Asche von Asturias kehrt nach Guatemala zurück

04.11.2026 • 12:34 Uhr
Asche von Asturias kehrt nach Guatemala zurück

Die Asche des Literaturnobelpreisträgers Miguel Ángel Asturias ist nun von den französischen Behörden an seine Familie übergeben worden. Nächste Woche soll sie ins Heimatland des Autors, nach Guatemala, überführt werden. Miguel Ángel Asturias war 1899 in Guatemala-Stadt geboren worden. Gestorben ist er 1974 in Madrid, beigesetzt wurde er in Paris. Den Literaturnobelpreis erhielt der Anwalt, Schriftsteller und Diplomat 1967.

Eine Urne mit den sterblichen Überresten wurde seinem Sohn am Dienstag im Rahmen einer Zeremonie im Rathaus von Paris übergeben. Mit Tränen in den Augen drückte der 85-jährige Miguel Àngel Asturias Amado das kleine, mit einem handgefertigten Tuch bedeckte Gefäß an sich. Sein Vater habe eigentlich nicht nach Guatemala überführt werden wollen. Frankreich sei das Land, das er “so sehr geliebt und geschätzt” habe, sagte der Sohn.

Rückführung bisher abgelehnt

Doch nachdem 2024 in Guatemala der sozialdemokratische Präsident Bernardo Arevalo ins Amt gekommen sei, habe sich die Lage geändert. Nach Jahrzehnten der Diktatur, blutiger Auseinandersetzungen und Krisen, steht er für die Hoffnung auf Demokratie in Guatemala. Gegenüber den beiden vorangegangenen Regierungen habe er eine Rückführung zwei Mal abgelehnt, sagte der Sohn.

Nun sollen die sterblichen Überreste des guatemaltekischen Autors am 12. November in seinem Heimatland eintreffen. Zwei Tage später ist im Nationalpalast eine Trauerfeier geplant. Dann soll die Asche in einem Denkmal beigesetzt werden, das sich im wichtigsten Kulturzentrum des Landes befindet. Das Zentrum trägt den Namen Miguel Ángel Asturias.

In Paris wird eine Gedenktafel an seinem Grab auf dem Friedhof Père-Lachaise an ihn erinnern. Seine sterblichen Überreste haben 52 Jahre lang dort geruht.

Vertreter des Magischen Realismus

Asturias’ berühmtestes Werk ist “Der Herr Präsident. Roman aus Guatemala”, das im Original 1946 erschienen ist. Inspiriert ist der Roman von der Diktatur unter Manuel Estrada Cabrera (1898–1920). Asturias war Vertreter des sogenannten Magischen Realismus; in seinen Werken verarbeitete er die Mythen und Legenden der indigenen Gemeinschaften seiner Heimat. 1970 erschien sein Debüt “Leyendas de Guatemala” (1930) auf Deutsch unter dem Titel “Legenden aus Guatemala”. Das Buch versammelt Erzählungen mayaischen Ursprungs. “Die Maismenschen”, im Original “Hombres de maiz” aus dem Jahr 1949 fiel in die Zeit vor dem Magischen Realismus. Asturias schildert darin den Konflikt zwischen den indigenen Gemeinschaften und der kapitalistischen Ausbeutung des Landes.