Bargeldversorgung in Gemeinden gut, aber nicht lückenlos

10.09.2026 • 12:29 Uhr
Bargeldversorgung in Gemeinden gut, aber nicht lückenlos

Die Bargeldversorgung in Österreichs Gemeinden ist nach wie vor nicht lückenlos. 15 Prozent haben keinen Bankomat, mehr als ein Drittel (36 Prozent) hat keine Bankfiliale, geht aus einer Umfrage des Trendforschungsinstituts Pittners Trendexpert im Auftrag der Geldservice Austria (GSA) hervor. Der Gemeindebund und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) arbeiten seit 2024 daran, die Lage mit der Aufstellung neuer Bankomaten in entlegenen Gemeinden zu verbessern.

Gemeindebundpräsident Johannes Pressl ist insgesamt “zufrieden, wie wir aufgestellt sind” bei der Bankomat- und Filialversorgung in den Gemeinden, sagte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Dennoch müsse man die Versorgung auch für die Zukunft absichern, denn Bargeld werde auch künftig eine große Rolle in Gemeinden spielen.

Das 2024 gemeinsam mit der OeNB und den Banken des Landes ausgehandelte “Bankomaten-Moratorium” sichert das bestehende Netz von rund 8.300 Bankomaten vorerst bis 2029 ab. Die OeNB stellt zusätzlich insgesamt 120 Bankomaten in schlecht versorgten Gegenden auf. Bisher sind laut OeNB 66 neue Bankomaten aufgestellt worden.

Bargeld kein Auslaufmodell

Die Umfrage unterstützt die Annahme, dass Bargeld in Österreich kein Auslaufmodell ist. Befragt wurden mehr als 200 Gemeindevertreter wie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister oder Amtsleiterinnen und Amtsleiter, damit haben rund 10 Prozent aller Gemeinden teilgenommen. Hinsichtlich Region, Funktion, Geschlecht und Alter der Befragten ist die Umfrage laut dem Institut repräsentativ.

Für knapp 80 Prozent hat Bargeld nach wie vor eine sehr oder eher hohe Bedeutung. Vor allem für das Alltagsleben in der Gemeinde wie den Besuch am Markt oder für Veranstaltungen sei es für fast alle (98 Prozent) unverzichtbar. Ebenso hat Bargeld nach Einschätzung der Befragten für kleine und mittlere Betriebe sowie für sozial schwächere Gruppen wie die ältere Bevölkerung einen wichtigen Stellenwert. Auch als Alternative in Krisenfällen wie möglichen Cyberattacken wird es von 87 Prozent als wesentlich erachtet.

Dass Bargeld als vor allem relevant im Krisenfall und für vulnerable Gruppen erachtet wird, entspricht für Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen, allerdings nicht ganz der Realität. Laut Umfragen würden auch junge Menschen in Österreich sehr wohl noch regelmäßig Bargeld verwenden. Es gäbe heutzutage einfach mehr Zahlungsmöglichkeiten als früher, die Monopolstellung von Bargeld sei dadurch verloren gegangen. Deswegen könne man Bargeld aber nicht als Auslaufmodell werten.

Das “Framing” von Kartenzahlungen als modern und bequem und Bargeldzahlung als rückständig sei außerdem Teil eines “interessengetriebenen Narrativs”, so der OeNB-Experte weiter. Bargeld werde nicht von Banken selbst, sondern von Notenbanken zur Verfügung gestellt und sei damit die öffentliche Form des Geldes, während hinter allen anderen Formen der Zahlung “milliardenschwere Geschäftsmodelle” stünden, die “auch stark in der Hand von US-Unternehmen” seien.

Regelmäßige Bargeldnutzung wichtig für Erhalt

Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bargeldversorgung in Österreich aber sehr gut, so Schroth. Damit das so bleibt und Bargeld auch im Krisenfall eine realistische Alternative ist, müsse man es aber auch regelmäßig verwenden. “Wenn ich es im Krisenfall verwenden will, muss ich es regelmäßig verwenden”, so Schroth. Denn nur bei regelmäßiger Verwendung funktioniere der Bargeldkreislauf. Auch für den Erhalt der Wahlfreiheit beim Zahlungsmittel sei der regelmäßige Gebrauch von Bargeld wichtig. “Wenn wir Wahlfreiheit weiter wollen, müssen wir Bargeld auch verwenden”, sagte auch GSA-Chef Gerhard Gierer.

In anderen Ländern, beispielsweise Schweden, ist das Bargeld bereits deutlich stärker zurückgedrängt worden. Die Bevölkerung ist damit jedoch nicht immer zufrieden. Schroth zitierte am Donnerstag Umfragen, laut denen rund 44 Prozent aller Befragten in Schweden den Rückgang des Bargeldes sehr negativ sehen würden. Offenbar seien in dem Land also nicht alle Transaktionen freiwillig digital, so der OeNB-Experte.