Caritas fordert jährliche Valorisierung von Sozialleistungen

20.05.2022 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Caritas fordert jährliche Valorisierung von Sozialleistungen

Die Inflation schlägt bei den Ärmsten bereits voll durch. Davor warnte am Freitag die Caritas bei einer Pressekonferenz in der Lebensmittelausgabestelle in der Pfarre Alt-Ottakring. Die Anfragen in der Sozialberatung seien im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen. Caritas-Präsident Michael Landau forderte eine jährliche Valorisierung von Sozialleistungen. “Die Inflation schlägt nicht nur einmal zu, sondern jeden Tag. Wir brauchen Maßnahmen, die langfristig wirken.”

Konkret fordert die Caritas eine Reform der Sozialhilfe und des Familienbonus, eine jährliche Valorisierung von Sozialleistungen und eine Arbeitsmarktreform, die die Menschen besser stelle und nicht schlechter. Die Nettoersatzrate solle dauerhaft auf ein existenzsicherndes Niveau erhöht werden. Das Geld sei angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen aufgrund der Inflation vorhanden, betonte Landau. Österreich könne und müsse sich einen funktionierenden Sozialstaat leisten.

Besondere Kritik übte Landau daran, dass Gutverdiener vom Familienbonus am meisten und arme Familien am wenigsten profitieren. Das sei eine Ungerechtigkeit und sollte geändert werden, verlangte er.

Klaus Schwertner, geschäftsführender Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, berichtete, dass den Armutsbetroffenen nach Abzug der Fixkosten 7,5 Euro pro Tag übrigbleiben. “Man kann sich gar nicht vorstellen, was das bedeutet.” Die Teuerungen seien “bei den Menschen voll angekommen”, aber viele schämen sich und warten oft zu lange, bevor sie um Hilfe bitten. Die Inflation sei so hoch wie seit 1981 nicht mehr und das wirke sich bei den Ärmsten als erstes aus. Habe die Caritas 2021 noch 17 Tonnen Lebensmittel pro Woche ausgegeben, so seien es jetzt 24 Tonnen. Auch er appellierte an die Regierung “einen Rettungsschirm” über Armutsbetroffene zu spannen.

Doris Anzengruber, Leiterin der Sozialberatung Wien, sprach von einer alarmierenden Entwicklung. Viele Menschen müssten sich täglich fragen, ob sie Essen kaufen, die Stromrechnung zahlen oder dringend benötigte Kleidung für ihre Kinder kaufen. Vor allem die steigenden Energiepreise machen den Betroffene zu schaffen, Klienten berichten, dass sie 30 bis 40 Euro pro Monat mehr zahlen müssten. Das sei für viele nicht leistbar.

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