darauf, dass sein Land seit Jahrzehnten US-Sanktionen widerstanden habe.

Es ist völlig offen, ob der notorisch ungeduldige und an schnellen “Deals” interessierte Trump den langen Atem für eine langfristige Strategie wirtschaftlichen Drucks hat. In dem Interview mit “Axios” verglich der US-Präsident den Konflikt mit dem Iran mit einem Schachspiel. Teherans Außenamtssprecher Baghaei sagte daraufhin vor Journalisten: “Die Iraner haben bewiesen, dass sie professionelle Schachspieler sind.”