Bauherr:innenpreis 2026 geht unter anderem an die Villa Beer

23.10.2026 • 19:00 Uhr
Bauherr:innenpreis 2026 geht unter anderem an die Villa Beer

Die Kinderkrippe im steirischen Gabersdorf, die Wiedererrichtung eines ehemaligen Jesuitenrefektoriums durch die Universität Graz, eine klimafitte Platzgestaltung im Olympischen Dorf Innsbruck, die Erweiterung der Kulturbackstube in Innsbruck, die Werkhalle und das Bürogebäude von “Lehm Ton Erde Baukunst” im Vorarlberger Schlins und die Generalsanierung der Villa Beer in Wien: Diese sechs Projekte sind am Freitag in Graz mit dem Bauherr:innenpreis 2026 ausgezeichnet worden.

Der Preis wird seit 1967 von der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs vergeben. Heuer gab es insgesamt 132 Einreichungen, aus denen 23 der Hauptjury für die Endrunde vorgeschlagen wurden. “Gute Baukultur braucht gegenseitiges Vertrauen, Idealismus und Durchhaltevermögen. Gerade öffentliche Bauherr:innen müssen für architektonische Qualität oft hart kämpfen und dabei auch die Bereitschaft zum Konflikt mitbringen”, hieß es im Juryresümee.

“Ökologischer, sozialer, kultureller und ökonomischer Mehrwert”

Die nominierten und ausgezeichneten Projekte verbinde “weder Größe noch Budget, Typologie oder Formensprache, sondern eine Haltung: der Anspruch, Architektur als langfristigen Beitrag zur Baukultur zu begreifen und dafür Verantwortung zu übernehmen”, hieß es in einem Statement des Präsidiums der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs. “Sie belegen eindrucksvoll, welchen ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Mehrwert eine sorgfältig gestaltete Umwelt für unsere Gesellschaft schafft.”

So zeige das Projekt der Gabersdorfer Kinderkrippe eindrucksvoll, “dass baukulturelle Exzellenz keine Frage der Gemeindegröße ist, sondern das Ergebnis von Mut, tiefer Partizipation und anspruchsvoller Baukultur”, hob die Jury hervor und lobte den “beispielhaften Partizipationsprozess”.

“Geschichtsbewusste Modernität” und “städtebaulicher Problemfall”

Die Revitalisierung des ehemaligen Jesuitenrefektoriums am Rosenhain habe aus “einer Ruine aus Außenmauern, einzelnen Gewölben und wenigen Elementen früherer Zustände” eine “Verbindung von geschlämmtem Mauerwerk, neuer Massivität und klösterlicher Ordnung” entstehen lassen – “eine geschichtsbewusste Modernität, die nie nostalgisch wirkt”.

“Der DDr. Alois-Lugger-Platz galt mit 4.000 Quadratmetern vollständiger Versiegelung, extremer Hitzeakkumulation und massiver Föhnexposition als städtebaulicher Problemfall”, bei dem die vollständige Unterbauung durch eine Tiefgarage die größte Hürde dargestellt habe, wird das Innsbrucker Projekt COOLYMP analysiert, das “beweist, dass auch scheinbar verlorene Betonwüsten in hochfunktionale, elastische Schwammstadt-Räume transformiert werden können”.

Die Kulturbackstube im Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen wurde in Holzbauweise aufgestockt. Durch Mieteinnahmen kann das Kulturzentrum langfristig unabhängiger von Förderungen und Subventionen agieren. Damit wird Architektur hier zu einem Instrument der Ermöglichung”, lobte die Jury.

Die Bauwende in der Praxis

Für Martin Rauchs Architektur- und Handwerksunternehmen “Lehm Ton Erde Baukunst” sei “ein Gebäude von seltener Konsequenz und hohem Innovationsgehalt”, ausgeführt worden, hieß es. “Gestaltung, Konstruktion, Gebäudetechnik, Kosten und zukünftiger Betrieb gehen in hohem Maße aus einer gemeinsamen Logik und Verantwortung hervor. So wird die Bauwende nicht nur proklamiert, sondern als bauliche Praxis vorgeführt.”

Lob gab es schließlich auch für die Revitalisierung der von Josef Frank und Oskar Wlach errichteten Villa Beer, die als Museum wiedereröffnet wurde. “Mit großem Verantwortungsbewusstsein, Geduld und hohem finanziellem Einsatz wurde hier nicht die schnelle Lösung gesucht, sondern dem forschenden Umgang mit dem Bestand Raum gegeben. Jede getroffene planerische Entscheidung wurde von einem hinzugezogenen Expert:innenbeirat kritisch hinterfragt und stützte sich auf eine Vielzahl an Quellen und Materialbefunden.”

(S E R V I C E – )