Belgien beruft gegen Spielerlaubnis und schießt gegen FIFA
Im Streit um die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Teamstürmers Folarin Balogun hat Belgiens Fußballverband (RBFA) der FIFA schwere Vorwürfe zu einem Berufungsverfahren gemacht und weitere Schritte angekündigt. Der Verband sehe “keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten”, hieß es in einer RBFA-Stellungnahme kurz vor dem WM-Achtelfinale Belgiens gegen die USA am Dienstag (2.00 Uhr/MESZ).
Die Belgier teilten mit, ein Schreiben an die FIFA gerichtet zu haben mit der Bitte, eine Kopie der Entscheidung im Fall Balogun und eine Erläuterung des angewandten Verfahrens zu bekommen. Als einzige Reaktion habe der RBFA ein Schreiben der FIFA erhalten, in dem sie erklärte, die Korrespondenz als Berufung zu werten. Zudem teilte der Weltverband den Angaben nach mit, dass bereits ein Richter bestellt worden sei und dem RBFA nur wenige Stunden blieben, um diese Berufung zu vervollständigen.
Nach den eigenen Regularien der FIFA sei eine Berufung aber nur zulässig, wenn dem Berufungsführer zuvor die begründete Entscheidung zugestellt wurde, so der RBFA. “Obwohl der RBFA lediglich berechtigte Erklärungen verlangte, konstruierte die FIFA selbst ein Berufungsverfahren und sorgte zugleich dafür, dass dieses als unzulässig eingestuft werden würde”, hieß es im Statement der Belgier.
Belgischer Verband “zutiefst besorgt”
“Unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Partie ist der RBFA über den Verlauf der Ereignisse zutiefst besorgt”, schrieb der Verband weiter. Der RBFA werde sich “auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen”. Zuvor hatte “The Athletic” berichtet, die FIFA habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das keinem UEFA- oder CONCACAF-Verband angehört, sollte demnach über den Fall entscheiden.
Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war, und war zunächst für ein Spiel gesperrt worden. Die FIFA setzte die Sperre später unter Berufung auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der die Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ermöglicht, für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit ist der US-Stürmer nach derzeitigem Stand für das Achtelfinale gegen Belgien spielberechtigt.
UEFA sieht rote Linie überschritten
Ohne auf mögliche Umstände, die zur FIFA-Entscheidung führten, einzugehen, teilte die Europäische Fußball-Union UFEA mit. “Die automatische Spielsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte gegen Folarin Balogun für ein Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten.” Wie andere Sportarten basiere auch der Fußball auf Regeln, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. “Manchmal sind Regeln Auslegungssache, in diesem Fall aber nicht.”
Wenn die Rechtssicherheit von Regeln nicht mehr gewährleistet sei, stehe die Integrität des Spiels auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs werde untergraben. “Zudem schafft diese Entscheidung einen Präzedenzfall im laufenden Turnier, da ähnliche Situationen nun gleichbehandelt werden müssen – zum Nachteil des Wettbewerbs.” Die UEFA schloss mit dem Satz: “Wir zeigen uns fassungslos über diese beispiellose, unbegreifliche und ungerechtfertigte Entscheidung.”