Brau-Union-Kartellverfahren: Weitere Zeugeneinvernahme

16.03.2026 • 16:17 Uhr
Brau-Union-Kartellverfahren: Weitere Zeugeneinvernahme

Im laufenden Brau-Union-Kartellverfahren waren am Montag einmal mehr die Geschäftspraktiken des heimischen Bier-Marktführers im Fokus. Ein befragter Osttiroler Getränkehändler beschrieb, wie der Braukonzern aus seiner Sicht über die Jahre den wirtschaftlichen Druck erhöhte. “Ziel der Brau Union war, uns auszulöschen”, sagte der Zeuge am Montag vor dem Kartellgericht in Wien. “Sie wollten uns loswerden, weil wir Marktführer in Osttirol waren.”

Der Osttiroler Großhändler Getränkewelt wurde Mitte 2025 an die Ottakringer-Tochter Del Fabro Kolarik verkauft. Man habe den Betrieb wirtschaftlich nicht mehr weiterführen können, sagte der ehemalige Getränkewelt-Geschäftsführer und -Miteigentümer vor Gericht. Nach dem Verkauf im Vorjahr blieb der Zeuge Verkaufsleiter Osttirol bei Getränkewelt. Der Osttiroler Getränke-Großhändler ist weiterhin Logistikpartner der Brau Union.

Getränkehändler vs. Brau Union – Partnerschaft und Konkurrenz

Die als Logistikpartner fungierenden unabhängigen Getränkehändler liefern Bier und andere alkoholfreie Getränke auf Rechnung der Brau Union aus und bekommen dafür eine nicht näher bezifferte Logistikvergütung. Gleichzeitig können sie bei diesen “Streckenlieferungen” für den Bierkonzern auch Getränke aus dem eigenen Sortiment an die belieferten Kunden verkaufen. Die Brau Union hat in den vergangenen Jahren ihre Gastro-Zustellung mit eigenem Fuhrpark verstärkt und forciert auch den Getränkehandel mit großem alkoholischen und antialkoholischem Sortiment, sehr zum Missfallen der Getränkehändler und Logistikpartner.

Auch nach der Übernahme durch die Ottakringer-Tochter Del Fabro Kolarik im Vorjahr führt Getränkewelt weiterhin “Streckenlieferungen” für die Brau Union durch. Man habe weiterhin rund 20 Brau Union-“Streckenkunden”, bestätigte der Getränkewelt-Verkaufsleiter vor dem Kartellgericht auf Nachfrage eines Brauereikonzern-Rechtsvertreters. Auch im Jahr 2019 seien es 20 Kunden gewesen.

Gösser mit großem Abstand Marktführer in Osttirol

In Osttirol dominiert die Brau-Union mit Gösser aus der hauseigenen Brauerei Falkenstein den Biermarkt. Der Getränkewelt-Vertreter schätzt den Marktanteil der Brau Union in Osttirol in den vergangenen Jahren auf rund 75 Prozent. Der Osttiroler Getränkehändler macht weiterhin rund 65 Prozent seines Gastronomie-Geschäfts mit Biermarken der Brau Union, vor allem Gösser.

Die zu Heineken gehörende Brau Union ist unangefochtener Marktführer in Österreich. Rund die Hälfte des hierzulande produzierten Bieres entfällt auf den Konzern. Zur Brau Union gehören Biermarken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss. Im Fokus des Kartellverfahrens steht die Zusammenarbeit des Braukonzerns mit Getränke-Logistikpartnern und ob wirtschaftlicher Druck auf die Getränkelieferanten ausgeübt wurde. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ortet “eine Einflussnahme auf die Aktivität der unabhängigen Getränkehändler” durch den Braukonzern.

“Sie haben es uns im Einkauf büßen lassen”

Der Osttiroler Getränkehändler schilderte vor dem Kartellgericht mehrere Fälle, die aus seiner Sicht geschäftsschädigend waren. Wenn die Brau Union mit der Geschäftsbeziehung, etwa beim Sortiment oder Absatz, “nicht zufrieden war”, habe es Konditions- und Rabattkürzungen gegeben. “Sie haben es uns im Einkauf büßen lassen.” Auch die Außendienstmitarbeiter des Braukonzerns gingen offensiv vor. Die Brau Union habe Informationen vom Getränkehändler zu potenziellen Neukunden verlangt, wenn diese einen Investitionszuschuss der Brau Union benötigten, und dann den Gastronomen einen günstigeren Bier-Liefervertrag als der Händler inklusive Direktbelieferung angeboten.

Die Heineken-Beteiligung Paulaner verkaufte ihr Bier seit 2021 auch nicht mehr direkt an die Getränkehändler in Österreich, sondern konnte nur mehr über die Brau Union zu deutlich schlechteren Konditionen bezogen werden. Der Paulaner-Verkauf habe sich dann nicht mehr finanziell ausgezahlt, so der Getränkehändler.

Bierkisten-Aktionspolitik des Handels und Brau Union-Rabatte

In Osttirol wird laut dem befragten Getränkehändler in der Gastronomie im Vergleich zu Restösterreich sehr viel Flaschenbier getrunken. Deswegen seien die vielen Bierkisten-Aktionen in den Supermärkten ein großes Problem für den Getränke-Großhandel. Er könne beispielsweise eine Gösser-Bierkiste an Gastronomen nicht unter 22 Euro verkaufen, im Lebensmitteleinzelhandel gebe es sie in Aktion schon für 13 Euro. Der Getränkehändler vermutet, dass die Brau Union den Supermarktketten viel höhere Rabatte gewährt als den Getränke-Großhändlern. “Die Brau Union stiehlt uns die Kunden.” Die Gastronomen würden die Bierkisten statt beim Großhändler einfach im Einzelhandel einkaufen, so der Osttiroler Getränke-Großhändler.

Am späteren Montagnachmittag wurde noch ein weiterer Getränkehändler als Zeuge befragt.