Ars Electronia Center Linz feiert 30. Geburtstag

02.09.2026 • 05:00 Uhr
Ars Electronia Center Linz feiert 30. Geburtstag

Zur österreichischen Millenniumfeier 1996 wurde am 2. September in Linz-Urfahr das erste “Museum der Zukunft” des Landes eröffnet: Auf 2.000 Quadratmetern war für 180 Millionen Schilling auf dem Kopf der Nibelungenbrücke das Ars Electronica Center (AEC) entstanden. Auf fünf Ebenen wurden neue Technologien aus den Bereichen Multimedia, Telemedia und Cybermedia gezeigt. Kommenden Dienstag feiert das AEC 30. Geburtstag, noch immer ist Gerfried Stocker der künstlerische Leiter.

169 Rechner, vom einfachen PC bis zum größten Grafikcomputer Österreichs, sowie 50 Kilometer elektrische Leitungen hatte das neue Haus, hieß es 1996. Das war zu einer Zeit, in der es weder WLAN noch Cloud-Computing, Smartphones und soziale Medien, Streaming und Chatbots gab. “Kein Mensch hatte je etwas gegoogelt”, steht 30 Jahre später auf der Website des AEC.

Von “Science-Fiction” zur Realität

Was in drei Jahrzehnten im AEC oft wie “Science-Fiction” anmutete, sei heute längst Realität. So wurden zahlreiche Prototypen entwickelt. Der US-Künstler Ken Goldberg schuf gemeinsam mit dem Futurelab den “Telegarden”, den Menschen aus aller Welt von 1996 bis 2004 über einen internetgesteuerten Roboterarm rund um die Uhr pflegen konnten. Die Telegärtnerinnen und Telegärtner trafen sich auch tatsächlich zu Meetings in Linz. Ein Publikumsmagnet war auch der Flugsimulator “Humphrey”, der das Erlebnis des Fliegens vermittelte. Besucher und Besucherinnen zogen eine Art Anzug an, der mit einer am Kopf befestigten Anzeige ausgestattet war. Man schwebte in Flugpositionen, durch die Körperbewegungen navigierte man in einer Virtual-Reality-Umgebung.

1996 präsentierte das Futurelab den weltweit ersten öffentlich zugänglichen Cave (Cave Automatic Virtual Environment), eine immersive Virtual-Reality-Installation mit 3D-Projektionen auf drei Seiten sowie dem Boden eines Würfels mit drei Metern Seitenlänge. Nachfolger war der 2009 eröffnete Deep Space, der 2015 zum Deep Space 8K weiterentwickelt wurde. Für das Europäische Kulturhauptstadtjahr 2009 hatte die Stadt Linz das AEC, das 1996 für 180 Millionen Schilling – was heute umgerechnet gut 13 Millionen Euro ausmacht – errichtet wurde, um 30 Millionen Euro ausbauen lassen. 40.000 Leuchtdioden wurden an die gläserne Hülle angebracht, die nachts das Gebäude in unterschiedlichen Farben leuchten lassen.

Technologischer muss gesellschaftlicher Fortschritt sein

Auf 6.500 Quadratmetern Fläche finden nun interaktive Ausstellungen, Testräume, ein Medienarchiv sowie das Entwicklungslabor Futurelab Platz. Mehr als 200 Personen bilden heute das Team des AEC, das laut Stocker, der seit der ersten Stunde das Haus führt, vor allem einen Anspruch hat: “Damit technologischer Fortschritt auch zum gesellschaftlichen Fortschritt beiträgt, müssen wir grundlegende Fragen immer wieder neu stellen und beantworten – genau darin liegt die Mission von Ars Electronica.”